"Mit diesem Hotel hauchen wir der Festung viel Leben ein", freute sich Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein in seiner Ansprache über diesen "so wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung der Festung Rosenberg". Dem Kronacher Stadtoberhaupt stand die Freude ins Gesicht geschrieben, nach fast neunjährigem Kontakt mit der Jufa (Jugend- & Familiengästehäuser Holding GmbH) die Neuverpachtung der Festungsherberge offiziell besiegeln zu können.

Zum Festakt an der Reitbahn der Festung hatten sich Vertreter des österreichischen Hotelkonzerns - allen voran Geschäftsführer Gernot Reitmaier - ebenso eingefunden wie des Staatlichen Bauamts, der Fraktionen und Gruppierungen im Stadtrat, des Landratsamts, der Stadtverwaltung sowie des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs.

"Im Rahmen des 2009/2010 entwickelten Festungsnutzungskonzeptes war die zeitgemäße Modernisierung der Jugendherberge ein wichtiges Ziel", erinnerte Beiergrößlein an "Barras"-mäßig anmutende Zustände. Über das Landratsamt und das Wirtschaftsministerium wurde der Kontakt mit Jufa hergestellt. Mit Unterstützung durch den Landkreis wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ergebnis war, dass sich der Beherbergungsbetrieb auf der Festung für ein Jugendhotel eignen würde.

Es begannen intensive Gespräche mit Jufa, die mit ihrem Konzept überzeugen konnte. Auch wurden bestehende Einrichtungen der Jufa besichtigt. 2012 befasste sich der Stadtrat mit dem Thema und beschloss, in konkrete Vertragsverhandlungen einzusteigen. "Dass solche Vertragsverhandlungen bei einem solch komplexen Areal wie der Festung bei paralleler Weiterführung der Baumaßnahmen nicht einfach sind, liegt in der Natur der Sache", verdeutlichte Beiergrößlein. Sein Dank galt Stadtplaner Daniel Gerber und dem Team des Staatlichen Bauamtes, die manch "harte Nuss" in der Baustelle Festung zu knacken gehabt hätten.

"Angestrebt wird auch eine gemeinsame Vermarktung der in Kürze in Betrieb gehenden Veranstaltungsräume in den Zeughäusern - insgesamt also eine Win-win-Situation", zeigte sich der Bürgermeister sicher. "Ich freue mich, dass wir nach langer Vorarbeit heute den letzten Schritt gehen können", so der Bürgermeister, der der Jufa für die vertrauensvolle Zusammenarbeit dankte - namentlich insbesondere Geschäftsführer Gernot Reitmaier sowie Jufa-Chef Gerhard Wendl und Cornelia Haas, die beide leider nicht anwesend sein konnten. "Happy together" ist das Motto von Jufa. Dieses Motto möge auch über unserer gemeinsamen Zukunft Festung stehen", wünschte er sich, Kronachs Wahrzeichen gemeinsam zu einem lebendigen Ort zu entwickeln.


"Große Bereicherung"

Seinen Worten schloss sich Gernot Reitmaier an. Anfangs habe man ausgelotet, ob es am Standort Kronach entsprechende Voraussetzungen gebe, um hier einen abwechslungsreichen Urlaub zu verbringen. Dies könne er bejahen. "Das wird eine bunte Vielfalt", kündigte er an - mit Angeboten für Familien über Schulklassen bis hin zu Tages- und Seminargästen. Begeistert zeigte sich Reitmaier vom schulpädagogischen Programm, das man eventuell noch weiterentwickeln möchte. Sein Hotelkonzern betreibe 60 Häuser in vier Ländern - vom kleinen Bauernhof bis zum großen City-Hotel. Unter alledem sei die Festungsanlage mit ihrer imposanten Lage etwas ganz Besonderes, Einzigartiges. Was in Hamburg der Hafen der Elbe sei, sei in Kronach die Festung Rosenberg. "Die Festungsherberge wird eine große Bereicherung für Jufa sein - in geschichtlicher Hinsicht ebenso wie aufgrund der Lokalität ", freute er sich.

Stadtplaner Daniel Gerber erinnerte an die Fahrt nach Nördlingen ins dortige J ufa-Hotel im Februar 2012. Seitdem liefen die Planungen und Baumaßnahmen in enger Abstimmung mit Jufa und hervorragender Zusammenarbeit mit dem staatlichen Bauamt Bamberg und seiner Dienststelle in Coburg, dem Kronacher Architektenbüro Spindler+ sowie den Fachplanungsbüros Schlicht + Fischer (Statik), Schubert (Elektrotechnik) und Technoplan (Heizung, Lüftung, Sanitär).
Für die Planungen setze man sich drei Vorgaben: die Schaffung zeitgemäßer Übernachtungszimmer und Gastbereiche, die Verträglichkeit der Baumaßnahmen mit der wertvollen historischen Bausubstanz sowie die Berücksichtigung von Barrierefreiheit.


Verstaubtes Flair ist passé

Zunächst wurden 22 Gästezimmer im West- und Nordflügel (mit 83 Betten) nach Jufa-Standard ausgebaut. "Jufa-Standard bedeutet, dass wir das verstaubte Flair der früheren Jugendherberge mit solch prähistorischen Einrichtungen wie Sammelduschen gegen moderne, freundliche Gästezimmer mit jeweils eigenen Bad- und WC-Bereichen ersetzen", erklärte er. Das Ziel der Barrierefreiheit werde durch den Einbau eines Aufzugs und den Einbau behindertenfreundlicher Bäder realisiert. Aktuell würden nun im Ostflügel sechs weitere Zimmer (21 Betten)ausgebaut.

Die Fertigstellung ist für nächstes Frühjahr geplant - ebenso die der Küche im Erdgeschoss des Nordflügels. Komplettiert wird das Familienhotel durch Räume im Ostflügel und im Zeughaustorbau im Jahr 2022.

"Ich verweise immer wieder darauf, dass wir Hotel und gute Übernachtungsangebote brauchen, damit Tagesgäste länger in Kronach verweilen", betonte Kerstin Löw, Betriebsleiterin des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs der Stadt Kronach. Nunmehr könne man diese hierfür erforderliche Verweilqualität im eigenen Hause der Stadt Kronach anbieten. "Was für eine Vorgeschichte", meinte sie voller Vorfreude auf die gemeinsame Zusammenarbeit, die sie kaum noch erwarten könne. "Ich möchte jetzt einfach nur loslegen", strahlte sie.


Jufa und die Festungsherberge

Jufa wird das Haus in Etappen nach Fortschritt der Baumaßnahmen übernehmen. Der größte Teil davon soll zum 1. April 2019 übergeben werden: der Empfangsbereich, 25 Gästezimmer mit 94 Betten jeweils mit TV- und Internetanschluss, Küchen- und Verwaltungsräume, der Speisesaal sowie Außenflächen mit Spielwiese, Grillplatz und Terrasse. Weitere Gästezimmer im Ostflügel und im Zeughaustorbau sowie ein Aufenthaltsraum im Ostflügel folgen. Im Endausbau stehen dann 37 Zimmer mit 137 Betten zur Verfügung.

Die Jufa-Gruppe wurde vor 27 Jahren in Österreich von Gerhard Wendl gegründet. Mit drei Jugendherbergen gestartet, gehören jetzt rund 60 Häuser in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und Ungarn zum Portfolio des international tätigen Hotel-Konzerns. Seit 2011 haben sich die Nächtigungen von 700 000 auf 1,4 Millionen verdoppelt. Damit ist die Hotelgruppe zentraleuropäischer Marktführer im Bereich Jugend- und Familientourismus. Der Jahresumsatz beträgt in der gesamten Hotelgruppe knapp 80 Millionen Euro.