Die SPD-Fraktion will in der nächsten Kreistagssitzung einen Antrag stellen. Die Verwaltung im Landratsamt soll prüfen, ob die Einführung des Mobilitätskonzepts durch einen kommunalen Eigenbetrieb auf die Beine gestellt werden könnte. Das heißt, es soll geprüft werden, ob es Sinn macht, dass der Landkreis für das Mobilitätskonzept die Fahrzeuge beschafft und entsprechend Personal einstellt. Das sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Richard Rauh bei einem Pressegespräch am Dienstag.
Seit drei Jahren ist das Mobilitätskonzept im Landkreis ein Thema. Für die verantwortlichen Politiker ist klar, dass diese Dienstleistung ein notwendiger Baustein für die Daseinsvorsorge im Landkreis Kronach ist.
Im Kern geht es darum, dass Bürger - die nicht mobil sind - Ruftaxis kontaktieren können, die sie dann beispielsweise zum nächsten Supermarkt oder zum Arzt bringen können. Oder auch, dass Auszubildende von ihrem Wohnort zu ihrem Arbeitsplatz gelangen, beispielsweise von Steinwiesen nach Wallenfels oder Teuschnitz nach Tettau.
Im Juni 2014 startete das Regionalmanagement landkreisweit mit einem Fragebogen. Nach der Auswertung und in einer Klausurtagung im Frühjahr 2015 hieß es, das Konzept sei bis Mitte des Jahres fertig und komme Ende 2015 zum Tragen.
Im Sommer 2015 wurde der Start des Mobilitätskonzeptes für den Beginn des Schuljahres 2016/2017 in Aussicht gestellt. Dann wiederum wollte man die Fahrplanänderung der Bahn zum Dezember 2016 abwarten. Mitunter wurde auch eine teilweise Einführung des Mobilitätskonzeptes ins Auge gefasst. Als aktueller Termin stand nun der Beginn des Schuljahrs 2017/2018 auf dem Plan. Dass das Vorhaben noch nicht realisiert werden konnte, liegt den Worten von Richard Rauh zufolge daran, dass einfach zu wenig Anbieter vorhanden beziehungsweise zu viele abgesprungen sind. "Jetzt", so erklärt Rauh, "spricht man von einer Einführung des Mobilitätskonzeptes in seiner Gesamtheit im Jahr 2018 und 2019."
Richard Rauh konnte seinen Ärger nicht verbergen: "Warum schaffen das die anderen Landkreise und wir nicht?" Auch für den SPD-Vorsitzenden Ralf Pohl steht fest: "Es muss sich was tun!"
"Die Einführung des Mobilitätskonzeptes ist holprig", so der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Stefan Wicklein. Auch er wünschte nun eine schnelle Umsetzung, zumal dies gerade für die Mobilität und Lebensqualität für die Menschen in der Fläche notwendig sei.


CSU: Fahrer fehlen

Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Bernd Liebhardt, drängt darauf, dass vor allem die Schülerbeförderung bis zum Schuljahresanfang 2017/18 funktioniert. Ursprünglich sollte die Schülerbeförderung nicht mit dem Mobilitätskonzept in Zusammenhang gebracht werden. Durch den Landratswechsel will man diese mit einbinden. Liebhardt spricht davon, dass Unternehmen abgesprungen seien. Jetzt werde nach einer Gesamtlösung gesucht. "Das Problem sind die fehlenden Fahrer." Dass für ihn die Verbesserung der Schülerbeförderung und zwar zum kommenden Schuljahrsbeginn oberste Priorität hat, macht er so deutlich: "Ich werde nichts anderes akzeptieren - und es ist mir egal, unter welcher Überschrift das läuft."
Für die Vorsitzende der Frauenliste, Petra Zenkel, ist der Vorstoß der SPD-Kreistagsfraktion kein schlechter Gedanke. Aber sie ist überzeugt, dass das Landratsamt es so umsetzt wie geplant. "Es ist alles auf dem Weg gebracht!" Und was sagt der Landrat und das Regionalmanagement dazu? Landrat Klaus Löffler (CSU) und Regionalmanager Willi Fehn haben zu diesem Thema am heutigen Mittwoch zu einem Pressegespräch eingeladen.


Historie


Bestandserhebung Dass das Mobilitätskonzept ein wichtiger Bestandteil für die Daseinsvorsorge auf dem Land ist, stand für die Kommunalpolitiker schon vor knapp vier Jahren außer Frage. Im Jahr 2014 wurde eine Bestandserhebung durchgeführt.

Anmeldung Michaela Morhard, die damals im Landratsamt für das Projekt zuständig war, war in den Gremien, um den Bürgern das neue Modell vorzustellen. Sie sprach von zwölf Sektoren im Landkreis und mehreren Bedarfsstellen. Angedacht war, dass der Fahrgast bei der Fahrauskunftszentrale in Nürnberg seinen Bedarf anmeldet. Von dort würde er Auskunft erhalten, wann das Taxi beziehungsweise der Kleinbus an welcher Bedarfsstelle hält. Die Verantwortlichen gingen von Kosten in Höhe von 400 000 Euro aus, davon würden 70 Prozent von der Staatsregierung gefördert, so hieß es damals. Für den Rest hätte der Landkreis aufkommen sollen. Die Bürger sollten also auch ohne Auto mobil sein. Im Oktober 2016 sah man bereits Plakate, mit denen die Einführung des Mobilitätskonzepts beworben wurde. Es war auch eine Telefon-Nummer angebracht. Problem war: Es ging keiner ran.

Bewerber Die geplante Einführung scheiterte damals nicht am Geld, sondern an mangelnden Bewerbern. Mittlerweile geht man zwecks der Realisierung des Mobilitätskonzepts von Kosten in Höhe von mehr als 800 000 Euro aus. Es soll allerdings auch seit Juni 2017 ein neues Förderprogramm geben. vs