Er hat große Angst. Angst, in den Iran abgeschoben zu werden: Hossein, der 21-jährige Iraner, der (wie berichtet) am 15. Januar von der Polizei zu Hause abgeholt worden war und noch am gleichen Tag von München aus in seine Heimat ausgeflogen werden sollte. Um das zu verhindern, hat sich der junge Mann in der Arrestzelle der Kulmbacher Polizei mit einer Klinge selbst verletzt. Auch zwei Wochen danach ist sein linker Unterarm noch verbunden.

Ungewisse Zukunft

Hosseins Zukunft ist ungewiss. Der 21-Jährige wartet weiterhin auf das Urteil des Verwaltungsgerichts, das sich am 18. Januar mit seinem Fall befasst hat. In einer mündlichen Verhandlung konnte der Iraner noch einmal deutlich machen, warum er die Rückführung in sein Heimatland fürchtet. Weil er zum Christentum konvertiert sei, ihm dort der Tod drohe.

Vom Großvater sei er vor seiner Flucht nach Deutschland wegen der Abkehr vom Islam schon geschlagen worden. Bei der Rückkehr in seine Heimat müsse er um sein Leben fürchten, sagte Hossein am gestrigen Montag, als er gemeinsam mit Pfarrer Jürgen Singer im Gemeindehaus der Kreuzkirche Unterlagen wälzte, die sich im Asylverfahren angehäuft haben.

Auch Berliner machen mit

Mit dem Pfarrer feierte er da auch einen ersten kleinen Erfolg. Denn die Online-Petition, mit der gegen seine Abschiebung protestiert wird, hat 5272 Unterstützer (Stand gestern Nachmittag) gefunden. 5000 war die Grenze, die laut Initiatorin Hanna Schneider erreicht werden musste. Was ins Auge sticht: Die "openPetition" hat Menschen in ganz Deutschland erreicht. Auch 100 Berliner haben sich für den Verbleib des jungen Iraners ausgesprochen. 1239 Stimmen stammen aus dem Landkreis Kulmbach.

Petition wird Aures überreicht

"Wir sind sehr froh über die große Beteiligung", betonte Hanna Schneider. Wie sie und Pfarrer Singer mitteilten, soll die Petition in der kommenden Woche der Abgeordneten Inge Aures (SPD) überreicht werden - in der Hoffnung, "dass der Landtagsausschuss sich gegen Hosseins Abschiebung wendet".

Rechtsanwalt aus Regensburg

Dass das Urteil des Verwaltungsgerichts noch nicht vorliegt, bestätigte der Fachanwalt für Migrationsrecht aus Regensburg, Philipp Pruy, der den jungen Iraner vertritt. Nachdem sowohl der Asylantrag als auch ein Asylfolgeantrag abgelehnt worden waren, hatten die Bayreuther Richter vor elf Tagen Hossein angehört. Er hatte die Gelegenheit, seinen Übertritt zum Christentum zu bekunden.

Sollte das Urteil negativ ausfallen, könne er noch einen Antrag auf Zulassung einer Berufung beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof stellen, erläuterte Pruy. Bei der Ausländerbehörde habe er bereits einen Antrag auf Duldung Hosseins gestellt, weil sich dieser beim Versuch der Abschiebung verletzt habe und nicht reisefähig sei.

Die Petition selbst spielt im asylrechtlichen Verfahren keine Rolle. Mit ihr könne man aber politischen Druck ausüben, "vielleicht auch auf das Innenministerium", so Pruy. Vielleicht greife bei Hossein ja die Härtefallregelung.

An das Ministerium hat sich laut Pfarrer Singer diesbezüglich auch Regionalbischöfin Dorothea Greiner gewandt.

Wann eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des jungen Iraners getroffen wird? Eine Frage, die derzeit keiner beantworten kann. Für Hossein, der in Deutschland bleiben und Informationstechniker oder Kfz-Mechatroniker werden will, kann die Zeit des Hoffens und Bangens noch Monate dauern.