In Kronach läuten längst die Schulglocken. Eine ganze Reihe Zeyerner Kinder fehlt aber in den Klassenzimmern der weiterführenden Schulen. Sie warten noch. Rund sieben Kilometer entfernt in ihrem Heimatort an der der Haltestelle. Zum wiederholten Mal haben sie keinen Bus erwischt, der die Kreisstadt rechtzeitig erreicht.

Ende vergangener Woche klagte Peter Fischer im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sein Sohn Johannes (9) bereits am ersten Schultag zu spät im Kaspar-Zeuß-Gymnasium angekommen sei. Etwa 20 Leute, Schüler und einige Erwachsene, hätten morgens an der Haltestelle gestanden, als Johannes in die Schule wollte. Doch nur ein Teil der vorbeifahrenden Busse habe gehalten. Kein Einzelfall.

Ungefähr die Hälfte der Wartenden finde in den Bussen Platz, die an der Zeyerner Haltestelle so zeitig stoppen, dass die Kinder rechtzeitig in die Klassenzimmer kommen können.
Das sind Peter Fischers Eindrücke der ersten Schultage. Doch selbst wenn es die Kinder schafften, sei die Situation bedenklich. "Man kann nicht umfallen", habe Johannes seinem Vater von der Fahrt erzählt. Der Grund: Der Bus sei total überfüllt gewesen. Der Neunjährige selbst berichtet, dass üblicherweise bloß ein oder zwei Busse anhalten. Und in diesen Fahrzeugen gehe es "ganz eng" zu.


"Schwarzer Peter" wandert

In dieser Woche ist die Situation offenbar nicht besser geworden. Johannes' Mutter Katja Fischer schrieb am Montag an unsere Redaktion: "Heute haben wir den bisherigen Höhepunkt erlebt: Von allen Bussen, die zwischen 7 und 7.30 Uhr die Haltestelle Zeyern-Kreuzung in Richtung Kronach anfahren, hat kein einziger angehalten." Kurz vor 8 Uhr hätten immer noch 18 Kinder an der Haltestelle gestanden. Schulbeginn: 7.40 Uhr.

Das Ehepaar Fischer erfuhr von Nachbarn, dass es schon im vergangenen Jahr Probleme mit dem Busverkehr gegeben habe. Die OVF (Omnibusverkehr Franken) habe auf Nachfrage erklärt, das Landratsamt in Kronach sei für die Anzahl der Busse verantwortlich. Die Behörde habe zuvor jedoch schon auf die Zuständigkeit des OVF verwiesen. Die Fischers haben von einem angeblich durchgeführten Gespräch beider Seiten diese Woche im Landratsamt gehört.


Tragen Schüler Mitschuld?

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt die Firma Omnibusverkehr Franken, dass diese Zusammenkunft stattgefunden habe. Die Folge sei eine Prüfung der Situation vor Ort gewesen. "Die Schüler wurden am Dienstag alle ordnungsgemäß abgeliefert", heißt es von der OVF. In einigen Bussen seien sogar "Restkapazitäten" frei gewesen. Dass es am Vortag ausnahmsweise Schwierigkeiten gegeben habe, habe an einem defekten Bus gelegen.

Doch wie konnte es dann zu den erheblichen Problemen und Verspätungen der Schüler an anderen Tagen kommen? Nach den Erkenntnissen der OVF picken sich die Schüler manche Busse heraus, lassen andere, leerere auch mal durchfahren. "Wir sind tätig geworden", unterstreicht eine Vertreterin des OVF. "Es ist reibungslos gelaufen, wenn jemand vor Ort war." Ein Kapazitätsproblem liege jedenfalls nicht vor.


Thema hat hohe Priorität im Landratsamt

Das Landratsamt bestätigt, dass Beschwerden eingegangen seien. "Das Thema hat eine hohe Priorität", betont Pressesprecher Bernd Graf. Schließlich handle es sich um "eine extrem beanspruchte Strecke". Er verweist zunächst auf die Stellungnahme des Verkehrsunternehmens hierzu. Darauf wird es die Behörde aber nicht beruhen lassen. "Als nächsten Schritt wollen sich unsere Leute selbst ein Bild vor Ort machen", sagt Graf. Man wolle sich überzeugen, inwieweit ein Problem vorliegt und gegebenenfalls bereits Abhilfe geschaffen wurde.

Dass die Behörde Fortschritte erzielen kann, zeigte sich bereits im Kronachtal. Die Fischers wissen von ähnlichen Beschwerden über die Busverbindungen im Bereich Friesen/Steinberg. Graf kann das bestätigen. Gleich zu Beginn des Schuljahres sei das Amt deshalb an den Verkehrsbetrieb herangetreten. Die Folge ist laut Graf, dass seither keine Beschwerden mehr eingegangen sind. Diese Entwicklung wünscht sich die Familie Fischer nun auch für das Rodachtal.