Angefangen hat alles vor einigen Jahren, als Roland Zapfe im Internet auf den Bauplan eines raffinierten Vogelhauses stößt, dass er kurzerhand nachbaut. Der Plan stammt von einem Schreiner aus Oberbayern. "Und das hat mich dann so begeistert, dass ich gesagt, ich fahre im Urlaub dahin und besuche den Mann", erinnert sich Zapfe. Seitdem hat den Rentner aus Ruppen die Faszination für handgemachte Vogel- und Zierhäuser nicht mehr losgelassen. "In ganz Oberbayern bin ich herumgefahren und habe jedes Bauernhaus mit dem Fotoapparat geknipst, wo ich gedacht habe: Das ist schön, das könnte ich nachbauen ", schwärmt der 70-Jährige.


Holzarbeit ist seine Leidenschaft

Acht detailgetreue Miniaturhäuser aus Holz hat er bereits in seiner Garage gefertigt. Die Häuschen, die rund 60 Zentimeter breit, 70 lang und 40 hoch sind, tragen Namen wie "Landhausvilla", "Terrassen-" oder "Gartenhaus".
Eigentlich wollte er immer Zimmermann werden. "Arbeiten mit Holz mache ich schon seit meiner Kindheit. Mein Vater war Zimmermann und hat unsere Möbel selbst gebaut. Da haben wir als Kinder schon immer mitgeholfen", erläutert Zapfe. Weil die Baywa aber genau gegenüber vom Elternhaus war, wurde er dort Landmaschinenmeister.

Trotzdem hat er nebenher für den eigenen Haushalt regelmäßig Tischchen, Hocker und Schränke gebaut. Zwar mit einfachen Mitteln, erzählt er, aber hobbymäßig schreinert und zimmert er immer noch gerne. Doch die Vogelhäuser haben es ihm besonders angetan. "Das erste Häuschen hat mir dann nicht ausgereicht", so Zapfe. Daraufhin ist die "Luxusvilla" entstanden, die vorne in seinem Garten in Ruppen steht. Drei Monate hat er an diesem Musterhaus gewerkelt. Damit könnten die Besucher sehen, was alles mit Holz möglich sei. Die zweistöckige Zierhaus-Villa hat feingearbeitete Gelände und sogar kleine Blumenkästen.


Teile sind einzeln zugeschnitten

Der Ausgangsmaterial für seine Kunstwerke ist Lärchenholz. In seiner Garage stehen Tisch-Kreissäge und Holzwerkzeuge bereit. "Am besten muss das Holz astrein sein. Aus Bohlen oder dicken Brettern schneide ich dann die Teile heraus", erläutert der 70-Jährige. Jedes Einzelteil - alle Bretter, Leisten, Bänke, Zäune oder Dachgiebel - sind handgefertigt. Für das "Gartenhaus" hat er beispielsweise 1000 Schindeln auf dem Miniaturdach angebracht. Im Schnitt verbringt Roland Zapfe rund 80 Arbeitsstunden in seiner Garage, bis ein Vogelhaus aus fertig ist.

Seine Liebe zum Detail wird auch an den Windfängen und Dachrinnen deutlich, die typisch für bayerische Bauernhäuser sind. "Bei den Dachrinnen gibt es dann beispielsweise den Schweins-, den Widder- oder den Elchkopf", erläutert der Hobby-Schreiner und zeigt eine Palette seiner Kreationen. Zwei seiner Häuschen haben bereits neue Besitzer gefunden. Eines, das er verkauft hat, steht jetzt in Leipzig. Ein anderes Zierhaus steht vor einem Büro beim Sägewerk Förtsch in Höfles. Seine Tochter habe sich auch schon eines herausgesucht, sie bekommt das "Gartenhaus" von ihrem Vater. "Natürlich das schönste", scherzt der 70-Jährige.


Besucher bewundern die Werke

"Wenn jemand eines möchte, mache ich die auch auf Bestellung, so wie man es haben will." Für niedrige dreistellige Beträge verkauft Zapfe seine Holzhäusschen. "Also reich wird man nicht davon", so der Rentner. Doch das sei dem Hobby-Schreiner nicht wichtig.

"Im Sommer kommen auch viele vorbei und schauen sich die Häuser an", freut sich Roland Zapfe. Das nächste Projekt ist zurzeit noch nicht geplant, aber die acht Vogelhäuser werden sicherlich nicht seine letzen sein.