Bei der Premiere am Samstagabend erlebte das Publikum eine besondere Veranstaltung, die auch zum Nachdenken anregte.

Die Schaubühne wurde zu einer farbenprächtigen historischen Kulisse umfunktioniert. Die Anwesenden erlebten Hoffnung, Verrat, Verlust, Trauer, Liebe und Erlösung. Damit verbunden war eine den Zuschauern mit den Möglichkeiten des Schauspiels und der Bühnentechnik stark reizende und emotionale Darstellung.
Erzählt wurde die Geschichte vom Leben, Leiden und Sterben Jesu und seiner Auferstehung. Auf die Bühne gebracht wurden alle Bereiche der Gefühlswelt. Es sind besondere Akzente, der in dem Wunder der Auferstehung mündenden Passion, die sehr menschliche und berührende Schicksale zeichnen.


Verantwortung des Menschen

Da ist Judas, der Jesus verrät und es danach bitter bereut. Da ist Nabal der Händler (Adem Elkol), der zuvor Judas zu seinem Handeln animiert. Es gibt den römischen Statthalter Pontius Pilatus (Hans Kaufmann) und den König Herodes (Rainer Tröbs), die hier nicht unbedingt als böse Figuren charakterisiert werden können.
Die Fähigkeit zu denken und damit das eigene Verhalten nach Gutdünken auszurichten, das im eigenen Sinn Gute zu wollen und letztendlich das Böse zu bringen, das wird deutlich.

Eben halt solche Verhaltensweisen, wie sie der Mensch schon immer gezeigt hat und auch jetzt in der Gegenwart noch zeigt. Lässt man sich während der Aufführung gefangennehmen, dann wird in dieser Passion zum Ausdruck gebracht, welche Verantwortung jeder Mensch auf sich nimmt und was ihm aufgebürdet wird.


Sanftmut und Verzweiflung

Jörg Schrepfer, der die Jesus-Rolle innehat, steht für eine Jesus-Interpretation, die sämtliche Gefühle durchläuft. Er gibt den Sanftmütigen, Verständnisvollen und Gutmeinenden, der sich aber bewusst ist, dass nicht er sein Handeln bestimmt, sondern dass er einen Auftrag erfüllen muss. Er zweifelt nicht nur, er ist auch voller Angst. Sein Charisma wandelt zur Resignation. Eine der unterschwelligen Botschaften, die bei seinem Auftritt rüberkommt, mag sein - ein Mensch zu sein, erfordert mitunter viel Kraft.

Die Passionsspiele vermitteln, neben der Anregung für jeden Einzelnen über das Leben nachzudenken, auch viel Gemeinschaft. Der Chor, bestehend aus dem Singkreis Tettau und Buchbach, unter der Leitung von Anja Knabner, stellt das Volk dar und ist vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung in das Geschehen auf der Bühne integriert. Lieder und Gesang, teilweise waren auch Solostücke darunter, gehen unter die Haut.

Insgesamt erleben die Besucher bei der Passion emotionale Momente. Bei der Premiere bedankte sich das Publikum abschließend mit langanhaltenden Ovationen bei den Darstellern und der von Lydia Müller verantworteten Regie. Noch während sich die Turn- und Festhalle langsam leerte, kam es immer wieder zu herzlichen Umarmungen unter den Darstellern und Zuschauern.


Rund 70 Darsteller

"Willkommen in Jerusalem", so Lydia Müller zu Beginn der Veranstaltung. Sie bedankte sich bei den rund 70 Darstellern, bei allen Helfern vor und hinter den Kulissen sowie bei allen Sponsoren. Sie sei froh, dass die Passionsspiele in ihrer Gemeinde stattfinden können. Sie wies darauf hin, dass der Singkreis Tettau 2015 den 20. Geburtstag feierte. Damals wuchs der Gedanke, dieses Ereignis mit etwas "ganz Großem" abzuschließen.
Bei den Mitwirkenden waren alle Generationen von 10 bis 73 Jahre vertreten. Die Darsteller kamen nicht nur aus Tettau, sondern insgesamt aus den fränkischen Rennsteig-Gemeinden.

Stolz auf seine Kirchengemeinde, die ein so theologisch anspruchsvolles Laienspiel auf die Beine bringt, ist Pfarrer Jörg Zech. "Wahnsinn, mit welcher Leidenschaft alle Darsteller gespielt haben!" Durch diese Aufführungen würden die christlichen Werte des Abendlandes dargestellt. Außerdem rege dieses Passionspiel dazu an, sich selbst mit seinem Glauben auseinanderzusetzen.

Einer der Zuschauer war Stefan Ebertsch. Er sprach wohl dem Publikum aus dem Herzen, als er meinte: "Die Passion ist total beeindruckend!"

Am kommenden Freitag wird die Schirmherrin der Passionsspiele, die Regionalbischöfin Dorothea Greiner, in Tettau erwartet.

Weitere Aufführungen finden am Freitag, 11., Samstag, 12., und Sonntag, 13. März, statt. Karten gibt es im Vorverkauf im Tettauer Rathaus oder unterwww.live-kartenshop.de. Beginn der Aufführungen ist Freitag und Samstag um 19, und Sonntag um 17 Uhr.