An Arbeit mangelt es ihnen sicher nicht: Wird nicht gerade nach neuem Bauland gesucht, muss bestimmt ein altes Gebäude dringend saniert oder die nächste Dorferneuerung geplant werden. Gerne auch alles gleichzeitig. Wenn schon, denn schon. Und dann gibt es da ja auch noch die Besuche auf runden Geburtstagen, Hochzeits- oder Vereinsjubiläen. Ein Pflicht-Termin für jeden Bürgermeister. Denn mindestens eines haben die 18 Gemeindeoberhäupter aus dem Kreis Kronach gemeinsam: ihre Terminkalender füllen sich ohne Probleme.


Vier aus 18

Der große Unterschied: Vier von ihnen arbeiten die Einträge nicht hauptberuflich, sondern ehrenamtlich ab. Neben Reichenbachs Bürgermeisterin Karin Ritter (SPD) sind das Michael Pöhnlein (FW/Markt Nordhalben), Knut Morgenroth (SPD/Gemeinde Schneckenlohe) und Peter Klinger (CSU/Gemeinde Tschirn). Es könnten sogar mehr sein. Denn "in Gemeinden bis zu 5000 Einwohner ist der Bürgermeister grundsätzlich Ehrenbeamter", erklärt Bernd Graf, Pressesprecher des Kronacher Landratsamts.
Im Kreis Kronach beträfe dies alle Städte und Gemeinden außer der Kreisstadt selbst (circa 17 000 Einwohner) und Küps (circa 7800). Dass dennoch deutlich mehr Bürgermeister hauptberuflich die Stadt- beziehungsweise Gemeinderäte leiten, liegt an den zuvor von den Gremien getroffenen Entscheidungen. Wird bis spätestens 90 Tage vor der nächsten Wahl die Satzung entsprechend geändert, wird der nächste Bürgermeister ein sogenannter Beamter auf Zeit - und als solcher besoldet.
Freilich kann auch das genaue Gegenteil beschlossen werden - wie vor vier Jahren in Nordhalben. Dessen ehemaliger Bürgermeister Josef Daum (CSU) hatte zusätzlich zu seinem Amt lange Jahre den Posten des geschäftsleitenden Beamten übernommen. "Da habe ich aber dann feststellen müssen, dass das nicht mehr zu verkraften ist", sagt Daum, der daraufhin wieder einen geschäftsführenden Beamten einstellte - und den Gemeinderat darum bat, dass der nächste Bürgermeister doch wieder ehrenamtlich arbeiten solle. So könne das Gemeindeoberhaupt durch den geschäftsführenden Beamten, der Haushalt zudem durch das geringere Gehalt entlastet werden.
Ehrenamtlich heißt zwar nicht, dass die Bürgermeister für ihre Arbeit nicht entlohnt werden, sie erhalten aber keine Vergütung im eigentlichen Sinn, sondern monatlich eine Entschädigung (siehe Grafik).


"Riesige Herausforderungen"

Die Person, die schließlich im Ehrenamt ins Rathaus einzog, war allerdings überraschend nicht Daum, sondern sein Herausforderer Pöhnlein. Der kann sich nach vier Jahren im Amt mit der damaligen Entscheidung des Gemeinderates nur bedingt anfreunden. "Aufgrund der Aufgabenfülle kann man allein gar nicht alles schaffen", sagt Pöhnlein. "Da gerät man als ehrenamtlicher Bürgermeister schon an seine Grenzen, weil man ja auch noch andere Sachen hat, bei denen man nicht alles stehen und liegen lassen kann."

Er sei seinem Stellvertreter Ludwig Pötzinger (FW) daher äußerst dankbar, weil dieser ihn auf vielen Terminen vertritt. "Das ist ganz klasse. Denn wir haben viel Arbeit und stehen in Nordhalben vor riesigen Herausforderungen, wissen gar nicht, wo wir zuerst anfangen sollen", sagt Pöhnlein mit dem Wissen im Hinterkopf, dass bis 2020 unter anderem 15 Projekte der Nordostbayern-Initiative anstehen. Ändert sich zur nächsten Wahl an dem Modell in Nordhalben daher vielleicht noch etwas? "Schauen wir mal", sagt Pöhnlein und lacht.
Wie dasselbe Argument genau für eine gegenteilige Meinung herhalten kann, zeigt der Blick auf die Landkreiskarte ein bisschen weiter westlich. In Teuschnitz könnten mehrere angelaufene Projekte dafür sorgen, dass Gabriele Weber (CSU) ab 2020 nicht mehr haupt-, sondern ehrenamtlich in ihrem Büro sitzt. "Wir haben in der Partei selbstverständlich schon darüber gesprochen, wie es denn weitergehen soll", erklärt sie. Dabei sei dann der Wunsch geäußert worden, dass sie doch noch einmal kandidieren solle - was nur in ehrenamtlicher Funktion möglich ist.


"Lassen uns da nicht hetzen"

In der darf ein Bürgermeister nämlich auch älter als 67 Jahre sein. Möglich ist dieser "Trick" der Amtszeitverlängerung über das Rentenalter hinaus übrigens nur für kreisangehörige Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern. In der Kreisstadt wäre ein solcher Schachzug also ausgeschlossen.
Ob sie aber tatsächlich noch einmal antritt, weiß Gabriele Weber noch nicht. "Das entscheidet die Partei", sagt sie. "Außerdem haben wir bis zur Wahl ja noch ganz viel Zeit, zu entscheiden, und lassen uns da nicht hetzen." An Arbeit wird es auch ihr in der Zwischenzeit sicher nicht mangeln.