Fabelwesen wie der freche Pinocchio, die kluge "Blaue Fee" oder der bösartige "Holländer Michl" treffen auf ein liebreizendes Zechmaala in schöner Tracht und eine fröhliche Touristin mit rotbrauner Haarpracht. Die bucklige Katze mit dem Rotschwänzchen auf dem Rücken und der Staabiche Paradiesvogel mit dem vorwitzigen Schnabel betrachten die strahlende Sonnenblume mit ihrem geflochtenen Blütenkopf. Zum Nachdenken regen die Luftkette sowie die Grenzöffnungsskulpturen an, während eine Weinflasche und ein Pelletanzünder für den starken Wirtschaftsstandort Steinbach stehen. Und da gibt es noch die "Anno 2020"-Corona-Skulptur, die die derzeit alles bestimmende Krise symbolisiert:

Beim neuen "Kunst-Park am Rennsteig" trifft eine spannende Vielfalt an Stilen und Techniken aufeinander, die sich jedoch keineswegs aussticht. Vielmehr ist es diese erfrischende Mischung, die zu einer großen Gesamtwirkung verschmilzt - wie das zahlreiche interessierte Publikum bei der offiziellen Eröffnung am Donnerstagnachmittag bestätigte.

"Kunst weckt Neugier"

"Die Kunst muss ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Region sein, regt sie doch die Kreativität der Menschen an. Die Kunst weckt Neugier, versetzt ins Staunen und eröffnet neue Erfahrungsräume", zeigte sich Steinbachs Bürgermeister Thomas Löffler in seiner Begrüßung sicher. Kunst- und Kulturinteressierte, Vertreter aus Politik, Forstwirtschaft und Tourismus, Ehrenbürger wie Joachim Wiegand und Dr. Heinz Köhler, Altbürgermeister Gerhard Neubauer, Tettaus Bürgermeister Peter Ebertsch, Pfarrerin Claudia Grüning-Göll sowie Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz - Sie alle wollten beim Festakt sein, um das neue Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde zu bestaunen. In seinem Rückblick ging Löffler auf Hintergründe und Entstehung des sich so wunderbar in das Ensemble der evangelischen Christuskirche und des sich in Sichtweite befindlichen Freizeit- und Tourismuszentrums (FTZ) einfügenden Kunstprojekts ein.

"Die Planungen für den Zugang vom Rennsteig zum FTZ führten zeitweilig über das Gelände der Kirche und wurden mehrmals intensiv diskutiert", blickte er zurück. Ein Glücksfall sei es gewesen, das in Privatbesitz stehende Grundstück, auf dem sich heute der Kunstpark befindet, erwerben zu können. Viele Ideen und Anregungen seien hinsichtlich der Platzgestaltung aufgekommen. Die Forstwirte empfahlen, die Stämme der teilweise mit Käfer befallenen Fichtenbäume nicht ganz wegzumachen, sondern auf einer gewissen Höhe abzusägen, um sie noch verwenden zu können. Dies ging Mitte 2019 vonstatten. Die Baumstämme wurden durch Auszubildende der Bayerischen Staatsforsten entrindet und später mit einem Schieferdächlein versehen.

Nachdem man mit der Planung nicht so richtig weitergekommen sei, habe er am 6. März eine E-Mail an Ingo Cesaro mit der Bitte um Unterstützung geschrieben. Dabei habe er daran gedacht, die Stämme im Zuge der HolzART künstlerisch zu gestalten. Bereits zwei Wochen später sei Cesaro mit Skizzen von verschiedenen Künstlern vor Ort gewesen. "Meine Begeisterung kannte keine Grenzen, sodass ich ihn bereits mit der Umsetzung mündlich beauftragte", verriet der Bürgermeister, der nach anfangs "heißen Diskussionen" auch die Zustimmung des Gemeinderates erhielt.

Gemeinsam mit den Künstlern und dem Ausschuss für "Tourismus, Partnerschaft und Kultur" legte man am 15. Mai die Motive grob fest, jedoch mit großen künstlerischen Freiheiten. Das Gesamtbudget für die Gestaltung der Holzskulpturen beläuft sich auf 20 000 Euro, die als Bestandteil des Kur- und Erholungsparks des FTZ über die Regierung von Oberfranken mit bis zu 65 Prozent gefördert werden.

Viele schöne Momente seien, so der Bürgermeister, den Menschen in den vergangenen Wochen beschert worden, als sie den Künstlern über die Schultern hätten schauen dürfen. "Gerade in einer für uns so schwierigen Zeit schaffte es unser großes Kunstprojekt, die Menschen zu berühren, anzulocken, zu verzaubern und zu entflammen", so der Bürgermeister. Der Kunstpark sei nunmehr großer Bestandteil, ja sogar Eingangstor , des aufwendig sanierten Freizeit- und Tourismuszentrums. Hierfür dankte er den ausführenden Künstlern Walter Busch und Michael Steigerwald sowie Judith Franke, die leider nicht anwesend sein konnte.

"Weiterer Meilenstein"

"Es ist immer wieder bewundernswert, mit welcher Kreativität, Antriebskraft und Ausdauer die Kommunen und Bürger im Landkreis Kronach die Dinge anpacken", würdigte die Regierungspräsidentin. Mit gutem Gewissen könne man feststellen, dass die Förderungen hier sehr gut investiert seien. Der Kunst-Park sei ein weiterer Meilenstein im Baufortschritt des FTZ - ein echter Hingucker, der die Wandertouristen herunter leite und durch seine Einzigartigkeit und Vielfalt Aufmerksamkeit errege - mit aktuellem und historischem Bezug wie auch mit charakteristischen Merkmalen der Rennsteigregion und seiner Unternehmen. "Sie haben eine herausragende Leistung erbracht", lobte sie die Holzbildhauer, wobei die Corona-Skulptur "fast zu schön" geraten sei.

"Die Gestaltung dieses Kunstprojekts war eine reizvolle Aufgabe", bekundete Ingo Cesaro, der im Vorfeld die Bildhauer ausgewählt und um Skizzen von realisierbaren Skulpturen gebeten hatte. Die Arbeitsweise sei hier ganz anders als bei der HolzART; habe man doch direkt an den Stämmen voltigieren müssen, die zudem noch sehr dünn seien. Schon bei der Auswahl der Bildhauer habe er Märchenhaftes, Verspielt-Fantasiereiches und klare Formensprache ausgesucht. Bewusst habe man die abgesägten Fichtenstämme verlost, um zu vermeiden, dass ein Bildhauer eine Ecke belege. "So entstand eine fast zufällige Nachbarschaft, bei der die eine Skulptur die andere ver- und bestärkt", freute sich der Kulturvermittler. Während der Arbeiten entstanden in Gesprächen mit den Bildhauern weitere Skulpturen, beispielsweise die "Glaskönigin" und "Fingerhut". Auch Ideen aus der Bevölkerung wurden mit einbezogen, so das "Zechmaala".

Heimische Industrie ist vertreten

Die heimische Industrie konnte durch die stilisierte "Weinflasche" und den "Pellet-Anzünder" repräsentiert werden, allerdings auf zusätzlichen Baumstämmen. Insgesamt sind nun 21 Holzskulpturen zu bewundern. Ein Teil der Stämme wurde weiß gestrichen und die Farbe mit Glaskügelchen beschossen, damit diese nachts reflektieren. Sein Dank galt allen Verantwortlichen für das Vertrauen.

Fröhlich umrahmt wurde der Festakt von einer Abordnung des Steinbacher Musikvereins. Im Anschluss waren alle Besucher zum Stehempfang im Außenbereich des FTZ eingeladen.

Zu sehende Kunstwerke: Judith Franke (Nordhalben, gebürtig aus Wurzbach/Thüringen): fröhliche Touristin, Steinbacher Sonnenblume, bucklige Katze mit Rotschwänzchen, Paradiesvogel in Staabich, Walter Busch (Selbitz, Landkreis Hof): Grenze Öffnen, Kreuzbaum mit Schiefertafeln, Luftkette, Umschlungen, Verbindung(sknoten), Anno 2020 mit tödlichem Virus, Weinflasche von Wiegand Glas, Pelletanzünder der Fa. Rauschert, Michael Steigerwald (Steinach, Ortenaukreis im Schwarzwald): Pinocchio, blauhaarige Fee, Schatzhauser, Holländer Michl, Glaskönigin, sozialer Vogel-Wohn-Bau(m), Eidechsen Spiel, giftiger Fingerhut, Zechmaala.