Der Mitwitzer Bürgermeister Hans-Peter Laschka (CSU), sein Stellvertreter Jürgen Kern (SPD), der Zweite Bürgermeister aus Schneckenlohe, Andreas Kristek (CSU), und Geschäftsstellenleiter Heinrich Bauersachs sitzen für ein Gespräch mit unserem Reporter im Trauungszimmer des Rathauses beisammen. Kaffee und Gebäck stehen auf dem Tisch, es wird gescherzt und aus dem Nähkästchen geplaudert. Es geht locker zu. Solche entspannten Momente erleben die Gesprächspartner zurzeit selten. Die Verwaltungsgemeinschaft (VG) muss den langfristigen Ausfall ihrer beiden Ersten Bürgermeister kompensieren. Ein Kraftakt.

Der Engpass durch die Ausfälle der Gemeindeoberhäupter, der durch Krankheitsfälle in der Verwaltung noch verschärft wird, ist ein Sonderfall. Im Gespräch zeigt sich schnell, dass die Betroffenen deswegen noch enger zusammenrücken. Parteigrenzen sind nie zu erkennen. Gegenseitig wird versucht, die Motivation hoch zu halten. Auch mit einer Prise Galgenhumor.

"Ich habe erfahren, dass wir mit unserer Situation in Bayern spitze sind", spricht Kern vom Novum eines solchen Doppelausfalls. Kristek legt mit einem nicht weniger vielsagenden Grinsen als bei seinem Vorredner nach: "Jetzt könnte uns im Landkreis nur noch Teuschnitz toppen. Die haben drei Erste Bürgermeister in der VG."

Den Rekord hätten sich die Mitwitzer und Schneckenloher jedoch gerne erspart. Die Belastung durch die krankheitsbedingten Ausfälle von Laschka und seinem Kollegen Knut Morgenroth (SPD) sorgen für eine enorme Belastung, zumal sich beide nicht abgezeichnet hatten. "Der Vertretungsfall ist über Nacht eingetreten", erklärt Laschka. Auch Kristek ist aus heiterem Himmel "befördert" worden. "Seit 10. Juli, früh um halb drei, bin ich im Amt", stellt der Schneckenloher fest.

Der Rotkreuzler versucht seinen zeitaufwendigen "Nebenjob" über den Abbau von Überstunden in den Griff zu bekommen. Als Stellvertretender Leiter des Rettungsdienstes habe er glücklicherweise etwas Spielraum bei der Dienstplanung. Dennoch funktioniere es nur, weil ihm alle in seinem Umfeld Rückendeckung geben: die Familie, die Kollegen, die Ratsmitglieder und die Verwaltung. Er profitiert auch davon, Erfahrung zu haben. Seit 1984 ist Kristek Mitglied im Gemeinderat, seit acht Jahren Zweiter Bürgermeister.

Der beruflich selbstständige Jürgen Kern musste am 27. September das Ruder in Mitwitz übernehmen. Auch er profitiert von einer langen Zugehörigkeit zum Marktgemeinderat (seit 1990) und von 14 Jahren als Stellvertreter Laschkas. "Die Unterstützung ist unglaublich", hebt er hervor, Seite an Seite mit den Ratskollegen wie auch der Verwaltung die Herausforderung angehen zu können.

Laschka weiß nur zu gut, was zurzeit im Rathaus und von den Stellvertretern geleistet werden muss. Es gehe ja nicht nur um die Vertretung in der Gemeinde, sondern auch um die Arbeit in den Verbänden. Da zahle es sich aus, dass es im Rathaus "offene Türen" gebe. Der Zweite Bürgermeister wisse, wo er alles finde, daher könne er auch sofort einspringen. Kern sieht das genauso, schließlich musste er mitten in der Bauphase der Ortsdurchfahrt übernehmen. Dennoch ist er froh, dass ein Kelch an ihm vorüberging - das Ortsjubiläum. Das zu organisieren, wäre nicht sein Ding gewesen, räumt er ein. Was die aktuelle Vertretung schwieriger mache als beispielsweise im Urlaubsfall, sei die Dauer, erklärt Kern weiter. Bei einer kürzeren Vertretung könnten knifflige Entscheidungen mal geschoben werden, das sei jetzt nicht möglich.


Weichenstellungen

"Die Verwaltungsmitarbeiter sehen die schwierige Situation und legen noch eine Schippe drauf", unterstreicht Bauersachs. Es sei eine "spannende Phase", in der man die Stellvertreter nach Kräften unterstützen wolle. Allerdings könne dadurch nicht alles in der Verwaltung wie gewohnt abgearbeitet werden, bittet er die Bürger um Verständnis. Kern unterstreicht, wie wichtig diese Hilfestellung ist: "Ich habe selbst eine Firma, aber das hier ist ein anderes Metier. Es dauert, bis man sich in dieses allgemeine Verwaltungswesen hineinfindet." Vor allem bei den Pflichtaufgaben gebe es Fallstricke, ergänzt Bauersachs, etwa wenn es um Themen wie Wasser oder Abwasser gehe.

Wichtige Weichenstellungen gab und gibt es zurzeit in beiden Gemeinden. In Schneckenlohe steht beispielsweise die Sanierung der alten Gemeindekanzlei an. In Mitwitz muss sich der amtierende Bürgermeister derweil mit der Sanierung des Gebäudes Kronacher Straße 3, der Gestaltung der Ortsmitte, den abschließenden Arbeiten an der Durchfahrtsstraße und der Fischer-Brache befassen.

Kern und Kristek wären daher froh, wenn ihre Ersten Bürgermeister bald zurückkehrten. Laschka strebt an, möglichst im Februar wieder stundenweise einzusteigen. Nach seiner bevorstehenden Chemotherapie müsse man sehen, ob sich dieses Ziel erreichen lässt und sinnvoll ist. Morgenroth, derzeit noch bei einer Reha-Maßnahme, möchte im März wieder die Bürgersprechstunden übernehmen.

Was die beiden Stellvertreter derzeit leisten, wissen Laschka und Morgenroth gleichermaßen zu schätzen. Mit einem Schmunzeln beruft sich Laschka auf einen Scherz eines ehemaligen Bürgermeister-Kollegen: "Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Zweiten Bürgermeister? Die Hütte ist für den Hund, der Zweite Bürgermeister für die Katz'." Wer das ernsthaft denke, müsse darauf hoffen, nie in eine solche Situation zu kommen, wie sie jetzt in Mitwitz und Schneckenlohe herrsche.


Die Gemeindeordnung besagt: Eine genaue Festlegung, wie lange ein Bürgermeister ausfallen darf und wie lange die Vertretungszeit einem Stellvertreter zumutbar ist, gibt es laut Pressesprecher Bernd Graf vom Landratsamt nicht. Er verweist auf Artikel 39 der Gemeindeordnung, Darin heißt es lediglich: "Die weiteren Bürgermeister vertreten den Ersten Bürgermeister im Fall seiner Verhinderung in ihrer Reihenfolge. Die weiteren Stellvertreter bestimmt der Gemeinderat aus der Mitte der Gemeinderatsmitglieder, die Deutsche im Sinn des Artikels 116, Absatz 1, des Grundgesetzes sind."