Seit Jahren kämpfen die Ludwigsstädter um den dauerhaften Erhalt ihres Freibades. Um dieses Ziel zu erreichen, muss diese Freizeiteinrichtung dringend saniert werden beziehungsweise gar ein Ersatzneubau in Angriff genommen werden. Doch dafür fehlt - wie in vielen anderen Gemeinden auch - das Geld. Nun hoffen sie, bei der neuen Auflage des Bundesprogramms "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur - Projektaufruf 2021" berücksichtigt zu werden.

Am Mittwochabend waren deshalb die parlamentarische Staatssekretärin für Arbeit und Soziales, Anette Kramme (MdB/SPD) und ihr Parteikollege, der stellvertretende haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Andreas Schwarz vor Ort.

Nur bedingt Chancen

"Das Schwimmbad sieht wirklich nicht gut aus", meinte Kramme und ihr Parteikollege Schwarz ergänzte: "Das ist das Schlimmste, was wir gesehen haben." Trotz dieser Feststellungen räumten die beiden Bundestagsabgeordneten den Ludwigsstädter nur bedingt Chancen ein, aus dem Sportstättensanierungsprogramm Fördermittel zu erhalten.

Zuvor gingen der Bürgermeister und der Bademeister Nicol Schinner auf die Situation ein. Demnach haben die Ludwigsstädter das älteste Schwimmbad im Landkreis. Gebaut wurde es im Jahre 1932, 24 Jahre später wurde es umgebaut und ein Betonbecken angebracht. Im Jahre 1974 war die letzte Sanierung.

Wie Schinner weiter berichtete, wurde nach der Jahrtausendwende die Wärmepumpe abgeschaltet, im Jahre 2003 habe er in seiner Freizeit eine Solaranlage auf dem Kioskdach angebracht. Nachdem die Wärmepumpe weg war, fielen auch die Besucher wegen zu kalter Wassertemperaturen weg, erinnerte er. Auch in diesem Jahr waren die Wassertemperaturen im Juni und Juli nur mittelmäßig, im August dagegen wurden hohe Temperaturen gemessen, das wirkte sich auch auf die Solaranlage und somit auf das Badewasser aus.

Bürgermeister Timo Ehrhardt brachte das Freibad, das jährlich ein Defizit von rund 75 000 Euro aufweist, mit einer Lebensqualität für die gesamte Region in Zusammenhang. Auch in Corona-Zeiten sei diese Einrichtung gut angenommen worden. Er betonte zudem, dass die gesamten fränkischen Rennsteiggemeinden hinter diesem Projekt "Sanierung oder Ersatzneubau des Freibades" stehen. Er ging zudem auf die bereits erstellte Machbarkeitsstudie ein. Demnach käme eine "notwendige" Sanierung auf rund 1,5 Millionen Euro, eine "wünschenswerte" auf 4,5 Millionen Euro und ein Ersatzneubau auf circa sechs Millionen Euro.

Es gebe da ein Problem, antwortete Kramme. Im Prinzip seien alle Freibäder in der Region sanierungsbedürftig. Die Fördermittel dagegen seien überschaubar. Sie wies darauf hin, dass derzeit von den mit 600 Millionen Euro aufgelegten Fördertopf noch 400 Millionen Euro abrufbar seien. Viele Freibäder seien von einer Schließung bedroht, auch in Oberfranken. Deshalb liegen auch viele Anträge vor, aus der Region unter anderem von Coburg, Hof und Kronach. Insgesamt gehe es um weitaus höhere Summen, als der Fördertopf hergebe. Ziel sei es, in einer Region zumindest ein Freibad zu fördern.

"Das Problem ist der Riesenstau", pflichtete ihr Andreas Schwarz bei. Er sprach davon, dass er sich um einen neuen Fördertopf aus dem Umweltministerium bemühe. Denkbar wäre dann, Ludwigsstadt als Modellprojekt aufzunehmen, wenn diese bei der Freibadsanierung in neueste Techniken wie beispielsweise zur Energiegewinnung investieren würde. Zudem sollte die Stadt versuchen, bestimmte Einrichtungen des Freibads beim Städtebau mit unterzubringen. Kramme regte an, im Falle einer Sanierung Möglichkeiten für aktive Sportler mit zu schaffen.

"Alle Möglichkeiten ergreifen"

Bürgermeister Timo Ehrhardt erklärte, dass die Stadt ihr Sanierungsgebiet bis zum Schwimmbad ausgewiesen habe. Deshalb sei der Schwimmbadparkplatz auch im Städtebauprogramm mit berücksichtigt. Er erklärte zudem, dass er mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner wegen Fördermittel aus Landesprogrammen in Kontakt sei. "Wir müssen alle Möglichkeiten ergreifen!"

Bereits in den vergangenen Jahren hat sich Ludwigsstadt um Fördermittel beim Bund und Land Bayern bemüht. Frühzeitig wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Im Februar 2020 gab der Stadtrat grünes Licht für das Vorhaben des CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner, einen kommunalen Zweckverband für Freibäder anzustreben.

Timo Ehrhardt meinte nun am Mittwoch: "Wenn wir Fördermittel bekommen würden, das wäre wie ein Sechser im Lotto!" Und in der Tat: Da Ludwigsstadt eine Konsolidierungsgemeinde ist, könnte sie den Aussagen von Andreas Schwarz zufolge mit einer 90-prozentigen Förderung rechnen.