Zum ersten Mal spendete Ottmar Deuerling am 24. November 1980 für das indische Waisenhaus in Kurichy. Den Anstoß dafür gab Bruder Philip Chacko Ayathil, der damals für vier Wochen in der Kirchengemeinde Zeyern arbeitete.

An das erste Treffen mit ihm kann sich Ottmar Deuerling noch genau erinnern. "Er war damals oft bei uns zu Besuch und hat mit den Kindern gespielt", erzählt der Zeyerner: "Er konnte einfach gut mit Kindern umgehen." Bereits damals engagierte sich der junge Pfarrer für elternlose Kinder in Indien. "Als er damals gehen musste, standen mir die Tränen in den Augen", erinnert sich Deuerling. Bruder Chacko erzählte ihm, er müsse Essen für "seine Kinder" kaufen und wisse nicht wie. Daraufhin begann Deuerling Spenden zu sammeln, was er bis heute nicht aufgegeben hat.

Die Kinder, um die sich Chacko Aythil kümmert, sind überwiegend Dalits.
Im Missionszentrum Kurichy entstanden für diese meist elternlosen Kinder ein Gymnasium, eine Grundschule und ein Wohnheim. Dort werden sie mit Essen, Kleidung, Obdach und Bildung versorgt. Ottmar Deuerling ist trotz allem berührt, unter welchen Umständen die Kinder dort leben. "Ich habe mal einen Videofilm von Chacko bekommen. Da duschen sich die Kinder mit Gießkannen", erzählt er.

Bis 1. Dezember überweisen

In einem kleinen roten Büchlein vermerkt Ottmar Deuerling die Namen seiner Spender. Meist beginnt er Anfang November mit dem Sammeln der Spenden, denn bis 1. Dezember möchte er das Geld überwiesen haben. Aufdringlich ist er dabei nicht. "Bevor ich zu den Leuten gehe, rufe ich sie an und frage, ob sie mir etwas geben wollen. Wenn ich merke, dass mir jemand nichts geben will, gehe ich nicht mehr hin." So geht er seine Liste in dem roten Notizbuch durch und kommt jährlich auf eine Spendensumme zwischen 1000 und 2000 Euro.

Inzwischen ist er in Zeyern bekannt für sein Engagement. So kommt es auch mal, dass ihm die Leute das Geld ins Haus tragen. "Die klingeln und fragen mich, ob ich wieder für den Chacko sammele?", erzählt er schmunzelnd. Viele unterstützen ihn von Anfang an. Doch gerade deshalb macht er sich auch Sorgen. "Das sind hauptsächlich ältere Menschen. Ich würde mir wünschen, auch Jüngere zu finden." Bedanken möchte er sich trotzdem bei jedem Einzelnen, der ihn unterstützt, betont er.

Auch für Chacko Ayathil, der inzwischen Direktor des Kinderheimes ist, steht hinter den Spenden aus Deutschland keine anonyme Masse. Ottmar Deuerling musste ihm die Adressen aller Spender geben, die nun jedes Jahr eine Weihnachtskarte aus Indien erhalten. Zwischen Deuerling und Ayathil hat sich im Laufe der Jahre eine wahre Freundschaft entwickelt.

Viele Briefe

Deuerling zeigt zwei randvolle Stoffbeutel mit Briefen aus Indien. Auf der Rückseite einer Weihnachtskarte steht: "Lieb meine Bruder Otto und Frau Elke, ich danke Ihnen herzlich für alles, was sie für mich getan haben." Trotz der eher mäßigen Deutschkenntnisse kam Bruder Chacko bereits dreimal zu Besuch nach Zeyern. Ans Aufhören denkt Ottmar Deuerling vorerst nicht. So wird er auch heuer zum mittlerweile 35. Mal sein rotes Notizbüchlein aufschlagen und die Zeyerner zum Spenden aufrufen.