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Kronacher Freischießen 2020: Die Absage trifft viele Bereiche

Schausteller, Brauer, Hoteliers, Einzelhändler - ohne das Freischießen gehen ihnen heuer viele Einnahmen verloren, sagt Erster Schützenmeister Jörg Schnitzler. Auch die Schützengesellschaft Kronach hat durch die Absage mit Einbußen zu kämpfen.
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Trotz der Absage blicht der Erste Schützenmeister Jörg Schnitzler ebenso wie seine Vorstandskollegen nach vorne. Sie freuen sich bereits auf das Freischießen 2021.  Foto: Veronika Schadeck
Trotz der Absage blicht der Erste Schützenmeister Jörg Schnitzler ebenso wie seine Vorstandskollegen nach vorne. Sie freuen sich bereits auf das Freischießen 2021. Foto: Veronika Schadeck

Seit 48 Jahren ist Jörg Schnitzler Mitglied bei der Schützengesellschaft Kronach. Seit Mai 2019 ist er der Erste Schützenmeister. "Kronach ohne Freischießen ist eigentlich unvorstellbar, und doch ist es nun so weit" , sagt er. Denn vergangene Woche teilte ihm die Genehmigungsbehörde - in diesem Fall das Landratsamt - mit, dass derartige Großveranstaltungen bis 31. August "nicht gestattet sind" und "eine Genehmigung derzeit nicht erlassen werden kann". Dies sei mit der Regierung von Oberfranken und dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege abgestimmt worden.

Es herrscht Ruhe

"Dass ein Freischießen nicht stattfindet, so etwas gab es seit 70 Jahren nicht mehr", sagt Schnitzler. Es ist Freitagmittag. Vereinzelt stehen Bierzeltgarnituren vor dem Schützenhaus. Normalerweise, so erklärt er, kommen um diese Zeit die ersten Schausteller. Das sind solche, die vor dem Freischießen bei den Schützenfesten in Coburg und Lichtenfels präsent seien und auf der Kronacher Hofwiese ein paar Sachen abstellen. Normalerweise laufen bei ihm um diese Zeit die Drähte heiß. Er führt Gespräche mit Stadt, Landratsamt, Polizei, BRK. Es geht unter anderem um Details, um rechtliche Anordnungen, was Umzüge, Verkehrsrecht betrifft usw. In diesem Jahr ist es anders.

Er blickt auf den Pavillon. Eigentlich hätte in diesem Jahr das Heeresmusikkorps der Bundeswehr dort für Unterhaltung gesorgt. Aber die Leitung hat schon nach Ausbruch von Corona ihre Zusage mit einem Fragezeichen verbunden. Denn in Katastrophenfällen sind ihnen private Veranstaltungen untersagt.

Vieles war schon vorbereitet

Wie Schnitzler weiter erzählt, waren die Verträge mit den Brauereien, Musikkapellen und Schaustellern schon längst unter Dach und Fach. Vor allem die Schausteller, von denen die meisten seit Jahren beim Kronacher Freischießen vor Ort sind und mit denen sich mittlerweile viele freundschaftliche Beziehungen entwickelt haben, seien tief getroffen. Nachdem in diesem Jahr sämtliche Volksfeste wegen Corona abgesagt worden sind, haben die Schausteller auf das Kronacher Freischießen gehofft. "Sie kämpfen ums nackte Überleben. Die Corona-Soforthilfen bringen da nicht viel", sagt er. "Wir fühlen mit ihnen."

Auch die Brauereien hätten finanzielle Einbußen zu verzeichnen, sagt Schnitzer. Sie wollen aber trotz der Absage des Schützenfestes ein Schützenbier brauen, das in der Flasche und kleinen Fässern abgefüllt werden soll. Vielleicht wollen die Brauereibesitzer so ein bisschen Atmosphäre für das Freischießen vermitteln, mutmaßt er.

Weniger Kaufkraft für Kronach

Überzeugt ist Schnitzler, dass auch die Einzelhandelsgeschäfte und die Hotellerie wirtschaftliche Einbußen im August zu verzeichnen haben. Tausende Besucher strömen während der Festtage nach Kronach, viele davon kommen von auswärts und bleiben einige Tage. Sie kaufen ein, übernachten, besuchen kulturelle Einrichtungen und bringen somit Kaufkraft in die Stadt.

Und auch für die Schützengesellschaft fallen Einnahmen zwischen einer mittleren und hohen fünfstelligen Summe weg. Deshalb wird auch die Modernisierung des Pistolenschießstandes verschoben. Es war geplant, mit dieser Maßnahme in diesem Jahr zu starten und wegen der hohen Kosten - in diesem Zusammenhang spricht Schnitzler von einem sechsstelligen Betrag - in mehrere Bauabschnitte aufzuteilen.

Rückschlag für den Schießsport

Für ihn ist der Ausfall des Freischießens aber nicht nur mit einem finanziellen Verlust verbunden. Er spricht von Tradition, Brauchtum, von der Ausübung des Schießsports. Er bezeichnet das Freischießen als ein Fest nicht nur für Kronach, sondern für den gesamten Landkreis. "Es fehlt in diesem Jahr einfach ein Stück Lebensqualität."

In den vergangenen Monaten stand Schnitzler mit seinen Vorstandskollegen und einigen Mitgliedern per Telefon und Skype in Kontakt. Wettkämpfe, Trainingseinheiten am Schießstand waren verboten. Es fanden auch keine Schützenauszüge statt und somit konnten die "Majestäten" ihre Schützengesellschaft auch nicht nach außen vertreten. Auch er und seine Vorstandsmitglieder haben nicht zuletzt deshalb auf ein Freischießen gehofft. Die Realität ließ jedoch erahnen, dass daraus nichts wird. Schnitzler spricht von einem guten Gefühl, als er vor wenigen Tagen zum ersten Mal wieder zu einer "persönlichen Vorstandssitzung" einladen konnte.

Nach der Absage habe er massive Rückmeldungen von Mitgliedern bekommen. Diese waren zwar traurig und bedauerten den Wegfall des Freischießens. Zugleich zeigten sie aber auch Verständnis. "Wir blicken nun nach vorne. Wir freuen uns auf das nächste Jahr - da feiern wir doppelt."

Wird das Schützenhaus zur Stadthalle?

Beim Gespräch wurde auch das Thema "Das Schützenhaus als mögliche Stadthalle" angesprochen. Wie der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner auf Anfrage erklärte, stehe das Schützenhaus als möglicher Standort für die Stadthalle immer noch zur Diskussion. Er begründet dies unter anderem mit der zentralen Lage und mit der Möglichkeit zur Schaffung einer multifunktionalen Halle.

Zudem sei das Gebäude in die Jahre gekommen und müsse saniert werden. Er habe große Hochachtung von der Kronacher Schützengesellschaft, die das Schützenhaus über die Jahre hinweg unterhalten und auch anderen Vereinen zur Verfügung stellen. "Das ist ein Kraftakt", sagt er. Ob die Schützengesellschaft auch auf Dauer eine Sanierung und den Unterhalt bei so einem Gebäude allein bewältigen könne, sei dahingestellt. Es gelte einfach, zusammen mit der Vorstandschaft mögliche Synergien auszuloten.

Viele Fragen offen

Jörg Schnitzler spricht von einem hohen Sanierungsaufwand. Es seien noch viele Gespräche zu führen, in denen Fragen und Details geklärt werden müssen, wie Beispielsweise: Wie sieht es aus mit den angrenzenden Hallen? Was passiert mit dem Pavillon? Wer ist der Betreiber? Wie ist das Ganze finanziell zu stemmen? Kann das Freischießen auch nach einer möglichen Vollendung der Maßnahme weiterhin auf der Hofwiese stattfinden?

Klar sei für die Schützengesellschaft, dass sie keinen Grund und Boden veräußern werde. Er spricht auch davon, dass seit Herbst 2019 kein Gespräch mehr stattgefunden hat und er meint, erst wenn alles zu Ende gedacht sei, könne man sich eine Meinung bilden. Dass seither kein Gespräch mehr stattfand, begründet Baumgärtner mit dem Wahlkampf und Corona. Nach der Sommerpause, werden die Gespräche wieder aufgenommen, erklärt er.