Das Christkind wurde gerade geboren und liegt friedlich in seinem Strohbettchen. Maria und Josef stehen andächtig dabei. Im Stall tummeln sich Ochs und Esel. Daneben türmt sich ein großer orientalischer Palast auf. Er hat eine leuchtende Kuppel und zwei Engel stehen auf seinen Dächern. Dazu ein Turm der Basilius-Kathedrale in Moskau. Passt nicht? Für Karl-Heinz Bosch schon. In seiner zwei Meter langen Weihnachtskrippe hat nicht nur die Geburtsszene Platz.

Drei Männer haben sich um ein Lagerfeuer versammelt und spielen Flöte, ein anderer schläft neben seiner Kuh. Viele Schafe tummeln sich um den Stall, in dem Jesus liegt. Eines davon lammt. Alles was ihm so in den Sinn gekommen ist, hat Bosch in seiner Krippe dazugestellt und gebaut, seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Angefangen habe alles mit der klassischen Stallszene, sagt er. 2002 hat er sie auf dem Weihnachtsmarkt in Kronach entdeckt, geschnitzt von Martin Frank, ein Holzschnitzer aus Franzensbad in Tschechien.

Seitdem sind um die 50 Figuren dazu gekommen. Die meisten stammen von Frank. Doch Bosch hat sich auch selbst ausgetobt. Eine Straße habe er aus Fließen herausgesägt. Sie schlängelt sich vom Ziehbrunnen bis zum Palast. Letzteren habe er auch selbst erschaffen. Die Anleitung aus dem Internet geholt, das Holz aus dem Baumarkt. Dann alles ausgesägt und zusammengeklebt. "Die Steine an der Außenwand waren eine unheimliche Arbeit", erzählt er. Etwa anderthalb Monate hat der Bau gedauert. Bemalt hat er allerdings nichts: "Wenn sie bemalt sind, geht das Natürliche verloren. Der Holzcharakter soll bleiben", sagt er.

Im Palast gibt es drei Wohnzimmer - ausgestattet mit echten Tapeten. Die schwarze Tapete soll eine Marmorwand darstellen, erklärt Bosch. In einem brennt ein Kamin. Plötzlich geht im Raum das Licht an. Er hat seine Krippe nämlich auch mit Strom ausgestattet. Unter der zwei mal einen Meter großen Platte hat er seine Schaltzentrale. Jeder Knopf ist beschriftet. Das Herz bildet ein Trafo von einer Spielzeugeisenbahn.


Mitbringsel aus Moskau

Bosch lächelt wenn er seine Figuren vorsichtig in die Hand nimmt. Hinter manchen steckt auch eine kleine Geschichte. So stammen die gläsernen Schäfchen aus einer Glashütte in Moskau. Er war dort mal auf Montage. Dazu habe er drei Türme von der Basilius-Kathetrale als Gastgeschenk bekommen. Aber zwei von ihnen haben den Rückflug nicht überstanden. Der dritte steht nun auf dem Palast.

"Krippen haben mich schon immer fasziniert", sagt der 74-Jährige. Schon im Kindesalter, als er noch Ministrant war. Heute sind sie zu seinem Hobby geworden. Ein zeitintensives, wie er sagt. Zwei Tage brauche er, um die Krippe aufzubauen. Deshalb möchte er sie auch nicht unbedingt öffentlich ausstellen. Zumal er fürchte, etwas könnte dabei abhanden kommen. Wer sein Werk sehen möchte, der sei ihm aber immer willkommen, sagt er.
Von Anfang November bis kurz nach Dreikönig lässt er seine Weihnachtskrippe stehen. Die drei Weisen aus dem Morgenland liegen übrigens noch in ihrer Schachtel. "Die kommen erst kurz vor Dreikönig dazu", erklärt Bosch.