Durchführen oder erstmals seit 75 Jahren absagen, das sei die Frage gewesen, sagte der langjährige Organisator Heinz Hausmann. Man kam schließlich zu dem Ergebnis, diese traditionelle Wallfahrt fortzusetzen, wenn auch in völlig anderem Rahmen. So muss wegen des Coronavirus nicht nur der Ablauf vollständig geändert werden, sondern unabhängig davon musste auch die Organisation neu strukturiert werden. Für die Veranstaltung am Samstag, 5. September, zeigen sich neben der örtlichen Gemeinschaft, die das Geschehen in Neuengrün organisiert, nunmehr die beiden Seelsorgebereiche Kronach und Teuschnitz verantwortlich.

Die Friedenswallfahrt wurde in der Vergangenheit getragen und veranstaltet von den Dekanatsräten der ehemaligen Dekanate Kronach und Teuschnitz. Kooperationspartner waren die Kuratie Neuengrün und die Soldatenkameradschaften im Kreisverband Kronach.

Die Ansprechpartner

Mit der Neustrukturierung der Dekanate, der Auflösung der "alten Dekanate" und der Dekanatsräte hat sich auch an der Organisationsstruktur etwas geändert: Die Friedenswallfahrt wird nun von den Seelsorgebereichsräten des katholischen Seelsorgebereichs Kronach und Frankenwald getragen. Ansprechpartner sind Lukas Löffler und Anne Neubauer. Kooperationspartner sind weiterhin die Kuratie Neuengrün und die Soldatenkameradschaften im Kreisverband Kronach.

Eine lange Geschichte

Heinz Hausmann, der die Friedenswallfahrt als Herzensangelegenheit betrachtet und diese fast 50 Jahre organisiert hat, war zuversichtlich, dass es gut weitergehen wird. Er verwies auf die lange Geschichte, die bereits 1946 mit der ersten Heimkehrerwallfahrt begann. Als erster Prediger war damals Prälat Werthmann aus Kronach im Runddorf zu Gast. Bereits ein Jahr später wurde das erste Friedenskreuz aus Holz auf der Anhöhe errichtet. 1949 fanden die Weihe der Friedensstandarte und die erste Lichterprozession statt. Hauptredner war der aus Steinwiesen stammende Josef Müller ("Ochsensepp") der zu dieser Zeit Justizminister und stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident war.

Andreas Bauer hatte nicht nur die Heimkehrerwallfahrt, wie sie bis Ende der 60er Jahre hieß, ins Leben gerufen, sondern auch ein Legendenspiel geschrieben. Dieses wurde seitdem alle fünf Jahre aufgeführt und musste heuer wegen Corona abgesagt werden.

Wie Heinz Hausmann beim Treffen in Neuengrün berichtete, sei unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von den Kriegsheimkehrern aus Dankbarkeit für ihre Rückkehr beschlossen worden, jährlich eine Wallfahrt nach Neuengrün abzuhalten. Tausende waren noch in Gefangenschaft.

Franz-Josef Strauß als Festredner

In den ersten Jahren der Heimkehrerwallfahrt waren Politiker die Festredner: 1948 sprach Kultusminister Alois Hundhammer. Mehrmals war Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident Josef Müller in Neuengrün. 1952 war der CSU-Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Strauß der Festredner.

Gläubige aus Neuengrün und aus den Nachbargemeinden, Überlebende des Weltkrieges, verzweifelte Angehörige von Vermissten und Gefallenen und zahlreiche Menschen, die für den Frieden dankbar waren, sind nach Neuengrün gepilgert, um für den Frieden zu beten. Und dieses Anliegen ist immer noch und immer wieder aktuell.

Vor 25 Jahren, zur 50. Friedenswallfahrt, wurde eine neue Standarte angeschafft, die der akademische Bildhauer Heinrich Schreiber entworfen hatte. Sie wurde 1999 in Rom von Papst Johannes Paul II. gesegnet. Der Papst bat damals den früheren Dekantsratsvorsitzenden Heinz Hausmann, weiterhin für den Frieden in der Welt zu beten und die Wallfahrt abzuhalten. Die Friedensstandarte wandert seitdem von einem Ort zum anderen. Sie geht heuer vom einstigen Seelsorgebereich Unteres Haßlachtal an den Seelsorgebereich Frankenwald (Oberes Rodachtal, Teuschnitz, Ludwigsstadt).

Coronabedingt wird es in diesem Jahr keine Betstunden, keine Prozession zum Friedenskreuz und kein Legendenspiel geben. So finden lediglich die Übergabe der Friedensstandarte und ein Gottesdienst im Freien statt. Dieser wird nicht wie bisher auf dem Dorfplatz, sondern direkt auf dem Kirchenvorplatz sein. Festprediger wird Monsignore Reinhold Bartmann, Generalvikar des katholischen Militärbischofs, sein.

Im Anschluss an den Gottesdienst, der um 20 Uhr beginnt, übergeben die Vertreter des ehemaligen Seelsorgebereichs Unteres Haßlachtal die Friedensstandarte an den katholischen Seelsorgebereich Frankenwald (Pfarrei Teuschnitz). Aus diesem Grund übernimmt auch eine Auswahl der Teuschnitzer Stadtkapelle und der Wickendorfer Musikanten die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes.

Man erwartet auch heuer wieder viele Wallfahrer aus dem gesamten Frankenwald. Viele von ihnen kommen seit Jahrzehnten nach Neuengrün, um für den Frieden in der Welt zu beten. Zum Gelingen der Friedenswallfahrt wollen auch Pfarrgemeinderatsvorsitzende Silvia Welscher und Mesner Ludwig Dietz, zwei Bürger die vor Ort großen Einsatz zeigen, beitragen.

Sicherheitsmaßnahmen

Es wurde ein Hygiene- und Sicherheitskonzept erstellt. Dekan Detlef Pötzl bittet um Beachtung des nötigen Mindestabstands von eineinhalb Metern. Besucher sollten eine Mund-Nasen-Schutzbedeckung mitbringen. Es ist damit zu rechnen, dass nicht alle Gottesdienstbesucher einen Sitzplatz erhalten werden. Falls nötig können Gäste einen Klapphocker mitbringen. Vereine und Verbände sind ausdrücklich eingeladen, Fahnen oder Banner mitzuführen.