Update (Freitag, 16:00 Uhr):

Im Rahmen der andauernden Ermittlungsmaßnahmen der EG "Schlossberg" entdeckten die Polizisten bei den weiteren Durchsuchungen der Wohnräume nochmals ein totes Neugeborenes. Wie auch bei den anderen sieben Säuglingen waren die sterblichen Überreste in Tücher und Plastiktüten gewickelt.




Die intensiven Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Coburg dauern weiter an.
 


Pressekonferenz der Polizei: Neue Erkenntnisse zum Babyleichen-Fund in Wallenfels

Nach dem Fund am Donnerstagnachmittag von mindestens sieben Babyleichen im oberfränkischen Wallenfels (Landkreis Kronach) laufen die Ermittlungen des Fachkommissariats von Kripo und Staatsanwaltschaft Coburg auf Hochtouren. Am Freitagmittag gaben Oberstaatsanwalt Martin Dippold und Polizeisprecherin Anne Höfer weitere Details zum grausigen Fund in Wallenfels bekannt.

Die Ermittler bestätigten, dass am Donnerstag gegen 16 Uhr eine Anwohnerin des Hauses die sterblichen Überreste eines Säuglings gefunden und daraufhin den Notruf gewählt hatte. Die verständigten Polizeikräfte konnten in einem Zimmer mehrere Säuglingsleichen entdecken. Insgesamt sieben Leichen stellte die Polizei offenbar im Erdgeschoss fest. Es soll sich um eine Sauna handeln, die jedoch ausschließlich als Abstellraum genutzt wurde.

Die Polizei suche nach der mutmaßlichen Mutter der sieben toten Babys. Ihr Aufenthaltsort ist unbekannt. Ob sie als dringend tatverdächtig gilt, wollte die Sprecherin zunächst nicht sagen: "Nach ihr wird zumindest gesucht als mögliche Mutter der Kinder." Welche Rolle der Ehemann spielt, ist bislang unklar. Die Ermittlungen sollen auch hier weiteren Aufschluss darüber geben.
 


Obduktion der Babys wird noch dauern - weitere Funde nicht ausgeschlossen

Zum Alter und Geschlecht der gefundenen Säuglinge konnte Dippold noch keine Angaben machen. Die Leichen seien in sehr schlechtem Zustand. Deshalb müssten sich nun Spezialisten der Rechtsmedizin damit beschäftigen. Sie versuchen nun auch die Vaterschaft der Kinder zu klären. Die Kripo Coburg hat eine Ermittlungsgruppe "Schlossberg" gebildet. "Es sind noch sehr viele Personen zu befragen und es erfolgen auch weitere Durchsuchungsmaßnahmen", sagte die Polizeisprecherin dazu. Noch immer kommen weitere Kräfte der Polizei zum Fundort. Zudem werde inzwischen auch an anderen Orten gesucht.

Laut Polizeisprecherin Höfer waren die Leichen in Papiertücher oder Plastiktüten - offenbar luftdicht verpackt - eingewickelt. Die Staatsanwaltschaft geht durch die Umstände davon aus, dass einige Babys schon länger tot sind und sich die Fälle über Jahre hingezogen haben. Ein Ergebnis der Obduktion sei nicht vor Anfang kommender Woche zu erwarten.

Über weitere Lebensumstände des Paares schweigen sich die Ermittler derzeit aus.
  Allerdings wurde bereits bekannt, dass es sich bei der mutmaßlichen Mutter um eine 45-Jährige handeln soll, die zusammen mit ihrem Ehemann in dem Haus lebte. Im September habe sich das Paar getrennt und die Frau habe Wallenfels verlassen.

Deren familiäre Situation ist komplex, wie man sich im Ort erzählt. Demnach waren der 55-Jährige und dessen Frau, beide aus Wallenfels, bereits zuvor verheiratet. Beide brachten bereits jeweils zwei Kinder in die neue Beziehung mit ein, aus der schließlich noch drei gemeinsame Kinder hervorgingen - darunter Zwillinge. Vor einigen Wochen soll sich der Mann von seiner Frau getrennt haben.

Beide sind in Wallenfels stark verwurzelt. Während der Mann sich unter anderem in der Wasserwacht ehrenamtlich engagierte, half die Frau im Sommer im Verkauf des Kiosks im Wallenfelser Schwimmbad. Anscheinend hatte die Frau dennoch einiges zu verbergen. So soll sie sich wenig draußen aufgehalten haben laut einer Anwohnerin. Sie sei stets ruhig und unauffällig gewesen sein.
  Im Ort herrscht nach dem grausigen Fund von Babyleichen in Wallenfels indes Fassungslosigkeit. Viele Bürger fragen sich, wie so etwas passieren konnte - noch dazu unbemerkt.

Auch Bürgermeister Jens Korn ist am Morgen danach am Haus direkt an der Ortsdurchfahrt anzutreffen und stellt sich den Fragen der Presse: "Bei uns im Ort herrscht Trauer und Fassungslosigkeit über das, was ganz offensichtlich geschehen ist. Wallenfels ist eine kleine Gemeinde. Wir sind ein Ort, in dem jeder jeden kennt und in dem jeder jeden auch hilft." Viele Bürger würden sich nun die Frage stellen, ob man das hätte verhindern können, ob man hätte helfen können. Korn geht auch auf die Situation für Wallenfels und die Bürger vor Ort ein: "Es ist für die Menschen schon schwierig. Wallenfels ist ein kleiner Ort und auch ein Stück heile Welt. In diese heile Welt ist jetzt dieses Ereignis eingebrochen und da sind schon viele Leute da, die betroffen und traurig sind. Wir werden in den nächsten Tagen schauen, wie wir da auch als Stadt Wallenfels helfen können."
 


Die Nachbarn in Wallenfels sind entsetzt

Verwundert über die gesamte Situation zeigte sich bereits am späten Donnerstagabend eine Nachbarin: "Ich habe von der ganzen Sache überhaupt nichts mitbekommen. Als ich aus dem Haus ging, war hier plötzlich ein Riesen-Auflauf", spricht sie die vielen Einsatzkräfte an, die sich am und im Haus eingefunden hatten. Dass tote Säuglinge gefunden wurden, will sie erst gar nicht glauben: "Das sind doch keine Unrechten", wirft sie einen Blick auf ihre Nachbarn.

Eine andere Nachbarin berichtet, dass ihr die Schwangerschaften der Frau nicht aufgefallen seien. Dass es in der Beziehung zwischen dem Paar gekriselt hat, sei schon länger bekannt gewesen.