Und dann ist es so weit. "Still liegt im Leßbachgrunde, von Bergen rings umkränzt, mit Feld und Wies im Bunde, sag mir, dass du es kennst. Ein Stückchen Heimaterde, ich schau mich um und um. Es gibt nichts schön'res als mein Weißenbrunn", schallen die ersten Takte des Weißenbrunner Heimatliedes - der heimlichen Ortshymne - durch die Straßen. "Das haben wir im vergangenen Jahr bei unserem 100. Jubiläum gespielt und wir waren uns einig: Wenn wir ein Lied spielen, das jeder kennt, dann dieses", erklärt der Dirigent.
Der Weißenbrunner Musikverein sei froh und dankbar, dass er seine Feierlichkeiten damals ohne Krise und Zwischenfälle abhalten konnte. "Doch für die Vereine, bei denen dieses Jahr die Feierlichkeiten anstehen und bis auf weiteres nicht proben können, ist das natürlich keine leichte Situation. Aber alles andere wäre in der jetzigen Situation absolut unvernünftig", weiß Ninette Plitzner.
Mit dem spontanen Balkon-Ständchen wollen sich die Weißenbrunner solidarisch zeigen und jedem, der mithört, mitten in der Krise einen Moment der Freude zu bereiten. "Unser Slogan lautet derzeit: ,Trotz größtmöglicher Distanz zueinander maximale Freude miteinander.‘"
Nach zwei Minuten ist das Lied vorbei und aus den Häusern in der näheren Umgebung ist Applaus zu hören. Unter "Juhu"-Schreie mischen sich "Zugabe, Zugabe"-Forderungen. Diesem Wunsch kommen einige der Musiker spontan nach und spielen die Fuchsgraben-Polka, während die Plitzners vom Balkon aus in die Dunkelheit schauen.
Im Haus rund 50 Meter entfernt geht das Licht an und aus - Marco Plitzner gibt mit seiner Stirnlampe ein Lichtzeichen zurück. Dann klingelt sein Handy. Eine SMS geht ein. "Ich stehe gerade im Zimmer meines Sohnes, schalte das Licht an und aus und heule", schreibt ein Musiker-Kollege.
Alle sind sich einig: Das Balkon-Ständchen nach italienischem Vorbild war ein absoluter Erfolg. "Mal schauen, vielleicht machen wir das jetzt jede Woche", scherzt die Vorsitzende. Doch das hat die Geschichte gezeigt: Aus einem Scherz entstehen oft die besten Ideen...