Seit 1. Januar 2017 ist Christian Kloeters Geschäftsführer der Helios-Frankenwaldklinik in Kronach. Der 38-Jährige verriet Einiges über seine Visionen bezüglich der Klinik und über seine ersten Tage im Frankenwald.

Wie waren Ihre ersten Wochen im Frankenwald?
Christian Kloeters: Ich bin überrascht, dass das Medienecho so groß ist.

Warum haben Sie sich erst nach 100 Tagen Tätigkeit an der Helios-Frankenwaldklinik zu einem Interview bereiterklärt?
Ich wollte zuerst meine Mitarbeiter etwas näher kennenlernen. Ich bin fasziniert von den unterschiedlichen Menschen, die es hier gibt. Viele davon sind seit vielen Jahren in der Klinik beschäftigt. Sie kennen das Haus und die Region. "Ich sitze hier auf einem Schatz!" Dieses Bewusstsein hilft, Herausforderungen anzugehen.

Wie beispielsweise in der Notaufnahme?
Ja, die Notaufnahme ist ein Beweis dafür, dass es sich lohnt, einen Prozess dahingehend anzugehen, dass Wartezeiten verkürzt, Diagnosen schneller gestellt werden. Als Glücksfall bezeichne ich es, dass wir in der Zentralen Patientenaufnahme sowie der Notaufnahme mit Claus Schindler einen Ärztlichen Leiter gewinnen konnten, der über breite Erfahrungen in diesem Bereich verfügt. Eins seiner Hauptaugenmerke liegt auf der Neuorganisation der internen Prozesse und Abläufe.

Bedeutet das auch mehr Personal?
Das weiß ich noch nicht. Einfach Personal einzustellen, ist auch schlecht. Es geht eher darum, Prozesse so zu gestalten, dass die Mitarbeiter zufrieden sind. Wenn Prozesse schlanker werden, nehmen auch deren Belastungen ab.

Wie wollen Sie das machen?
Indem die Strukturabläufe besser aufeinander abgestimmt werden. Dafür ist aber verstärkte interne Kommunikation notwendig. Beispielsweise können die Termine in der Zentralen Patientenaufnahme besser koordiniert werden. Bei der Notaufnahme kann man die Anzahl der Patienten nicht vorhersehen, aber hier könnten Kräfte von anderen Abteilungen einspringen, wenn Not am Mann ist. Die Kommunikation ist das A und O.

Kann es sein, dass die Neustrukturierung der Notaufnahme durch Druck von außen zustande kam?
Das schließe ich definitiv aus.
Manche Pflegekräfte an der Helios-Frankenwaldklinik klagen über zu viel Bürokratie und zu wenig Zeit für Patienten, teilweise müssten sie auch pflegefremde Arbeiten ausführen. Hier wurde und hier werden wir noch Abhilfe schaffen. Bereits bis jetzt wurden vier Stationshilfen eingestellt, die pflegefremde Leistungen wie Essen verabreichen durchführen. Vier weitere sollen noch folgen.

Patienten beschweren sich mitunter, dass die ausländischen Ärzte der deutschen Sprache nicht mächtig sind ...
... auch hier sind wir aktiv geworden. Derzeit werden wöchentlich Deutschkurse durchgeführt. Zusätzlich führt der Chefarzt der Inneren Medizin, Roy Hoffmann, Kurse durch, in denen die Fachbegriffe der Medizin in deutscher Sprache vermittelt werden. Der Wunsch, die deutsche Sprache zu lernen, ist bei den ausländischen Kollegen vorhanden. Wir sehen uns in der Verantwortung, dies auch zu unterstützen.

Die Geschäftsführer wechselten in den letzten Jahren jährlich. Ist der Job hier an der Helios-Frankenwaldklinik für Sie eine Durchgangsstation?
Ich fühle mich hier wohl. Ich bin sehr freundlich und erwartungsvoll aufgenommen worden. Ich trat hier nicht einen Job an, um in einem Jahr wieder wegzugehen. Mir ist es wichtig, Bindungen mit den Mitarbeitern und auch mit der Politik aufzubauen. Mir ist es wichtig, deren Meinungen zu hören, denn nur dadurch ist eine konstruktive Zusammenarbeit gewährleistet. Und all das kann man nicht innerhalb von zwölf Monaten erreichen.

Inwieweit spielt die Wirtschaftlichkeit der Helios-Frankenwaldklinik für Sie eine Rolle? Es heißt oftmals, in Deutschland wird zu viel des Geldes wegen operiert.
Klar, Wirtschaftlichkeit spielt eine Rolle. Ich bin aber überzeugt, dass - wenn gute Ärzte und Pflegekräfte vorhanden sind, die einen guten Job machen - die Patienten unser Haus weiterempfehlen. Infolgedessen kommen mehr Patienten, das Haus ist gut belegt und somit kommt der Gewinn. "Gute medizinische Qualität und zufriedene Mitarbeiter schaffen schwarze Zahlen."

Es sorgte teilweise für Diskussionen, dass die sogenannte "OP-Suppe" im OP-Bereich abgeschafft wurde ...
... wir müsse alle Mitarbeiter gleich behandeln. Wir haben viele Bereiche, in denen wir unsere Mitarbeiter unterstützen, beispielsweise durch eine private Zusatzversicherung. Somit können unsere Mitarbeiter bei einem Klinikaufenthalt die Wahlleistungen in Anspruch nehmen. Demnächst wird man im Rahmen der Aktion "Job-Rad" auch ein E-Bike sehr günstig leasen können.

Was ist Ihr Ziel?
Ich will die Klinik fitmachen für die Zukunft. Dazu gehören zufriedene Mitarbeiter, reger Austausch mit der Politik, enge Kommunikation zwischen den Abteilungen, Investitionen in Gebäude und medizinische Technik. Derzeit wird beispielsweise die Wahlleistungsstation modernisiert. Investitionen in diesem Bereich deshalb, weil die Nachfrage vorhanden ist. Auch in die Intensiv- und Wachstation wird investiert. Zudem soll ein betriebliches Vorschlagswesen wieder eingeführt werden.
Weiterhin setzte ich auf eine starke Vernetzung zwischen dem stationären und ambulanten Bereich, auf einen Austausch mit den niedergelassenen Ärzten. Und was die Ansiedlung einer KV-Praxis betrifft, da sind wir in Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung.
Bezüglich der Rekrutierung von Nachwuchs verspreche ich mir Positives vom Lucas-Cranach-Stipendium. Bisher haben es zwei Kollegen in Anspruch genommen und befinden sich momentan in der Facharztausbildung in unserem Haus. Es gibt auch einen neuen Stipendiaten.

Sie sagten, Sie suchen das Gespräch mit der Politik. Warum wurde MdL Jürgen Baumgärtner im Herbst 2016 von der Klinikleitung ausgeladen?
Man war etwas irritiert über das Vorgehen des Landtagsabgeordneten. Es ist ungewöhnlich, einen Gesprächstermin mit der Führung der Helios-Klinik zu vereinbaren und vorher die Presse über die Inhalte zu informieren.

Sie leiten neben der Helios-Frankenwaldklinik auch noch die Helios-Klinik in Volkach. Haben Sie denn Zeit für ein Hobby?
Die Kliniken sind meine Hobbys. Die Arbeit macht mir Spaß. Wobei ich einräume, der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in Kronach an der Helios-Frankenwaldklinik.

Die Fragen stellte
Veronika Schadeck