Es ist ein Tag der großen Formulierungen. Landrat Klaus Löffler (CSU) spricht von einer "historischen Weichenstellung", Richard Rauh (SPD), Kreistags-Oppositionsführer, von einer "positiven Veränderung für den Landkreis" und Freie Wähler- Fraktionsvorsitzender Stefan Wicklein sieht ein "starkes Zeichen für die Region".

Und der Dienstag ist auch ein Tag des gemeinsamen Auftretens. Denn als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) um kurz nach halb zwei die Delegation aus dem Landkreis Kronach in der Staatskanzlei empfängt, sind die Teilnehmer in ihrer Parteizugehörigkeit bunt gemischt. Oder wie es Landrat Löffler ausdrückt: "Ich wollte die ganze politische Familie mitnehmen."


Glückwunsch zu großer Chance

Der Hintergrund der Reise: Die bayerische Staatsregierung hat in ihrer Kabinettssitzung am Dienstag beschlossen, das wissenschaftliche Angebot in Stadt und Landkreis Kronach zu erweitern. Und zur Feier des Tages gratulierte Ministerpräsident Söder den angereisten Kronachern persönlich.

Zwar istder Grundsatzbeschluss der Regierung noch vage gehalten und beinhaltet weder Angaben zu Zeitfenstern noch zu Fördergeldern. Aber dennoch: Eine Absichtserklärung, eine Hochschulregion zu errichten, ist für einen einwohnertechnisch eher kleinen Kreis nicht selbstverständlich.

Finden auch die Kronacher Politiker, die zusammen in die Landeshauptstadt gereist sind und zum Telefon-Interview einfach das Handy weitergeben. "Das hat epochale Bedeutung. Mit dem Beschluss kann der Landkreis in die Zukunft gehen", sagt Kreistagsfraktionsvorsitzender Bernd Liebhardt (CSU). "Das ist ein Leuchtturmprojekt. Jetzt müssen wir von anderen Städten lernen, um jungen Leuten im Kreis Kronach die Chance zu geben, voranzukommen", sagt Edith Memmel (Grüne).

"Das wird ein Anschub für alle Lebensbereiche, eine zusätzliche Zündung", findet Petra Zenkel-Schirmer (Frauenliste). "Eine wichtige Weichenstellung, um den ländlichen Raum zu stärken", sagt Stefan Wicklein. " "Das ist der Grundstock für die Gesamtentwicklung des Landkreises", meint Egon Herrmann (SPD), Weißenbrunner Bürgermeister und Vorsitzender des bayerischen Gemeindetages.


Alle politischen Themen wichtig

Parteikollege Rauh merkt an: "Der Grundstein ist gelegt, jetzt müssen wir unsere Hausaufgaben machen." Denn eines ist allen klar: Die Entscheidung in München war der Anfang eines weiten Weges, der sämtliche politische Felder des Landkreises umfasst.

"Im Landkreis beginnt eine neue Zeitrechnung", fasst Landrat Klaus Löffler zusammen. Wie aber könnte der Hochschulstandort im Landkreis Kronach aussehen? Aussagen dazu, wo Einrichtungen entstehen könnten und wie viele Studenten kommen könnten, wollte am Dienstag niemand treffen.
Nachdem eine eigenständige Hochschule für Holz gestorben ist, betont der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU). "Die Hochschule muss die Firmen des Kreises stärken. Und damit bei uns die Holz- und Fortwirtschaft." Hierzu könnte eine Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sinnvoll sein.

Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner, der viele Fäden gezogen hat, geht weiter. Sein Endziel, das von der derzeitigen Formulierung der Regierung abweicht: eine eigenständige Hochschule in Kronach etablieren. Erster Schritt dazu soll ein Campus sein. "Klaus Löffler wird die kommunale Familie einladen, um auszuloten, was genau zu tun ist." Danach müssten Gespräche mit Hochschulen stattfinden. "Dann wird man sehen, was umsetzbar ist."


"Impulsgeber erster Güte"

Der frühere Staatsminister und CSU-Parteivorsitzende Erwin Huber äußerte sich gegenüber unserer Redaktion: "Es ist eine gigantisch starke Chance für Kronach. Ein Hochschulstandort kann ein Impulsgeber erster Güte werden." Huber zollt Jürgen Baumgärtners Bemühungen Respekt: "Sein Einsatz wird jetzt gekrönt."


Bürgermeister ist begeistert

"Das ist ein historischer Tag. Damit wird für unsere ländliche, strukturschwache Region ein Traum wahr", zeigte sich Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) begeistert. Was Kronach selbst betrifft, so wünscht er sich einen Campus mit verschiedenen Studiengängen: "Das wäre ein Segen für die Stadt und die Region." Jetzt gehe es darum, auszuloten, wo, was, wie entstehen kann. "Wir stehen bereit."

Der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) sicherte zu, sich bei Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) für die Bereitstellung von Fördermitteln einzusetzen. Die Entscheidung sei ein Entwicklungsschub für die Region. "Hochschulen sind ein wichtiges Bindeglied zwischen angewandter Wissenschaft und heimischen Unternehmen."
Dies betont auch Hans Rebhan, der in München dabei war. Der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kronach sagt: "Heute erreichen wir ein wichtiges Zwischenziel für unsere Heimat. Es ist eine Antwort auf den demografischen Wandel."

"Wir werden von dieser Entscheidung profitieren", sagt Parag Shah, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dr. Schneider Unternehmensgruppe: "Das Hochschulangebot trägt dazu bei, junge Menschen in der Region zu halten. Wir wir werden einen direkten Zugang zu Forschung und Entwicklung haben."


Weitere Reaktionen der Kronacher Wirtschaft und Gesellschaft

Nikolaus Wiegand, Geschäftsführer Wiegand-Glas: "Die Entscheidung des Kabinetts bewerte ich äußerst positiv. Es ist eine sehr weise Entscheidung, denn sie wird den Landkreis Kronach als ländlichen Raum stärken und der Zielsetzung der Staatsregierung gerecht, gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern zu schaffen. Bei einer Hochschule für angewandte Wissenschaften als Nukleus ist es sehr gut, dass es gelingen wird, die Fachkräftesituation in der Region zu verbessern und Unternehmensneugründungen durch Hochschulabsolventen in der Region zu fördern. Ich bin sehr froh, dass sich Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner und der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder mit dieser Entscheidung für die Stärkung unserer Region einsetzen."

Rainer Kober, Geschäftsführer Kober Porzellan: "Ich finde die Entscheidung des Kabinetts mit dem Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder unglaublich ermutigend, denn sie fördert die Schaffung von gleichwertigen Lebensbedingungen im ländlichen Raum. Als Regionalentwickler betrachte ich die Ansiedlung einer Hochschule als unglaublich erfolgversprechendes Projekt, da junge Menschen in die Region kommen und Zuversicht sowie Gestaltungs- und Lebensfreude mitbringen. Die Hochschule ist ein unbezahlbarer Beitrag, um der negativen demographischen Entwicklung entgegen zu wirken, denn sie wird es fördern, dass junge Menschen die Region kennen lernen, die Vorzüge der Region erleben und bleiben."

Herbert Müller, Geschäftsführer MÜLLER ARCHITEKTEN: "Ich finde es phantastisch, dass das Kabinett diese Entscheidung für Kronach getroffen hat. Sie ist notwendig, um der demographischen Entwicklung zu begegnen. Sie ist notwendig, damit junge Menschen nicht mehr weggehen, sondern im Landkreis Kronach ihre Zukunft sehen. Die Entscheidung wird dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu bewältigen. Selbst wenn keine Architekten an der Hochschule ausgebildet werden, wird sie die gesamte Region als Wohn- und Lebensort attraktiver machen und es werden Arbeitsplätze, zum Beispiel für Lebenspartnerinnen und - partner, entstehen."

Bernd Ehrhardt, Dienstleister und Inhaber Reha Kronach: "Ich bewerte es sehr positiv, wenn ein weiteres Hochschulangebot in Kronach entsteht. Die demographische Entwicklung wird abgefedert und es wird genau hinzukommen, was in Kronach fehlt - und das ist der Zuzug von jungen Menschen. Die Wohn- und Lebensqualität in der gesamten Region wird aufgewertet, was sich sehr positiv auf die Fachkräftesituation auswirken wird."

Bernd Hörauf, Geschäftsführer Gerresheimer Tettau: "Die Entscheidung beurteile ich äußerst positiv, denn durch weitere Hochschulangebote wird eine Lücke im Bildungsangebot geschlossen. Die Zukunftsfähigkeit einer Region hängt vor allem von der Qualität der vorhandenen Infrastruktur ab. Der Fachkräftebedarf 4.0 ist auch in unserer Region bereits vorhanden. Daher werden wir als Ergänzung des Bildungsangebots weitere Hochschulangebote brauchen. Außerdem kann eine Hochschule - je nach Ausgestaltung des Studienangebots - eine enge und sinnvolle Vernetzung in der Wirtschaft fördern."

Eva Vetter, Gesellschafterin Autohaus Vetter und stellvertretende Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren: "Für den Handel ist es von besonderer Wichtigkeit, dass mit weiteren Hochschulangeboten eine Belebung der Innenstadt stattfindet. Es werden qualifizierte Arbeitsplätze entstehen und es kommen junge Menschen in die Region. Als junger und heimatverbundener Mensch freut es mich außerdem besonders, dass die jungen Schulabsolventen aus der Region zukünftig nicht mehr zwingend aus ihrer Heimat weggehen müssen, um studieren zu können."

Barbara Detsch, Inhaberin Landgasthof Detsch: "Die Kabinettsentscheidung begrüße ich sehr, denn in Hochschulstädten findet viel mehr Leben statt und eine Hochschule wertet das Image einer Region auf. Junge Menschen beleben eine Region immer und es ist wichtig, dass man ihnen den richtigen Raum bietet. Was bei uns fehlt ist das passende Bindeglied, das die Jungen in die Region bringt und in der Region hält. Ich denke, dieses Bindeglied kann eine Hochschule sein. Außerdem haben mir etliche junge Bekannte gesagt, dass sie gerne in der Heimat in Kronach studieren würden."

Carl-August Heinz, CEO und Inhaber HEINZ-GLAS GmbH & Co. KGaA: "Die Entscheidung des Kabinetts ist auf alle Fälle positiv zu sehen. Sie passt zur Wirtschaftsstruktur im Landkreis Kronach und sie kann helfen, den Fachkräftemangel zu beheben, wenn wir es schaffen, mit den neuen Hochschulangeboten junge Leute an die Region zu binden. Eine Hochschule wird die gesamte Region aufwerten und Zuzug fördern."

Rudolf Kotschenreuther, Geschäftsführer KOTSCHENREUTHER Stapler- und Systemtechnik GmbH: "Die Kabinettsentscheidung begrüße ich sehr, denn durch neue Hochschulangebote werden die Qualifizierungsmöglichkeiten in der Region sinnvoll ergänzt. Von besonderer Wichtigkeit für die Unternehmen vor Ort ist es, dass das Absolvieren eines dualen Studiums zukünftig in der Region möglich sein wird und Meisterinnen und Meister sich weiter bilden können. Die Hausaufgaben für die Region wurden gemacht. Mit neuen Hochschulangeboten können junge Leute in der Region gehalten werden und Perspektiven eröffnet werden. Es ist ein Meilenstein für Kronach und ich danke dem Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder und unserem Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner sehr für ihr Engagement für die Region."

Markus Wich, 2. Vorsitzender Waldbesitzervereinigung Kronach-Rothenkirchen: "Neue Hochschulangebote werden unsere Region voranbringen. Deshalb freue mich sehr über die heutige Kabinettsentscheidung und ich danke dem Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder sowie dem gesamten Kabinett und natürlich unserem Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner. Hochschulen sind Keimzellen von Wissen, Forschung und Entwicklung, sie fördern innovative Leistungen und ökonomisches Wachstum. Die regionale Wirtschaft wird von neuen Hochschulangeboten vor Ort profitieren, darunter auch die Wald- und Forstwirtschaft. Zudem wird die Region für junge Menschen entscheidend attraktiver werden."

Klaus Müller-Gei, Geschäftsführer Müller-Gei GmbH & Co. KG: "Jede Ausweitung von Hochschulangeboten ist gut für die Region. Mit weiteren Hochschulangeboten wird jungen Menschen die Chance gegeben in der Heimat zu bleiben und vor Ort einen Beruf mit Zukunft zu studieren. Außerdem wird die Region interessanter für junge Leute von außerhalb."