Sie sind in ihrem Einsatzgebiet zu Hause. Deshalb können Benjamin Schneider und Julian Klinke innerhalb weniger Minuten, nachdem ein Notruf einging, Erste Hilfe leisten. "Im Schnitt brauchen wir ein bis zwei Minuten bis wir losfahren, mit dem Auto sind es maximal fünf Minuten bis zum Einsatzort", berichtet Klinke, der sich seit sieben Jahren ehrenamtlich als Helfer vor Ort engagiert. "Laut der Statistik sind wir sieben Minuten eher da als der Notarzt", ergänzt sein Kollege Schneider.

Zehn Helfer vor Ort in Küps

Die Helfer vor Ort in Küps gibt es mittlerweile seit zehn Jahren. Schneider ist seit der Gründung der Gruppe dabei. Über ihre ehrenamtliche Tätigkeit sind der 31-Jährige und Klinke auch zu ihrer hauptberuflichen Arbeit als Notfallsanitäter gekommen. "Wir sind insgesamt zehn Helfer vor Ort im Markt Küps, vom Lehrer bis zum Büroangestellten sind alle Berufsgruppen vertreten", zählt Schneider auf.

Ohne eine Stammbesetzung von acht bis zehn Leuten ist es schwer, den Dienstplan auszufüllen. "Das Einsatzfahrzeug muss jeden Tag von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens und am Wochenende durchgängig besetzt sein", erklärt Ralf Schmidt, der beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in Kronach als Ehrenamtskoordinator tätig ist. Der eingeteilte Helfer habe in der Zeit das Einsatzfahrzeug und müsse sich im Einsatzgebiet aufhalten, das den gesamten Markt Küps umfasst. In gesamten Landkreis Kronach seien die Helfer vor Ort in der Regel rund um die Uhr einsatzbereit.

Wertvolle Zeit geht verloren

Der Landkreis Kronach zählt insgesamt fünf Gruppen an Helfern vor Ort. Diese sind an die BRK-Bereitschaften Küps, Mitwitz, Nordhalben, Tettau und Lauenstein angegliedert. "Es kommt darauf an, die Zeit bis der Rettungsdienst eintrifft, zu überbrücken. Der entscheidende Vorteil ist, dass wir die Umgebung und die Leute kennen", weiß Schneider.

Dennoch sei es bei Nacht oft eine Herausforderung, den Einsatzort zu finden. "Oft sind die Hausnummern nicht lesbar angebracht und die Rollos unten, so dass man nicht sieht, wo Licht brennt", schildert Klinke die Situation. Wertvolle Zeit gehe verloren.

Für den Weißenbrunner sind die Einsätze mit mehreren verletzten Personen die schwierigsten: "In 90 Prozent der Fälle sind wir alleine unterwegs. Es ist schwer, sich um mehrere Personen gleichzeitig zu kümmern."

In etwa zwei Drittel der Fälle haben es die Helfer vor Ort mit chirurgischen Fällen zu tun. Darunter fallen beispielsweise Stürze. "Wir werden auch zu Verkehrsunfällen, Schlaganfällen oder Herzinfarkten gerufen", berichtet Klinke. Aus Erfahrung weiß er, dass es für die Patienten oft schon eine große Erleichterung ist, dass im Notfall schnell jemand da ist und sich kümmert. "Im Prinzip leisten wir erweiterte Erste Hilfe am Ort des Geschehens, im Extremfall stillen wir Blutungen oder fangen mit der Reanimation an", berichtet Schneider, der mittlerweile 520 Einsätze als Helfer vor Ort hatte.

Ein Fall ging Schneider im vergangenen Jahr besonders nahe: "Ein zweijähriges Mädchen ist aus dem ersten Stock auf einen Betonboden gefallen und wurde mit dem Hubschrauber abgeholt, sie hat mit leichten Verletzungen überlebt", erinnert sich Schneider.

Seine kleine Tochter habe daraufhin einen abschließbaren Fenstergriff in ihr Zimmer bekommen. Die Familie hat sich im Nachgang mit einer Karte und einem schönen Text bei ihm bedankt. "Wenn wir merken, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird, gehen wir immer mit einem positiven Gefühl nach Hause", sagt Klinke.

Engagement in der Freizeit

Ralf Schmidt betont, dass die Arbeit der Helfer vor Ort auf keinen Fall als selbstverständlich angesehen werden dürfe: "Die Helfer engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit."

Ein neues Einsatzfahrzeug wird benötigt

"Die Planungen für die Anschaffung eines neuen Einsatzfahrzeugs laufen, es ist allerdings sehr zeitintensiv, die Summe zusammenzubekommen", berichtet Ralf Schmidt, der für die Ehrenamtskoordination des BRK-Kreisverbands in Kronach zuständig ist. Vor wenigen Tagen wurde nun die Anschaffung eines neuen Einsatzfahrzeugs inklusive Ausstattung beantragt, die Kosten belaufen sich schätzungsweise auf 40 000 Euro.

Mit ihrem jetzigen Fahrzeug sind die Küpser Helfer vor Ort bereits seit der Gründung der Gruppe unterwegs. "Wir haben das Auto vor zehn Jahren angeschafft, Reparaturen sind mittlerweile nicht mehr wirtschaftlich", bedauert der Kronacher. Es könne jeden Tag so weit sein, dass der Motor oder das Getriebe kaputt gehen.

Durch Spenden finanziert

Dazu kommt, dass das Auto ganzjährig im Freien steht und anders genutzt wird als ein Privatwagen. "Natürlich ist es für das Auto nicht förderlich, mit einem kalten Motor und Vollgas zum Einsatz zu fahren." Die laufenden Kosten für die Versicherung, Reparaturen und den Sprit belaufen sich jährlich auf rund 3500 Euro.

Das neue Einsatzfahrzeug wird durch Spenden finanziert. Auf ein Modell haben sich die Helfer vor Ort noch nicht festgelegt. "Das Auto muss bestimmte Kriterien erfüllen, was den Platz und die Zuladungsgröße betrifft", erklärt Schmidt. Dementsprechend werden dann Angebote verglichen.

Kontakt und Spendenkonto

Mitmachen Wer Helfer vor Ort werden möchten, kann sich an die BRK-Bereitschaft Küps wenden (Mail: bereitschaft-kueps@brk-kronach.de) oder sich am 20. Oktober beim Herbstmarkt in Küps persönlich informieren. Dort werden auch die Einsatzfahrzeuge ausgestellt.

Spenden Die Küpser Helfer vor Ort benötigen ein neues Einsatzfahrzeug. Spendengelder können auf das Konto des BRK-Kreisverbands Kronach unter dem Stichwort "HvO Küps" überwiesen werden. (IBAN: DE 8877 1500 0002 4005 1326)