Mit den "Bayerischen Defiliermarsch" begann der Bigband-Auftritt etwas ungewöhnlich. Die Macher um Marco Plitzner wollten damit auf die Geburtszeit von Hugo Strasser hinweisen, als der Swing noch kein Begriff in der Musikszene war. Ein älterer Mann aus der zweiten Reihe im fast vollbesetzten Kulturraum meinte nach dem perfekt inszenierten Stück: "Des wor noch Musik".

Mit zwei Titeln von Benny Goodman leitete die Bigband den Abend ein. Frenetisch wurde Hugo Strasser, der Star des Abends, mit seiner goldenen Klarinette beim letzten Auftritt seiner Geburtstagstournee empfangen. Eine seiner Lieblingsmelodien - "Stardust" von Hogay Carmichel - wurde vom Publikum ebenso gefeiert wie der Swing "Honeysuckle Rose" von Fats Waller. Seinem Freund und Kollegen Paulchen Kuhn widmete er den wunderschönen Titel "Misty" von Errol Garner. Nichts zu merken war dabei von seinen "kleinen Blessuren", die er in seinen lustigen Anekdoten aus der Vergangenheit ankündigte. Vielmehr zeigte sich der Gast aus München mit seinen 90 Jahren frisch wie eh und je.

Während er sich seiner verdienten Pause widmete ging es mit dem Orchestra jazzend weiter. Weihnachtlich wurde es beim internationalen Standardsong "Let It Snow" von Sammy Cahn und dem Deutschen Volkslied "Leise rieselt der Schnee", das vom Leiter der Bigband Marco Plitzner arrangiert wurde. Uli Böhm spielte auf der Trompete "Christmas Night In Harlem" von Louis Armstrong. Weitere neue Arrangements des Orchesterleiters folgten im ersten Teil.


Die wahre Klasse

Im zweiten Teil zeigten die Orchestermusiker ihre wahre Klasse. Der großen "Nachfrage" nach dem von Uli Böhm bearbeiteten "Kling Glöckchen Swing" folgte das Blue Moon Orchestra. Nicht fehlen durfte auch der Titel "Manhattan Jive", der vor einigen Jahren Marco Pfitzner und Hugo Strasser zusammenführte. Die Jazzlegende Hugo Strasser erntete für seine Stücke kräftigen Beifall. Einen Leckerbissen bot der 90-Jährige mit "Creole Love Call", einem Solostück für drei Klarinetten. Dabei verwöhnte er zusammen mit Marco Plitzner und dessen Frau Ninette Soyez-Plitzner das Publikum. Noch bevor sich der Star mit den Worten: "Der alte Hugo muss ins Bett" verabschiedete, spielte er "Petit Fleur" als Zugabe. Der Hit stammt aus der eigenen Feder von Hugo Strasser.

In den Evergreens "Jingle Bells", Everybody Love Somebody", "Der verliebte Jazztrompeter", "All Of Me" und der "Moonlight Serenade”, stellten alle Solisten ihr musikalisches Können unter Beweis.