Der Tisch ist festlich gedeckt. Weiße Tischtücher, frische Gartenblumen, Servietten, handgeschriebene Namensschilder - jedes Detail hat Stil und ist liebevoll arrangiert. Luise Kreuzer strahlt, als sie mit ihrer Tochter Hildegard Leupold ins Burggut kommt. Die Kulmbacherin ist 100 Jahre alt und Ehrengast bei einem ganz besonderen Fest: dem 100. Geburtstagstisch der Kirchengemeinde St. Petri.

Genau vor acht Jahren und vier Monaten hat ein Team von ehrenamtlich engagierten Frauen gemeinsam mit Pfarrer Traugott Burmann eine schöne Idee in die Tat umgesetzt: Jeden Monat wollten sie einmal diejenigen Senioren der Gemeinde zu einem Fest einladen, die im jeweiligen Monat Geburtstag haben.



Jeder ist gleich wichtig
Es spielt keine Rolle, ob die Jubilare zu Hause ihren Geburtstag groß mit Familie und Freunden begehen oder ob sie allein sind und niemanden zum Feiern haben.
Beim Geburtstagstisch sind alle gleich wichtig, willkommen und wertgeschätzt. Alle dürfen sich als Mittelpunkt der Veranstaltung fühlen.

Die Idee kam von Anfang an gut an. Einladungen werden an alle Gemeindeglieder verschickt, die im betreffenden Monat mindestens ihren 70. Geburtstag feiern. Die Zahl der Gäste variiert, Krankheit oder Gebrechlichkeit sind oft Gründe, wenn jemand nicht kommen kann, aber trotzdem ist der gemütliche Gewölberaum im "Café Clatsch" immer gut gefüllt. "Ausgefallen ist unser Geburtstagstisch noch nie", sagt Edeltraud Linz, die von Anfang an zum Team gehört.

Unermüdlich und ideenreich
Die 77-Jährige ist ein Organisationstalent und unermüdlich, wenn es darum geht, den Senioren der Kirchengemeinde eine Freude zu machen.
100 Kuchen hat Edeltraud Linz seit dem ersten Geburtstagstisch gebacken, denn auch das ist den Organisatorinnen wichtig, um die familiäre Atmosphäre des Treffens perfekt zu machen. "Selbstgemacht schmeckt einfach am besten, sagt Helene Gust, ebenfalls von Anfang an dabei und seit 30 Jahren in der offenen Seniorenarbeit tätig. Vervollständigt wird das Team von Anita Müller, Renate Burmann und Christine Klein.

Für die Gäste ist der Nachmittag eine Höhepunkt im Alltag. Luise Kreuzer kann sich angesichts des reich bestückten Kuchenbuffets kaum entscheiden und wählt schließlich eine Schwarzwälder-Kirschtorte. "Wunderbar", schwärmt die Hundertjährige. Sie genießt die Gesellschaft der anderen Geburtstagskinder, die Gespräche, die Zithermusik von Hans Kull und das Rahmenprogramm.

Unterhaltsames Programm
Denn im Burggut wird an diesem Nachmittag nicht nur gegessen und getrunken. Die Gäste singen sich gemeinsam ein Ständchen, an der Gitarre begleitet von Pfarrer Burmann, schmunzeln über die von den Helferinnen ausgesuchten und vorgelesenen Gedichte und Geschichten, über den kleinen Geburtstagstisch-Sketch von Edeltraud Linz und Helene Gust. Und auch der religiöse Aspekt gehört bei der kirchlichen Veranstaltung selbstverständlich dazu: Ein Gebet zum Auftakt und zum Abschluss, das christliche Lied "Lobet den Herrn".
Am späten Nachmittag verabschieden sich die Gäste, bedanken sich bei den Helferinnen, legen eine kleine Spende ins bereitgestellte Körbchen.

4700 Euro gespendet
Das Geld ist nicht für Kuchen oder Deko - die werden grundsätzlich privat vom Team spendiert. Die Spenden bekommt die Kirchengemeinde St. Petri, und bei 100 Geburtstagstischen ist da schon einiges zusammengekommen - mehr als 4700 Euro. Für Pfarrer Burmann Grund genug, sich bei den Geburtstagskindern und den Ehrenamtlichen herzlich zu bedanken. "100 mal Geburtstagstisch, das bedeutet auch 100 mal Einsatz eines wunderbaren Teams."