Hans Rebhans Finger pocht auf die Lehne des Stuhls. Der Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzende des IHK-Gremiums Kronach sieht den Landkreis längst nicht so schlecht aufgestellt, wie es das jüngste Prognos-Gutachten darstellt. Er pocht aber auch darauf, dass die Rahmenbedingungen für die Region verbessert werden müssen. Dem pflichtet sein Begleiter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm, beim Redaktionsgespräch in den Räumen des Fränkischen Tags bei.

Dreimal pro Jahr führt die IHK für Oberfranken eine Umfrage durch. Bei der jüngsten Erhebung erreicht der Konjunkturklima-Index in Kronach - er bezieht die Ist-Situation aus der Sicht der Unternehmen und die perspektivische Einschätzung der Geschäftslage ein - einen Wert von 117. Alles über 100 sei gut, erklärt Brehm. Und Kronach liegt damit nur vier Punkte unter dem oberfränkischen Wert.
Während die aktuelle Lage in Kronach sogar besser eingeschätzt wird als auf Bezirksebene, sind die Frankenwälder bei der "erwarteten Geschäftslage" allerdings deutlich vorsichtiger.


Wirtschaft braucht Klarheit

Obwohl der Brexit für die Umfrage noch keine Rolle gespielt habe, bremsten noch nicht gelöste Herausforderungen wie die Energieversorgung für die Glasindustrie am Rennsteig und rückläufige Auslandsgeschäfte derzeit die Euphorie, erklärt Brehm. "Die Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Und da ist Unsicherheit grausam", stellt Brehm klar, dass es auch hinsichtlich der britischen Politik schnell Klarheit brauche. Mindestens 20 Unternehmen in der Region hätten unmittelbare Handelsbeziehungen zur Insel.

Die beiden IHK-Vertreter zeigen aber auch Kronacher Trümpfe auf: die niedrige Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent und die oberfränkische Spitzenposition bei den Ausbildungsverträgen. Darauf will sich die IHK jedoch nicht ausruhen, sondern weiter kräftig mit an den Stellschrauben drehen.


Einen wichtigen Schritt geschafft

Im Bereich Innovation sei mit Innovationszentrum, Studiengang und Innovationscampus ein großer Wurf gelungen, stellt Rebhan fest. "Wir werden von anderen Landkreisen beäugt. Sie fragen uns, wie sie partizipieren können." In einem weiteren Punkt sieht Rebhan die Region auch auf den Weg gebracht, doch noch nicht am Ziel angekommen: die Verkehrsinfrastruktur. Besonders der bevorstehende Ausbau der B 173 sei von Bedeutung. Auch bei der Tunnellösung für Küps will die IHK am Ball bleiben. "Es wäre ein Treppenwitz, wenn man das nicht macht", meint Brehm. Dennoch wird man die Gedanken weiter kreisen lassen, um auch für den Fall einer Ablehnung gerüstet zu sein.

Einer Verbesserung der Straßen darf nach Rebhans Auffassung keine Verschlechterung der Bahnverbindungen gegenüberstehen. Die Wirtschaft und die Politik müssten sich daher dagegen stemmen, dass "bis 2023 nur Güterzüge durch den Landkreis düsen". Außerdem müsse die Region dem Fachkräftemangel (Brehm: "Wir sind schon im Engpass drin - und die Verschärfung steht vor der Tür") auch bei den weichen Standortfaktoren begegnen. So etwa beim Breitband-Ausbau. Dann könne der ländliche Raum eine echte Alternative zur Großstadt sein.