Die Pressemitteilung des Landratsamts zu den jüngsten Entwicklungen liest sich wie die nächste Stufe eines Katastrophenszenarios. Darin ist von zusätzlichen Mitarbeitern die Rede, die aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zusammengezogen werden sollen. Der stellvertretende Landrat Gerhard Wunder (CSU) schließt einen Einsatz von Bundeswehrsoldaten im Landkreis nicht mehr aus. Landrat Klaus Löffler (CSU) appelliert an die Bevölkerung. Und die Klinik wird nach den Ergebnissen des ersten Massentests zu einem Corona-Hotspot erklärt, den es unter allen Umständen zu kontrollieren gilt.

Gerade die Helios-Frankenwaldklinik steht gerade im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie bereits berichtet sind 38 Klinikmitarbeiter derzeit in Quarantäne. Doch die Auswirkungen des ersten Massentests mit etwa 660 Mitarbeitern und Patienten ziehen weitere Kreise: "Mit Blick auf die hohe Sieben-Tage-Inzidenz und die Tatsache von seit dem vergangenen Wochenende sieben weiteren positiv getesteten Klinik-Mitarbeitern mussten nahezu alle Beschäftigten als Kontaktperson ersten Grades eingestuft werden", schreibt die Presseabteilung des Landratsamts am Mittwoch. "Um den Klinikbetrieb aufrecht zu erhalten, dürfen sie zwar mit Ausnahmegenehmigung arbeiten, müssen sich jedoch außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit in häusliche Quarantäne begeben." Eine zweite Testreihe fand am Dienstag statt. Mit Ergebnissen rechnet die Klinik bis zum Wochenende.

Doch was passiert mit den Terminpatienten? Klinik-Pressesprecher Stefan Studtrucker antwortet auf Nachfrage des FT, dass die Sekretariate derzeit alle Terminpatienten, die in der Zeit bis zum 7. Dezember einen Klinikaufenthalt geplant hatten, kontaktieren und individuelle Lösungen finden. "Grundsätzlich sind trotz des teilweisen Aufnahmestopps weiterhin alle Bereiche der Frankenwaldklinik einsatzbereit, da wir nicht nur für Notfälle, Geburten und Covid-Erkrankungen weiter offen sind, sondern wir natürlich auch die Patientinnen und Patienten, die sich bereits in unserer Obhut befinden, weiter wie gewohnt versorgen." Auch die unabhängigen Einrichtungen auf dem Klinikgelände wie das MVZ und die Facharztpraxen haben weiterhin geöffnet, erklärt er.

Entbindungen, solange es sich nicht um einen geplanten Kaiserschnitt handelt, werden "nach Abwägung aller Risiken" weiterhin durchgeführt, erklärt das Gesundheitsamt. Zudem werden regelmäßig Antigen-Schnelltests verwendet, um "eine weitere Ausbreitung des Virus' auf ein Minimum zu reduzieren." Sowohl dem Gesundheitsamt als auch der Frankenwaldklinik stehen genügend PCR- und Antigen-Tests zur Verfügung, erklären beide Pressesprecher.

Verstärkung für das Team

Alle Maßnahmen dienen der Eindämmung einer Situation, die sich beachtlich verschärft hat. Der Inzidenzwert liegt bei 247,22. Am Mittwoch wurde bekannt, dass zwei weitere Menschen, eine 94-Jährige und ein 84-Jähriger, an den Folgen gestorben sind - seit März: zwölf Tote. Der Landkreis plant nun alle Kräfte auf die Nachverfolgung der Infektionsketten zu konzentrieren. "Demnach wird Personal aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens zusammengezogen, um das bestehende Team aus rund 30 Personen zu verstärken", heißt es aus dem Landratsamt. Die zusätzlichen Kräfte sollen aus verschiedenen staatlichen Behörden wie dem Finanzamt und der Polizei rekrutiert werden.

Zudem stellt Gerhard Wunder einen nächsten Schritt in Aussicht, wenn das Personal dennoch nicht ausreichen sollte: "Dabei könnte auch die Anforderung von Bundeswehrkräften eine Rolle spielen", sagt der stellvertretende Landrat. Auch im Nachbarlandkreis Lichtenfels setzt das Gesundheitsamt Soldaten ein, die Aufgaben in der Kontaktnachverfolgung übernehmen. Bereits vier zusätzliche Mitarbeiter haben am Mittwoch ihren Dienst begonnen, sagt Wunder.

Landrat Klaus Löffler erklärt in der Pressemitteilung, dass er den Bürgerinnen und Bürgern dankbar sei, insgesamt verantwortungsbewusst mit der Situation umzugehen. Aber er appelliert auch an alle: "Dennoch zeigt das Infektionsgeschehen im Landkreis, dass es mehr denn je wichtig ist, aufeinander zu achten und pflichtbewusst mit den geltenden Infektionsschutzbestimmungen umzugehen."

Pressesprecher Studtrucker hofft wie die Klinikleitung, dass die Maßnahmen eine schnelle Rückkehr zum Normalbetrieb ermöglichen: "Ab dem 7. Dezember wollen wir wieder mit unserem vollen medizinischen Angebot zur Verfügung stehen."