Seit fast 60 Jahren arbeitet der 72-jährige Roman Manevic als Bildhauer. Große Skulpturen, gar Monumente, hat er früher angefertigt, doch heute darf es eine Nummer kleiner sein. Vor dem Rathaus in Weißenbrunn hämmert er gerade an einem Holzstamm herum. Eiche, die sei ideal, nicht wie Linde, "die ist wie Watte", sagt Manevic und klopft mit seinem Bildhauereisen wieder einen Holzspan vom Stamm. Von Stunde zu Stunde gleicht der mehr einer nackten Frau, immer unter dem liebevollen und gleichermaßen gestrengen Blick von Manevics Frau Rosa. "Das mit den Lippen hast du gut gemacht", sagt sie zum Künstler. Gestern waren die ihr noch "zu seriös". Aber schon ein, zwei Minuten Arbeit, könnten den Gesichtsausdruck der Skulptur verändern. Man müsse Geduld haben, bis des Lächeln, Busen und Haare passen - schnell gehe das nicht. "Junge Leute haben keine Zeit, sagt der Mann mit dem schlohweißen Vollbart und lacht.

Jörg Bäßler, der in Wallenfels arbeitet, darf sich getrost angesprochen fühlen. Seit einer Woche arbeitet er bei der Holzart, übrigens bereits das dritte Mal, und hat schon eine Skulptur, einen Flößer, fertig. "Ich bin ein bisschen flott unterwegs", sagt der Mann aus dem Erzgebirge. Er macht sich Gedanken, wie seine Arbeit aussehen soll, schaut sich dann den Baumstamm an und legt los, "ohne groß anzuzeichnen". Jeder Bildhauer habe so sein Handwerkszeug; seines sei eben die Kettensäge, weswegen es auch so schnell bei ihm gehe. Die Holz-Art gefalle ihm, überhaupt, dass er viel unterwegs ist, erst neulich in Japan.

Ein japanischer Franke
Das ist die Heimat von Kunihiko Kato. Doch das ist schon fast nicht mehr wahr, weil er schon seit 30 Jahren in Fürth lebt. Holz-Art-Organisator Ingo Cesaro habe ihn schon oft in den Landkreis Kronach eingeladen, er sei aber immer schon ausgebucht gewesen. "Dieses Jahr hat es endlich geklappt". In Hummendorf bei Koi Kraus werkelt er an seiner Skulptur, die er "Lebewesen" nennt - ein Zwitter, der von Flora und Fauna gleichermaßen beeinflusst wurde. Die Arbeit gehe gut voran, sagt Kato. Stein, den er für gewöhnlich im Sommer bearbeitet, sei da hartnäckiger.

In Marktrodach, im Garten der Firma Weiß Systeme, ist Detlef Backhaus noch am Gestell für seine Installation zugange. In diesem Rahmen werden Holztrommeln gespannt, darauf kommen Haikus von Ingos Cesaro, die der Betrachter dann drehen kann. Wie Gebetsmühlen.

Der Hitze trotzen
Eine kleine Mittagspause bei der Hitze hat sich Susanna Giese aus Stuttgart verdient. Täglich arbeitet sie acht bis zehn Stunden an ihrer Stele neben dem Kronacher Landratsamt. "Bei einer Stele liegt das Hauptaugenmerk auf dem Gesicht der Skulptur", verrät die freischaffende Bildhauerin. Besonders diese Figuren haben ihr es angetan, denn sie liebt es, wenn das Gesicht in der Kunst betont wird. "Am Ende werde ich das Holz einbrennen, so bekommt es ein Antikes Aussehen." Momentan hämmert und meiselt sie am Gesicht, der Körper "liegt noch da", sie deutet auf einen etwa einen Meter langen Baumstamm, der sich auf dem Boden befindet. "Der ist nächste Woche dran."

Als die Stuttgarterin die Einladung zur Holz-Art erhalten hat, sagte sie zu, denn "Ich war noch nie bei diesem Projekt dabei." Es ist aber ganz schön anstrengend, bei den Sommertemperaturen einer körperlich anstrengenden Arbeit nachzugehen. "Ich hab ja nicht gerade eine Figur wie ein Baum", schmunzelt die Künstlerin - das stimmt, denn rein optisch könnte sie auch Baletttänzerin sein, hat sie doch einen sehr feinen, filigranen Körperbau mit Wespentaille. Doch das tut ihrem Geschick und ihren Fähigkeiten keinen Abbruch. Am Ende steht wird ihr Stück zum Verkauf stehen.

Debüt bei der Holz-Art
Dass Josef Schiffmann aus Tirol, genauer gesagt aus der Nähe von Innsbruck kommt, hört man schon beim ersten "Hallo". In Steinwiesen werkelt er seit einer Woche an einem weiblichen Akt. Er zeigt eine kleine Figur: "Das ist mein Model, so wird die große Figur, an der ich gerade arbeite, aussehen." Dass er auf dieses Motiv gekommen ist, ist reiner Zufall. "Eines Abends saß ich am Tisch und zeichnete vor mich hin. Dann ist das dabei herausgekommen", sagt der sympathische Österreicher mit einem Schmunzeln. Er ist zum ersten Mal bei der Holz-Art dabei. Das Projekt sieht er als willkommene Abwechslung zum tristen arbeiten alleine in der Werkstatt.

Für seine Skulptur verwendet er Lärchenholz. "Es ist ideal für draußen, da es sehr witterungsbeständig ist." Auf Grund der Härte ist dieses Holz zwar schwieriger zu bearbeiten, aber Dank der Motorsäge "klappt es gut". Außerdem benötigt er noch Schnitzeisen und einen Knüppel sowie Winkelschneider für sein Handwerk.

An der Kreuzung entsteht eine Kreuzung
Jul Ulsamer scheint unermüdlich. Der Hofer fährt jden Tag von Selbitz nach Küps, um an der Holz-Art teilzunehmen. Eigentlich sei er nur für jemanden kurzfristig eingesprungen, erklärt er. Er war bereits viermal dabei. "Da ich recht kurzfristig beschlossen hatte, mitzumachen, hatte ich noch kein Thema. Ich habe mir erst am Dienstag etwas überlegt", verrät er. Für das, dass er so wenig Bedenkzeit hatte, ist die Idee für seine Skulptur richtig gut. "Ich nenne sie Kreuzung, weil wir hier ja auch an einer Kreuzung sind. Am Sockel arbeite ich die Passanten ins Holz."

Sein Kunstwerk ist aus Eichenholz, sehr gut für draußen geeignet. "Der einzige Nachteil ist, dass ich meine Ketten der Motorsäge öfter schleifen muss, weil die Eiche so hart ist", stellt Jul fest.

In Mitwitz lässt es sich aushalten. Im schattigen Schlosspark vor herrlicher Kulisse, dürfte die Inspiration für Urban Stark perfekt sein. Der Belgier wirkt auch dementsprechend entspannt. Er hämmert und meiselt an einer Letterskulptur. "C -I-T-R-O-N" kann man lesen. Das französische Wort für "Zitrone", dabei ziert ein Apfel die Spitze der Skulptur. "Ich arbeite gerne mit Anspielungen. Der Betrachter soll einfach darüber nachdenken, was ich damit meine", erklärt er. Zufälligerweise ist der Stamm aus Kirschschbaumholz. "Wie passend", lacht der Künstler. Apfel, Zitrone und Kirsche - ein halber Obstsalat.

Der letzte Schliff
Am Verwaltungsgebäude des Forstbetriebes Nordhalben ist Alina Illgen aus Odenburg (Niedersachsen) tätig. Die 25-jährige Künstlerin ist erstmals beim Projekt von Ingo Cesaro dabei und fertig aus Eichenholz einen Walnusskern. "Das abgelagerte Eichenholz lässt sich gut bearbeiten, deshalb bin ich auch gut in der zeitlichen Vorgabe", sagte die Künstlerin. Grob wurde der Stammabschnitt mit der Motorsäge vorbearbeitet und erhält jetzt händisch noch den letzten Schliff. "Bis zur Ergebnisausstellung am kommenden Sonntag ist das Kunstwerk auf alle Fälle fertig", zeigt sich die junge Künstlerin optimistisch.