Von den Bäumen gewehte Blätter waren die Vorboten: Immer wilder wirbelten sie am frühen Mittwochabend aufgeregt raschelnd durch die Straßen. Die davon angekündigten Sturmböen machten im Landkreis anschließend zwar nur kurz Station, hinterließen aber sichtbare Spuren - und sorgten bei Polizei und Feuerwehr für ordentlich Arbeit.

Offenbar aber für weniger als erwartet. "Für einen Sturm waren es erstaunlich wenige Einsätze", sagt Gerhard Anders, Pressesprecher der Kronacher Polizeiinspektion. "Wir hatten zwar einige Anrufe, aber insgesamt ging alles recht glimpflich aus."


Offenes Feuer

Das gilt wohl vor allem für die Bewohner eines Mehrfamilienhauses am Äußeren Ring in Kronach. Denn als die Feuerwehr am Kreuzberg gegen 19.30 Uhr eintraf, empfing sie ein offenes Feuer, das auf einem Balkon im Erdgeschoss ausgebrochen war (wir berichteten). Nachdem sich die Polizei am Mittwoch noch mit Vermutungen über die Brandursache zurückhielt, gab es einen Tag später mehr Details. "Wir gehen davon aus, dass der starke Wind einen Aschenbecher umgekippt und sich die heiße Asche daraufhin auf den Balkonmöbeln ausgebreitet hat", teilt Anders zum derzeitigen Ermittlungsstand mit. Brandstiftung könne ausgeschlossen werden.

Weil neben einem Gartenstuhl und einem Tisch auch die Hausfassade in Mitleidenschaft gezogen wurde, entstand ein Sachschaden von ungefähr 10.000 Euro.

Dass der Wind indirekt nicht nur Feuer entfachen, sondern auch für einen Stromausfall sorgen kann, bewiesen die heftigen Böen in Ziegelerden - wo sie im Röhrenweg einen Baum zu Fall brachten. Weil dieser aber von einer Stromleitung aufgefangen wurde, musste der betroffene Bereich kurzzeitig vom Netz genommen werden. Eine vom Stromanbieter "E.ON" beauftrage Fachfirma kümmerte sich darum, die Stromleitung vom Baum zu befreien.


Stromkabel löst sich von Wand

Eine Hauptrolle spielte ein Stromkabel auch in der Ortsmitte von Voigtendorf. Samt Verteilerkasten löste es sich von einer Hauswand und hing daraufhin tief über der Fahrbahn. Eine 43-jährige Autofahrerin sah das ungewöhnliche Hindernis zu spät, weshalb der Verteilerkasten das Autodach beschädigte.

Welche Kraft der Wind entwickeln kann, wurde zudem in Küps in der der Höhe des Fußballplatzes deutlich, als ein geparkter Anhänger von der Straße in den Straßengraben gedrängt wurde.
Am Kronacher Hussitenplatz bei der Weka fehlte einigen Kabelbindern die Kraft, eine damit befestigte Werbetafel zu halten. Die Tafel flog daraufhin gegen die Heckklappe eines geparkten Opel Astra.
Ansonsten waren es vor allem Bäume, die Probleme bereiteten. Unter anderem um 18.37 Uhr in der Paul-Keller-Straße in Kronach. Den umgestürzten Baum entfernten Mitarbeiter des Bauhofs. Im Roßwinkel in Küps musste die Feuerwehr gar nicht erst ausrücken, da es den Anwohner gelang, die Straße selbst von den kleineren Bäumen zu befreien.

Am Kronacher Kachelmannsberg kümmerte sich ebenso wie am Flügelbahnhof die Feuerwehr um die Beseitigung von Bäumen, die vor den Windböen kapituliert hatten.

Im nördlichen Landkreis machten sich diese erst etwas später bemerkbar. "Die heftigsten Böen waren hier so zwischen 21 und 22 Uhr", erzählt Albert Büttner von der Polizeiinspektion Ludwigsstadt. Sachschäden mussten seine Kollegen aber keine aufnehmen. "Wir sind äußerst glimpflich davongekommen. Es sind nur einige Bäume umgefallen und das wurde alles auch rechtzeitig gemeldet", so Büttner.


Autofahrer hatten Glück

Den Anfang machte um 18.30 Uhr ein großer Ast, der die Serpentinen bei Förtschendorf versperrte, jedoch schnell wieder von der Straße entfernt werden konnte. Mehr zu tun gab es ab 21 Uhr auf der Straße zwischen Teuschnitz und Förtschendorf, als ein Baum bei Rappoltengrün auf die Fahrbahn krachte. Autos befanden sich zu dem Zeitpunkt glücklicherweise keine an der betroffenen Stelle. Ebenso wie kurze Zeit später auf der B 85 zwischen Lauenstein und Probstzella.

Wieviele Schäden im Landkreis genau entstanden sind, konnte die Polizei am Donnerstag allerdings gar nicht genau sagen, da einige durch den Sturm entstandene Hindernisse - wie im Roßwinkel - von der Anwohnern selbst entfernt worden sind und es nicht immer zu einer Schadensmeldung kam.