Auf der Kronacher Festung Rosenberg kann man auch bei einem wiederholten Besuch Neues entdecken. An manche Stellen kommen nur die Insider. Oder die Besucher der Faust-Festspiele. Vom Platz, wo einst die legendäre Schwedenlinde stand, hat man einen herrlichen Rundumblick.

Meine Blicke streifen über die Festungsanlage. "Von diesem Blickwinkel habe ich die Festung noch nie gesehen" fällt mir auf. Denn wenn nicht gerade die Faustfestspiele ihre Tore öffnen, bleiben diese nämlich zu und man hat keine Möglichkeit auch nur einen kleinen Blick aus diesem Winkel auf die Anlage zu werfen. Da gibt's kein Drehen und Wenden.

Ein Mauerabriss?


Ich lasse weiterhin meine Blicke wandern. Doch - ich halte Inne "was ist das"? Mein Augen bleiben stocken und kleben regelrecht an einer Stelle der Festung, wie sie mir so noch nie aufgefallen ist.
"Sieht nach einem Mauerabriss aus, oder so ähnlich" grüble ich, als ich ein Stück Mauer sehe, das am Ende ausgefranste Kanten aufweist. Ich krame in meinem Gedächtnis, ob ich von dieser vermeintlichen Abrissstelle schon mal etwas gelesen oder gehört habe. Doch es will mir nichts einfallen. Fürs erste muss ich mich damit wohl zufrieden geben. Gedankenversunken passiere ich den Eingang zu den Festspielen.

Boden aufgeschüttet


Gleich nach Vorstellungsende klettere ich auf die gegenüberliegende Terrasse um mir das ganze von der Nähe aus anzuschauen. Da entdecke ich zwei Rundbogen im Gebäude dessen Außenwände so ausgefranste sind. "Der kleinere davon könnte eine alte Ofenstelle sein?" spekuliere ich, als der Möchtegern-Historiker in mir erwacht. "Und der größere, der den kleinen umgibt, vielleicht ein ehemaliger Durchgang?", meine Atmung wird schneller. Ich möchte unbedingt diesem "Geheimnis" auf die Spur kommen. Und so beginnt meine Recherche. Ich telefoniere herum, um mich zu informieren, werde jedoch auf den nächsten Tag vertröstet. Aber in einem war ich mir sicher: Ich werde interessante Neuigkeiten erfahren!

Es wäre übertrieben zu sagen, dass ich am darauf folgenden Morgen, als das Telefon klingelte, bereits mit Stift und Block in Startposition saß. Aber so ähnlich. Denn endlich sollte ich also meine ersehnte Antwort bekommen: An eben dem Teil der Festung stand vor langer Zeit ein weiteres "Haus". Es schloss sich an dieser Stelle an, wo heute die Terrasse ist. Heute hat man den Boden aufgeschüttet.

Deshalb lag es nahe, dass ich beim Anblick des kleinen Bogens in der Mauer auf eine Feuerstelle tippte - die jedoch keine war, sondern der obere Teil eines Toreingangs, oder einer Tür, die jetzt nur noch teilweise zu sehen ist. Auch der Treppenturm stand damals zu Zeiten des "Hauses" noch nicht.

Ausgefranste Außenmauern


Doch warum sind die Außenmauern so ausgefranst? Auch auf diese Frage sollte ich eine Antwort erhalten: An dieser Stelle war die Mauer mit einem Mauerturm abgeschlossen. Da immer wieder viel um- und ausgebaut wurde, musste irgendwann der Mauerturm einem Umbau weichen und wurde abgerissen. Was übrig bleibt, sind die fransigen Kanten des jahrhundertealten Gebäudes, die noch die Existenz des Turms erahnen lassen.