Noch in diesem Sommer will sich der SPD-Kreisverband auf einen Kandidaten für den Landtag festlegen. Das erklärte SPD-Kreisgeschäftsführer Thilo Moosmann auf Anfrage.

Die Genossen hatten am Montagabend eine Kreisvorstandssitzung. Inhaltlich ging es schwerpunktmäßig um die Kandidatur für den Landtag, nachdem stellvertretende SPD-Kreisvorsitzenden Gabi Schülein überraschend erklärt hatte, 2018 kandidieren zu wollen.

SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl wollte sich zum Inhalt der Sitzung nicht äußern. Er ließ aber durchklingen, dass unterschiedliche Meinungen geäußert worden seien. Dass es zwei Kandidaten gebe, sei nicht außergewöhnlich, betonte er. Nun sollen die 42 Ortsverbände bis Ende Juni Vorschläge für mögliche Kandidaten für den Land- und auch den Bezirkstag einbringen. Danach wird es eine Sitzung mit den Ortsvorsitzenden und dem Kreisvorstand geben, in der es eine Empfehlung für einen Kandidaten geben soll. Die endgültige Entscheidung treffen schließlich die Delegierten aus den SPD-Kreisverbänden Kronach und Lichtenfels.

Auch Gabi Schülein hielt sich bedeckt. Wie sie erklärte, habe sie aber von verschiedenen Seiten Zuspruch erhalten. Für die Kreis-SPD sei es ein gutes Zeichen, wenn zwei oder mehr Genossen ihren Ring in den Hut werfen. Sie werde jedenfalls in den nächsten Wochen für ihr Ziel kämpfen. Die 52-Jährige weist auf die am Wochenende stattgefundene Wahl der SPD-Landesvorsitzenden hin und meint, dass es auch hier mehrere Bewerber gegeben habe. "Jetzt ist alles gut", will sie die öffentliche Diskussion im Keim ersticken.

"Warum diese Hektik plötzlich?", wunderte sich der Marktrodacher Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD). Er hatte für Montag eine Gemeinderatssitzung anberaumt und konnte deshalb nicht an der Kreisvorstandssitzung teilnehmen. Gräbner war vor der Landtagswahl 2013 neben Walter Schinzel-Lang ein Herausforderer von Ralf Pohl. Nach wie vor hält er es für wichtig, dass der Landkreis neben einem CSU-Kandidaten mit einer zweiten Stimme in München vertreten ist. Gräbner räumt Gabi Schülein gute Chancen ein, zumal diese eine Frau sei und aus der Rennsteig-Region komme. Die vergangenen Wahlen hätten bewiesen, dass die Bürger im Norden ihre eigenen Leute wählen: "Die wählen mit geballter Kraft", sagte Gräbner. Auf die Frage, ob er denn erneut seinen Hut in den Ring der Landtagskandidaten werfen möchte, antwortete Gräbner vielsagend: "Das ist für mich vorerst kein Thema, aber es ist ja noch Zeit."

Eine, die eine Kandidatur von Gabi Schülein befürwortet, ist die Kreistagsfraktionsvorsitzende der Frauenliste, Petra Zenkel-Schirmer. "Hut ab", betonte sie. Die Interessen der Frauen in der Politik könnten nur Frauen vertreten, ist sie überzeugt. Sie erinnert daran, als Gabi Schülein als mögliche weitere stellvertretende Landrätin im Gespräch gewesen sei. Noch heute bedauert es Zenkel-Schirmer, dass dies nicht geklappt habe. Jetzt könne sie Gabi Schülein nur aufmuntern: "Hab' Mut und trete an."