Die Entscheidung kommt überraschend. Erst am späten Dienstagnachmittag erreicht die Redaktion eine Nachricht, die unter anderem für Terminpatienten der Helios-Frankenwaldklinik Folgen haben wird. Pressesprecher Stefan Studtrucker erklärt, dass auf Anordnung des Landratsamts seit diesem 24. November nur noch Notfälle, Covid-19-Patienten und Entbindungen neu aufgenommen werden. Die Regelung gelte vorübergehend bis zum 7. Dezember, sagt der Pressesprecher. "Patientinnen und Patienten, deren Behandlungstermin deswegen verschoben werden muss, werden von unseren Sekretariaten kontaktiert."

Eine Sicherheitsmaßnahme, falls die Covid-19-Infektionen weiter ansteigen? Warum das Gesundheitsamts diese Entscheidung gefällt hat, lässt sich am Dienstagabend noch nicht sagen. Das Landratsamt werde sich am Mittwoch dazu äußern, erklärt Pressesprecher Alexander Löffler. Auch Klinik-Pressesprecher Studtrucker kann am Abend noch keine genauen Gründe nennen.

Die Nachricht der Neuregelung erreicht den FT nach einer abgeschlossenen Recherche. Aufgrund des hohen Sieben-Tage-Inzidenzwerts hat die Redaktion den Klinik-Pressesprecher im Vorfeld darum gebeten, die Kapazität des Krankenhauses aufzuschlüsseln. Wie lange dauert es, bis die Intensivstation überlastet ist? Wie lange ist die Notfallversorgung gewährleistet?

Höchstwerte im Landkreis

Der Landkreis Kronach nimmt seit vergangener Woche deutschlandweit einen traurigen Spitzenplatz ein. In nur wenigen Landkreisen ist der Inzidenzwert - derzeit 290,67, umgerechnet 194 positiv Getestete in sieben Tagen - auf ein Höchstniveau geklettert. Inwieweit der hohe Infektionsgrad nun die Frankenwaldklinik belastet, lässt sich nicht so einfach beantworten. Als der FT Stefan Studtrucker telefonisch erreicht, steht er Dienstagmittag zum zweiten Mal innerhalb einer Woche in einer Warteschlange. Erneut werden Personal und Patienten auf Covid-19 getestet. Zweimal rund 660 Abstriche.

Auch wenn das Klinikum seit dem heftigen Anstieg der Corona-Fälle bis Sonntag kurzzeitig an Belastbarkeitsgrenzen gestoßen ist, erklärt Studtrucker: "Wir sind jetzt hoffentlich auf dem Weg der Besserung." Zu diesem Zeitpunkt ist dem Pressesprecher noch nicht bekannt, dass das Landratsamt wenige Stunden später neue Regeln bekannt geben wird. Im Vergleich zu Sonntag, als die Auslastung der Intensivstation kurzzeitig auf 90 Prozent anstieg, sind die Patientenzahlen am Montag zurückgegangen. Mit 30 Prozent freien Intensivbetten lag die Klinik im bayernweiten Durchschnitt. Auch der Dienstag bleibt im Trend: 88 Patienten auf den Normalstationen (davon 29 Covid-positiv) und 13 auf der Intensivstation. Nach dem Höchstwert am Sonntag von vier Corona-Patienten auf der Intensivstation ist die Zahl der Infizierten auf Null gesunken. Insgesamt scheint es so, dass die Zahl der Patienten in der Klinik zurückgeht. Das eigentliche Probleme ist ein anderes: die Ausbreitung unter den Mitarbeitern.

Nach dem ersten Test bis Dienstag sind 38 Mitarbeiter des Klinikums in Quarantäne, die Stationen 5 und 8 sind heruntergefahren, erklärt der Pressesprecher. Leere Zimmer, kein Personal. Das Virus ist zuerst auf Station 5 ausgebrochen. Die negativ getesteten Mitarbeiter helfen auf anderen Stationen aus. Doch gerade auf die Mitarbeiter kommt es an. "Der limitierende Faktor ist weder die Bettenzahl noch die Zahl der Beatmungsgeräte, sondern das in der Intensivbetreuung ausgebildete Personal."

Die Intensivstation verfügt maximal über zwölf Betten mit Beatmungsgeräten, sagt Stefan Studtrucker.

Auf den Normalstationen hängt die Kapazität von der Anzahl der Corona-Infizierten ab: "Isolieren können wir Patienten prinzipiell in jedem normalen Zimmer auf Station, wobei dadurch natürlich die Gesamtkapazität der Klinik sinkt, weil weniger Patienten in Mehrbettzimmern liegen." Vergangene Woche, erklärt Studtrucker, lagen noch bis zu 25 Patienten mehr in der Klinik. Dass es nun weniger sind, liege an den Stationsschließungen und den Isolationszimmern, erklärt er.

Was passiert im Ernstfall?

Was aber passiert, wenn die Intensivstation tatsächlich überlastet ist? "Bei Annäherung an die Maximalmenge würde dies bedeuten, den Betrieb in anderen Klinikbereichen - zum Beispiel Anästhesie oder OP - reduzieren zu müssen, um deren Fachpersonal mit der entsprechenden Expertise auf der Intensivstation einsetzen zu können."

Wenn auch diese Kapazitäten erschöpft sind, gebe die Klinik eine Vollmeldung an die Leitstelle heraus. Dann werden Patienten möglichst in anderen Kliniken versorgt. Die Notfallversorgung bleibe aber unter allen Umständen gewährleistet, sagt der Pressesprecher.