"Eine einmalige Chance" sieht Kreiskämmerer Günther Daum in dem Vorhaben, die energetische Sanierung des um das Jahr 1970 errichteten Landratsamtes vorzunehmen. Mit 1,5 Millionen Euro Förderung ist dafür zu rechnen (geschätzte Kosten 1,8 Millionen Euro). Die Maßnahme eröffnet außerdem die Gelegenheit, außerhalb des Förderprogramms im gleichen Atemzug weitere Problembereiche im Haus anzugehen.

Noch steckt das Vorhaben in den Kinderschuhen. Und für die Verwaltung bedeuten die Vorbereitungen viel Arbeit. "Wenn man überlegt, welchen Aufwand ein Badezimmer-Umbau zu Hause macht, und hier haben wir es mit ganz anderen Ansprüchen zu tun", zieht der Kämmerer einen Vergleich. Daum und der für den Hochbau zuständige Georg Schönmüller lassen hinter die Kulissen blicken.


Europaweite Ausschreibung vorgeschrieben

Die Architektenhonorare für das Vorhaben liegen deutlich über der magischen Grenze von 209 000 Euro. Das Überschreiten dieser Marke bedeutete, dass eine europaweite Ausschreibung vorgenommen werden musste. Es folgten die Sichtung der Bewerbungen, die Auswahl der möglichen Kandidaten aus dem Pool und persönliche Gespräche. Das Feld der interessierten Planer war jedoch dünn gesät. "Es sind nur vier Bewerbungen eingegangen. Das war ein ziemlich schwaches Ergebnis. Wir hatten auch schon Ausschreibungen mit 30 Bewerbern", stellt Daum fest. Schönmüller ergänzt: "Leider ist kein hiesiger Bewerber darunter. Die sind vermutlich ausgebucht." Eine Randerscheinung der guten Baukonjunktur.

Den Zuschlag bekam letztlich die Planungsgesellschaft "Hartmann + Helm" aus Weimar. Sie setzte sich in einem Punktesystem gegen ihre Mitbewerber durch. Die rund 150 Straßenkilometer zwischen Kronach und der thüringer Stadt, seien für die Zusammenarbeit kein Problem, meinen die beiden Fachleute aus dem Landratsamt - dem Internet sei Dank.

Erste Gespräche mit den Architekten wurden bereits geführt. Dennoch hält es Daum für viel zu früh, um heute schon detailliert auf Kosten, Bauzeiten oder bauliche Planungen einzugehen. "Das Projekt wird sicherlich bei über drei Millionen Euro landen", spekuliert der Kämmerer. Wie viel darüber, das hängt letztlich von der Bauausführung ab. Für die exakte Planung sind zunächst noch weitere Fachgespräche nötig. Welche Schadstoffe aus dem aktuell verbauten Material müssen speziell entsorgt werden? Welche Varianten kommen bei der Sanierung zum Tragen? Fragen, die gelöst werden müssen, ehe der erste Hammer geschwungen werden kann und die Fördermittel fließen.


Antrag wurde bereits gestellt

Der so genannte Antrag auf Vorbescheid ist jedoch gestellt. "Das ist eine Voranfrage, quasi der Vorläufer eines Bauantrags", sagt Schönmüller. Dieser Antrag geht auch den Nachbarn und zum Beispiel der Stadtverwaltung zu, die sich dann zum Projekt äußern können.

"Es gibt noch keine Gremienbeschlüsse", weist Daum darauf hin, dass die Planungen in den verschiedenen Projektbereichen nach vielen Seiten offen sind. Wo Verbesserungen erreicht werden sollen, das haben sich die Verantwortlichen hingegen schon überlegt.

Ein Förderantrag wurde bereits eingereicht, muss in den kommenden Monaten aber noch mit Zahlen und Fakten unterfüttert werden, wie der Kämmerer in der vergangenen Kreisausschuss-Sitzung dem Gremium berichtete. "Nur die energetische Fassadensanierung und die Maßnahmen zur Barrierefreiheit werden durch das Förderprogramm unterstützt", so Daum im Gespräch mit unserer Zeitung. Was darüber hinausgehe, müsse der Landkreis selbst in die Hand nehmen.


Mehrere Bereiche auf dem Plan

Neben der Fassade und der Dachkonstruktion wird über vier weitere Bereiche diskutiert. Die zu kleinen Aufzüge sollen neu gestaltet werden, um auch Rollstuhlfahrern einen leichten Zugang zu den oberen Stockwerken zu ermöglichen. Hierfür sehen Daum und Schönmüller zwei Optionen: Machbar, aber von der Baudurchführung her schwierig wäre eine Erweiterung des jetzigen Aufzugschachts. Eine Alternative wäre, den Schacht des jetzigen Doppelaufzugs für eine einzelne, große Kabine zu nutzen und außen einen zweiten Aufzug anzubauen. "Da muss man prüfen, was baurechtlich zulässig ist und was die beiden Varianten kosten", räumt Daum ein, dass noch keine Entscheidung gefallen ist.

Eine mögliche Aufstockung des Gebäudes, um mehr Raum im Amt zu gewinnen, muss ebenso erst geprüft werden. Es gibt schon einen kleinen Dachaufbau, der im Fall der Fälle die Richtschnur für eine Erweiterung wäre. "Das Gebäude würde nicht höher werden, und es würde auch kein komplettes Dachgeschoss entstehen", gibt Daum Entwarnung. Das recht wuchtige Amtsgebäude am Eingangstor der Kreisstadt würde höchstens um eine "leichte, schmale" Konstruktion erweitert werden. Falls es überhaupt dazu kommen sollte.

Zwei weitere Überlegungen betreffen die Innenbereiche, in denen vieles der Zeit hinterherhinkt und improvisiert wirkt. Toiletten sollen neu angeordnet und dadurch unter anderem die Raumzuschnitte verbessert werden. Von einer "kleinen Entkernung" und einer "schwierigen Maßnahme im laufenden Betrieb", die mehrere Stockwerke zeitgleich beeinträchtigt, spricht Daum hierbei.


Ende des Förderzeitraums im Jahr 2020

Eine Neuverlegung der EDV-Leitungen hängt unmittelbar mit dieser Umstrukturierung zusammen. Dieser Eingriff in die Verkabelung ist auf Grund technischer Umstellungen bei der Telekom erforderlich.

Wann, wie und ob ein Thema der Sanierung realisiert wird, ist, wie gesagt, momentan noch nicht abzusehen. Fest steht laut Daum jedoch eines: "Spätestens Ende 2020 muss die Maßnahme abgeschlossen sein. Das ist das Ende des Förderzeitraums." Ausreizen will er diese Zeitspanne allerdings nicht.