Die 17-jährige Selina Büchner wirkt zierlich. Kauffrau, Arzthelferin, Erzieherin - in solchen Berufen könnte man sich das Mädchen gut vorstellen. Doch in diesem Fall trügt der Schein. "Ich möchte gern Werkzeugmechanikerin lernen", sagt sie entschlossen. Zu Hause hilft sie viel bei Arbeiten am Haus, mit den Kumpels schraubt sie am Moped, und Autos wecken ihr Interesse. Ein technischer Beruf entspricht ihr einfach.

Bei Dr. Schneider hat die 17-Jährige nun die Ausbildungsstelle für ihren Wunschberuf gefunden. Sie wird in den Werken in Neuses und Judenbach ausgebildet werden.


Mädchen sollen reinschnuppern

Bei dem Automobilzulieferer sind Mädchen in vermeintlichen Männerdomänen keine Seltenheit. "Mit steigender Tendenz" würden sich junge Frauen in den "Jungs-Jobs" versuchen, berichtet Bernd Tschernitschek, der technische Ausbildungsleiter.
Heuer gibt es bei Dr. Schneider sieben weibliche Auszubildende im gewerblich-technischen Bereich.

"Wir werben auch dafür, dass Mädels reinschnuppern. Es ist nicht mehr so wie früher, dass das typische Männerberufe sind. Diese Barriere ist heute aufgebrochen", stellt die Projektleiterin Aus- und Weiterbildung, Detlind Breuer, fest. Ihre bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich die Frauen nicht vor den männlichen Kollegen verstecken müssen. Auch Tschernitschek ist überzeugt, dass Mädchen die Aufgaben als Werkzeugmechaniker ebenso gut bewältigen können wie Jungs. Oft seien die jungen Frauen sogar motivierter. "Die hängen sich da richtig rein."


Kein leichter Schritt

Dass der Schritt in einen "Männerberuf" vielen Frauen dennoch schwer fällt, weiß Breuer: "Es gehört auch Mut dazu, zu sagen, ich gehe einen ganz anderen Weg." Oft sei eine solche Entscheidung mit der Unsicherheit verbunden, ob man diese Herausforderung bewältigen kann.

"Ich habe den Mut dazu!", stellt Selina Büchner gleich klar. "Ich warte die ganze Zeit nur darauf, dass es endlich losgeht." Viele ihrer ehemaligen Schulkameradinnen würden ihre berufliche Zukunft im sozialen Bereich suchen. Für sie wäre das aber ebenso wenig der richtige Job wie einer am Schreibtisch. "Ich möchte nicht in einem Büro sitzen", erklärt die 17-Jährige. "Ich muss laufen, mich bewegen, kommunizieren."


Neuer Studiengang im Angebot

Als Auszubildende steht Selina Büchner bei Dr. Schneider bei Weitem nicht alleine da. 151 Azubis erlernen dort ihren Beruf. 48 junge Menschen starten heute dort ihre Ausbildung, 30 davon im gewerblich-technischen Bereich.

Detlind Breuer verweist dabei auch auf einen neuen Studiengang Informatik, der ab diesem Jahr von Dr. Schneider angeboten wird. Somit eröffnet der Automobilzulieferer seinen Mitarbeitern inzwischen "18 Wege, Karriere zu machen: 14 Ausbildungsberufe und vier Studiengänge".