Ist ein möglicher Nationalpark Frankenwald ein Risiko oder eine Chance für den Kreis Kronach? Darum ging es am Samstag bei einer JU-Veranstaltung für junge Leute aus dem Landkreis und für die Vertreter der Jugendorganisationen. Das Treffen fand im Businesshotel Rebhan in Neukenroth statt. Die Anwesenheit vieler junger Menschen zeigte, dass ein möglicher Nationalpark auch für ihre Generation ein wichtiges Thema ist.

Es entwickelte sich eine Zusammenkunft, bei der drei Stunden lang sachlich, korrekt und ohne Beleidigungen diskutiert wurde. MdL Jürgen Baumgärtner (CSU), der den Frankenwald als möglichen dritten Nationalpark in Bayern bei der Staatsregierung ins Spiel gebracht hatte, meinte, er wäre ein schlechter Abgeordneter, wenn er das Angebot nicht prüfen würde. Er erklärte, dass er für die endgültige Entscheidung einen Bürgerentscheid anstrebt.


Aufruf an die Bürger

Baumgärtner forderte die Interessengruppen und auch die Bürger auf, sich im Dialog mit einzubringen. Er sprach von einer Herausforderung, die unterschiedlichen Anschauungen zusammenführen. Einen Nationalpark, so Baumgärtner, werde es gegen den Willen der Bürger nicht geben. Aber er stellte klar: "Einfach nein zu sagen, ist nicht zielführend!"

Der Abgeordnete stellte seine Sicht dar. Er wies auf die negative Bevölkerungsentwicklung hin. Durch den Nationalpark würden hochwertige Arbeitsplätze, beispielsweise für Biologen und Chemiker, entstehen. Die Gastronomie würde hinsichtlich der erwarteten Besucher - rund 250 000 pro Jahr - gestärkt werden. "Wenn wir Zahlen wie vor der Grenzöffnung erreichen würden, wäre es gut", meinte er.

Er gab zu verstehen, dass touristische Attraktionen wie ein Baumwipfelpfad etc. natürlich auch ohne Nationalpark möglich wären. "Aber wie sollen diese finanziert werden?", fragte er. Bezüglich der Fördermittel sprach er von rund 50 Millionen Euro bei einem Nationalpark. Beim Naturpark lägen diese bei einer Million Euro. Außerdem: 95 Prozent der Flächen würden nicht verändert werden.

Anwesend war auch der Forstbetriebsleiter von Rothenkirchen, Peter Hagemann. "Ich bin kein Nationalpark-Experte", stellte er fest. Aber er erinnerte an die Auszeichnung des Frankenwaldes als "Waldgebiet des Jahres". Diese kam seinen Worten nach unter anderem wegen des vorhandenen Boden-, Wasser- und Naturschutzes zu Stande. Außerdem wurde das Holz als Rohstofflieferant anerkannt. Wegen der bevorstehenden Klimaveränderung und auch wegen der Borkenkäfer-Plage gehe es nun darum, den vorhandenen Nadelwald sukzessive zum Mischwald mit Buchen und Tannen umzuwandeln. "Es ist ein langwieriger Prozess", erklärte Hagemann.


Was wird aus dem Privatwald?

Für den Vorsitzenden der Waldbesitzervereinigung Kronach-Rothenkirchen, Georg Konrad, stand die Frage im Raum, wie sich denn ein Nationalpark auf den angrenzenden Privatwald auswirken würde. Wie werden die Privatwaldbesitzer auf veränderte Bedingungen reagieren müssen? Für ihn steht fest, dass es Fehler, wie im Bayerischen Wald passiert, im Falle eines möglichen Nationalparks Frankenwald nicht geben darf. "Die Gefahren dürfen nicht unterschätzt werden, die Ängste der Menschen müssen ernst genommen werden", so Konrad. Und er forderte: "Landwirtschaft, Forst und Waldbesitzer müssen ein besonderes Mitspracherecht haben!"

Claudia Limmer, die in der Landwirtschaft aufgewachsen ist und mit ihrer Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, gab zu Bedenken, dass es schon jetzt schwierig sei, in der Gastronomie Mitarbeiter zu finden. Außerdem würden meistens nur 450-Euro-Jobs angeboten. Sie kritisierte, dass ihr Berufsstand teilweise in ein schlechtes Licht gerückt und mit Profitgier in Zusammenhang gebracht werde. "Wenn Tourismus im Frankenwald funktionieren soll, dann wird man die Landwirte dazu brauchen!", betonte sie. Und sie meinte: "Es ist manchmal besser, auf einem Weg umzukehren!"

Kreisbäuerin Rosa Zehnter nannte die Landwirtschaft mit 200 Vollerwerbsbetrieben einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor, zumal damit auch indirekte Arbeitsplätze verbunden seien.


Fragen aus der Runde

Bei der Veranstaltung wurden zahlreiche Fragen gestellt. Ist das Trinkwasser in der Ködeltalsperre gefährdet? Ist der Frankenwald nur im Gespräch, weil es anderswo Probleme gibt? Wenn die erforderlichen 10 000 Hektar für einen Nationalpark nicht erreicht werden, weil beispielsweise das angrenzende Thüringen (hier soll ein Bereich laut erstem Entwurf mit einbezogen werden) nicht einsteigt, wäre das Projekt dann gescheitert? Wie wird die fehlende Wirtschaftsleistung ausgeglichen? Etwa indem Holz aus Gebieten, in denen keine nachhaltige Waldpflege praktiziert wird, zugekauft wird? Jürgen Baumgärtner stellte klar, dass die Qualität des Trinkwassers nicht gefährdet werden dürfe. Auch ohne die Zustimmung von Thüringen käme ein Nationalpark zu Stande. Er sprach von der Entwicklung eines "maßgeschneiderten Nationalparks", indem auch die Jagd möglich wäre.

Georg Konrad sprach von einer informativen Fahrt am Freitag in den Bayerischen Wald und von einer dortigen Zusammenkunft mit den unterschiedlichsten Interessenvertretern. Konrad riet den jungen Menschen, ebenfalls so eine Fahrt zu organisieren.

Was das Zeitfenster für eine Entscheidung der Region betrifft, so sei noch keines festgelegt, hieß es in der Veranstaltung. In der Zeit vom 26. bis 30. Juli wird zunächst einmal ein Ministerratsbeschluss über einen dritten Nationalpark in Bayern entscheiden. Die Gebiete werden dann identifiziert. Im Gespräch sind der Spessart, die Rhön, die Donauauen und der Frankenwald. Im Landkreis Kronach sollen sich die Fraktionsvorsitzenden der Parteien demnächst im Kreistag positionieren. Bisher, so Baumgärtner, habe noch keine Partei fest Stellung bezogen. Die Bürger und Interessengruppen seien gefordert, ihre Ideen mit einzubringen. Baumgärtner wies auch entschieden die Gerüchte von sich, wonach eine "große Entscheidung" Mitte Juli folgen soll. "Das ist Quatsch. Die Dialogphase ist dann beendet, wenn wir es wollen."