Die Gläubigen in den katholischen Pfarrgemeinden im Landkreis Kronach haben sich schon lange daran gewöhnt, dass im Sommer Gastpriester aus anderen Ländern mit ihnen Gottesdienst feiern, während der eigene Pfarrer Urlaub macht. Oftmals freuen sich diese sogar wie auch die Urlaubsseelsorger selbst auf diesen "Blick über den Tellerrand". Auf das internationale Flair muss in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie vielerorts leider verzichtet werden, zum großen Bedauern auch der beiden Pfarrer Thomas Teuchgräber und Detlef Pötzl.

Große Bereicherung

"Wir bedauern das wirklich sehr", verdeutlicht der leitende Pfarrer des Katholischen Seelsorgebereichs Kronach, Thomas Teuchgräber; bewähre sich doch die gängige Praxis einer Urlaubsvertretung durch ausländische Amtsbrüder seit vielen Jahren und stelle stets eine große Bereicherung dar. Heuer mache jedoch Corona alles anders und die meisten ausländischen Seelsorger - ein Großteil stammt aus Indien oder Afrika - könnten aufgrund strikter Einreise- bzw. Quarantäne-Bestimmungen nicht nach Deutschland kommen.

"Wir möchten unseren heimischen Pfarrern dennoch einen Sommerurlaub ermöglichen. Die Priester werden sich nun größtenteils nacheinander selbst vertreten und soweit möglich ihren Urlaub reduzieren", erläutert Teuchgräber. Leider wird auch der allseits beliebte Abbé Pierre Ndione aus dem Senegal, der vielen gerade auch von den Gottesdiensten beim Freischießen bekannt ist, heuer keine Urlaubsvertretung in Kronach leisten können. Er lässt alle herzlich grüßen und hofft auf 2021. Die Seelsorge in Kronach, Zeyern und Neufang nimmt in der ersten Augusthälfte Pfarrer Teuchgräber selbst wahr sowie in der zweiten Augusthälfte, wenn Teuchgräber seinen verkürzten Urlaub antritt, Kaplan Florian Will. Beide übernehmen jeweils auch die Vertretung der katholischen Seelsorge in der Frankenwaldklinik, da Krankenhauspfarrer Anton Heinz im August im Urlaub ist.

Ein längst liebgewonnener Bekannter ist auch Abbé Raymond Ndione aus dem Partnerbistum Thiès/Senegal, der seit vielen Jahren alljährlich im August die Seelsorge in den Pfarreien Wilhelmsthal und Lahm übernimmt. Auch auf ihn wird man heuer schweren Herzens verzichten müssen. Bereits eingetroffen ist dagegen Pater Ignatious Kunnumpuram, der für die Pfarrei Neukenroth mit Filialgemeinden plus Glosberg die Urlaubsvertretung innehat. Der Pater stammt zwar aus Indien, studiert aber derzeit in Rom, weswegen eine Einreise aufgrund der Reisefreiheit innerhalb der EU möglich war.

In den Pfarrgemeinden Küps und Steinberg werden sowohl Pater Maximilian Kray als auch Pater Waldemar Brysch Ende August bzw. im September dieses Jahres ihren Wirkungskreis verlassen. Trotz aller Bemühungen und obwohl sich alle Priester gegenseitig unterstützen, werde es jedoch Einschränkungen geben und die Gläubigen müssten sich auf eine reduzierte Gottesdienstordnung einstellen. Gleiches gilt auch für den Seelsorgebereich Frankenwald.

"Eigentlich hatten wir für dieses Jahr mit vier ausländischen Gastpriestern geplant", erläutert dessen leitender Pfarrer, Dekan Detlef Pötzl.

Leider könne auch Father Noby Ponpanal, der in den vergangenen Jahren in den Pfarreien Rothenkirchen, Pressig und Posseck die Urlaubsvertretung innehatte, wegen der Einreise- und Quarantänebeschränkungen nicht in den Landkreis kommen. Ebenfalls im vergangenen Jahr in diesen Pfarreien zur Aushilfe war Father John Bosco Nnyanzi aus Uganda, während Father Ameke Kenneth aus Nigeria in Teuschnitz die Gottesdienste feierte. "Pfarrer Holger Fiedler wird soweit es möglich ist im August in seinem Heimatort Teuschnitz sein und eine ganze Reihe von Gottesdiensten übernehmen. Er freut sich schon sehr darauf", weiß Pötzl. Auch Diakon Alfred Trebes habe dankenswerter Weise seine Bereitschaft signalisiert, für Gottesdienste und Beerdigungen zur Verfügung zu stehen.

Pfarrer kommt aus Belgien

Im Oberen Rodachtal leistet Pfarrer Eusebius aus Belgien die Urlaubsvertretung. Auch er ist kein Unbekannter, war er doch hier schon als Aushilfspfarrer tätig. Eine Einreise von Abbé Augustin Thiaw ebenfalls aus dem Senegal, der in den vergangenen Jahren Pfarrer Thomas Hauth im Bereich Ludwigsstadt, Reichenbach, Haßlach, Steinbach am Wald und Kehlbach vertrat, kann heuer ebenfalls nicht erfolgen. Auch hier werden sich die im Dienst befindlichen Priester gegenseitig vertreten, sofern möglich. Hierzu zählt auch der Pfarradministrator von Buchbach und Windheim, Cyriac Chittukalam, der seinen Jahresurlaub in seinem Heimatland Indien traditionell bereits im Januar und Februar antritt und daher in August vor Ort ist.

"Es ist immer auch eine Bereicherung, die Gottesdienste einer Nachbargemeinde zu besuchen", appelliert Pötzl, der sich von 11. August bis 4. September in Urlaub befindet, derartige Angebote auch zu nutzen. Sehr dankbar zeigen er und Teuchgräber sich für die Bereitschaft der vielen Ehrenamtlichen in den Gemeinden zur Übernahme von Diensten bei der Gestaltung der Gottesdienste sowie natürlich auch in den vielfältigen anderen Bereichen des kirchlichen Lebens.

Fast alle Diözesen bundesweit nutzen, so die beiden Leitenden Pfarrer, die Möglichkeit von Gastpriestern aus dem Ausland; teilweise schon seit Jahrzehnten. Viele Priester aus Osteuropa oder von anderen Kontinenten hätten in Deutschland studiert, seien mit Mentalität und Sprache gut vertraut. Ihre Urlaubsvertretungen in den beiden Seelsorgebereichen übernähmen diese sehr gerne. "Father Noby lässt ganz herzliche Grüße bestellen. Er will auf jeden Fall 2021 wiederkommen", betont beispielsweise Pötzl, dass durch die regelmäßigen Aufenthalte im Landkreis auch viele Freundschaften entstanden seien.

Aus dieser Verbundenheit heraus sei es den Gläubigen im Landkreis stets auch ein großes Bedürfnis gewesen, die Arbeit der Gastpriester in deren Heimat zu unterstützen, wo Christen in der Regel die Minderheit darstellten. Als Zeichen der christlichen Solidarität werde man, so Teuchgräber, an einem Sonntag im August die Kollekte für die Arbeit von Abbé Pierre abhalten. Gleiches kündigt Pötzl in Teuschnitz an und auch andere Pfarreien werden sicherlich ähnlich verfahren.

Beide betonen, wie wichtig ein wenngleich heuer oftmals nur reduzierter Urlaub für die Pfarrer sei. Diese hätten gerade in den vergangenen Monaten große Herausforderungen und ein immenses Arbeitspensum zu bewältigen gehabt. "Vom Gefühl her war die Arbeit nach dem ,Lockdown' sogar mehr", verdeutlicht Pfarrer Teuchgräber. Man habe neue Arbeitsmethoden entwickelt und sei durch zahlreiche "andere" Kommunikationsformen insbesondere digitaler Art mit den Gläubigen in Kontakt getreten bzw. geblieben.

Bei den Gottesdienst-Besuchen sind auch weiterhin die gängigen Sicherheitsbestimmungen zu beachten - so das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Betreten und Verlassen der Kirchen sowie beim Empfang der Kommunion, die Abstandsregelung als auch das Mitbringen eines eigenen Gebetbuchs. Das Erfordernis einer Anmeldung wird in den jeweiligen Pfarreien unterschiedlich gehandhabt, was insbesondere abhängig vom Platzangebot der örtlichen Kirchen ist.