Noch nie mussten sich Bademeister so viele Gedanken um Zahlen und Grenzen machen, wie im Corona-Jahr 2020. Ralf Deuerling ist anzumerken, dass man es gerne mehr Menschen ermöglichen würde, das Crana Mare zu besuchen - aber er muss alle noch so komplizierten Hygieneregeln einhalten. Beim Blick ins Crana Mare sieht der Besucher schnell, dass die unsicheren Zeiten wenig Spielraum für die Verantwortlichen bieten. Schilder weisen die Wege aus und auf die Maskenpflicht hin. Über den Freibadeingang geht es zu den Kabinen.

Bademeister Deuerling erklärt, dass die Regeln vom Staat klar formuliert sind: die Abstandsregel von 1,5 Metern - auch im Wasser. Die Zehn-Quadratmeter-Regel, die sich auf die Fläche des Hallenbads berechnet. Aber hier sieht man schon, dass sich die beiden Regeln im Weg stehen. Im Freibad gehen Menschen auch Sonnenbaden. Im Hallenbad nicht. "Jedes Hallenbad ist unterschiedlich. Es kommt auf die örtlichen Gegebenheiten an."

Zwei Bahnen: langsam und schnell

So hat auch das Team um Ralf Deuerling überlegt, wie sich der Innenbereich des Crana Mare, der seit Montag wieder geöffnet hat, öffnen und dabei nicht mit einem Überaufwand an Personal und Energie bewältigen lässt. Die Entscheidung: Erlebnisbereich und Dampfbad bleiben geschlossen. Die Fläche ist dort zu gering und die Temperatur des Dampfbads liegt unter 60 Grad Celsius, das ist staatlich verboten. Das Schwimmerbecken hingegen ist geöffnet: In zwei Bahnen in Überbreite können auf der einen Seite schnelle, auf der anderen langsame Schwimmer ihre Bahnen ziehen.

Es ist ein Abwarten der Entwicklungen, die Bademeister Deuerling beschreibt. Vielleicht wird zu den Herbstferien mehr geöffnet, vielleicht verschärft der Staat die Hygienevorschriften. Das lässt sich noch nicht absehen. Derzeit dürfen 35 Besucher gleichzeitig ins Hallenbad. Würde der Erlebnisbereich öffnen, müssten die Mitarbeiter auch die Abstände in den kleinen Becken und im weniger weitläufigen Raum außerhalb des Wassers kontrollieren.

Außerdem ist der Energieaufwand für Whirlpool und beheizte Becken enorm. Das alles, für höchstens 20 zusätzliche Besucher. Das macht nicht nur in der Kosten-Nutzen-Rechnung wenig Sinn.

Auch die anderen Hallenbad-Betreiber im Landkreis Kronach mussten Konzepte aufstellen, um alle Maßnahmen umzusetzen und gleichzeitig auf die örtlichen Begebenheiten einzugehen. Nur Teuschnitz und Ludwigsstadt können noch warten. Beide Bäder werden derzeit saniert. In Teuschnitz werden sich die Arbeiten noch bis ins neue Jahr ziehen. In Ludwigsstadt dauert es nach ersten Einschätzungen mindestens bis Mitte Oktober, bis das Hallenbad für Besucher geöffnet wird. Derzeit gebe es noch keinen festgelegten Öffnungstermin, schreibt der Geschäftsstellenleiter im Rathaus, Frank Ziener, auf Nachfrage des FT.

In Küps hilft die DLRG

Alle anderen Hallenbäder haben bereits geöffnet. In Küps erklärt der Geschäftsleiter der Marktgemeinde, Torsten Michel, dass sich die zuständigen Mitarbeiter eng mit Ralf Deuerling im Crana Mare und der DLRG in Küps abgesprochen haben, was eine große Hilfe für die Kommune gewesen sei. Die DLRG hat die Rahmenbedingungen des Freistaats optimiert und nun ähnelt sich das Konzept in Küps mit dem Kronacher quasi bis ins Detail. Besonders hebt Geschäftsleiter Michel die Arbeit des DLRG hervor. Jeden Tag führe eine Mitglied die Besucherliste am Eingang des Hallenbads. Auch das sei ein wichtiger Teil des Hygienekonzepts.

Das offizielle Hygienekonzept ist auf vier DIN-A4-Seiten ausgearbeitet. Jeder kann auf der Webseite der Marktgemeinde einen Blick hinein werfen: Es herrscht Maskenpflicht, solange der Badegast Straßenkleidung trägt. Eine langsame (Brustschwimmer) und eine schnelle Bahn (Kraulschwimmer) für jeweils maximal zwölf Schwimmer ist eingerichtet. Auf beiden Bahnen gelte Rechtsverkehr. Alle Flächen, die von Badegästen mit der Hand berührt werden, putzt das Team in kurzen Intervallen. Alles ist geregelt.

Auch, wer das Hallenbad nicht betreten darf: Menschen, die in den vergangnen 14 Tagen Kontakt zu Covid-19-Infizierten hatten, sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder Symptome "jeder Schwere aufweisen". Alle anderen dürfen maximal zwei Stunden im Bad bleiben. Die Eintrittspreise liegen bei drei Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder.

Auch das Konzept für das Erlebnisbad Steinwiesen lässt sich im Internet auf sogar fünf A4-Seiten nachlesen. In der östlichen Marktgemeinde sind auch mehr Bereiche geöffnet. Für den Saunabereich sind 20 Gäste gleichzeitig erlaubt - aber nur mit Voranmeldung, erklärt der Geschäftsleiter im Rathaus, Rainer Deuerling. Die Liegen in der Sauna werden zugewiesen. Ansonsten gelten die üblichen Abstandsregeln. Im Hauptbereich sind sogar 40 Badegäste gleichzeitig zugelassen, aber nur 20 im großen Becken. Dampfbad und Infrarotkabine bleiben geschlossen. Für den Whirlpool sind zwei Gäste erlaubt. Im Kinderbecken drei, die aber kein Spielzeug bekommen. Gereinigt werden die Berührungsflächen während der Mittagspause. Der Hausmeister, heißt es im Konzept, lüftet stündlich Sauna und Bad. Keine einfache Arbeit für das Team im Erlebnisbad.

Es sind stressige Zeiten für alle Angestellten im Hallenbad, erklärt der Steinbacher Bademeister Thomas Löffler - von der Putzfrau bis zu ihm selbst. Das Generationenbad in Steinbach am Wald ist seit 7. Juli geöffnet. Jetzt beginnt der Schwimmunterricht der Schulen und damit steigt der Druck. Maximal 25 Badegäste sind im Hallenbad erlaubt, doch nur einmal musste Bademeister Löffler den Eingang schließen. Der Zuspruch sei bisher recht verhalten gewesen, sagt er. Doch der Herbst steht erst bevor.

Auch in Steinbach sind und bleiben die Attraktionen und die Dampfbäder geschlossen. Das Schwimmerbecken ist wie in Kronach und Küps in zwei Bahnen aufgeteilt: Rechtsverkehr-Schwimmer und ein Bewegungsbecken. Am Eintrittspreis hat sich nichts verändert.