Über die aktuelle Flüchtlingssituation informierte die Gemeinde Marktrodach in der Rodachtalhalle. "Es ist was Neues, in Deutschland, im Landkreis und auch bei uns in Marktrodach", sagte Zweiter Bürgermeister Oliver Skall.

Seit vergangenem Wochenende steht die ehemalige Firma Dreefs als Notunterkunft für Flüchtlinge bereit. Viele Bürger wüssten damit nichts anzufangen. Um die vielschichtigen Ängste und Bedenken zu nehmen, habe man sich jetzt dazu entschlossen, in einer Informationsveranstaltung die Lage zu erklären, und versuchte, weitere ehrenamtliche Helfer zu gewinnen. Auch wenn die Gemeinde nicht unmittelbar betroffen ist - die Unterbringung beziehungsweise Bereitstellung von Unterkünften ist Aufgabe des Landkreises -, will man den Bürgern die vorhandene Unsicherheit nehmen.

Skall erläuterte, wie es über Landrat Oswald Marr zu ersten Verhandlungen mit dem Gebäudeeigentümer gekommen
sei. Die Gemeinde wisse erst seit rund fünf Wochen Bescheid. "Es ist eine schlichte Halle, vom Luxus ist nichts zu spüren", meinte Skall. Beim Umzug am vergangenen Wochenende sei kein einziger Flüchtling von Kronach nach Marktrodach mit umgezogen, sondern lediglich die Einrichtung vom Schulzentrum nach Marktrodach gebracht worden. Vorher seien die in Kronach untergebrachten Flüchtlinge in andere Einrichtungen gebracht worden.

Im Marktrodach steht Skall zufolge seit dem Wochenende die Halle bereit, bisher sei jedoch nicht ein einziger Flüchtling dort angekommen. Die zu erwartenden ersten beiden Busse wurden kurzfristig abgesagt.
Man könne derzeit noch nicht sagen, wann die ersten Flüchtlinge eintreffen, so der Zweite Bürgermeister. Der Landkreis habe dies in der Vergangenheit auch immer recht kurzfristig erfahren, es erfolge dann eine Registrierung und Untersuchung.

Die Verteilung auf andere Stationen erfolge dann innerhalb von zwei bis vier Tagen. Für die Sicherheit sorge, wie bereits am Schulzentrum auch, ein Sicherheitsdienst, der immer vor Ort sei.

Weiterhin informierte Skall, dass man zwischen Notunterkunft und dezentraler Unterkunft entscheiden müsse. Derzeit nimmt der Landkreis Kronach pro Woche rund 15 Flüchtlinge in dezentralen Unterkünften auf, diese sollen länger bleiben und integriert werden, während die Notunterkünfte nur kurzfristige Unterkünfte bieten.



90 Helfer sind organisiert

Heinrich Hasselbacher vom Arbeitskreis Asyl berichtete über dessen Arbeit. Rund 90 registrierte Helfer weise der Arbeitskreis derzeit auf. Er gab Informationen über die Art der Hilfestellungen, welche von Fahrdiensten bis hin zur Einweisung in technische Geräte gehe. Wichtig sei es, dass die Flüchtlinge eine Struktur in ihr Leben bekommen und sich im täglichen Leben zurechtfinden. Dies könne man bei Notunterkünften mit nur wenigen Tagen Aufenthalt nicht bieten.

Anders sehe es dagegen bei den dezentralen Unterkünften aus, hier würden sich auch meist die Vermieter mit einbringen. Auch die caritativen Einrichtungen im Landkreis stehen mit verschiedenen Tätigkeiten zur Seite, so Hasselbacher. Nachdem es jetzt in Marktrodach eine Notunterkunft gebe, würde es sich seiner Meinung nach anbieten, auch hier auf örtlicher Ebene einen Arbeitskreis Asyl ins Leben zu rufen.

Die Chorgemeinschaft Seibelsdorf erklärte sich spontan bereit, am ersten Advent ein Benefizkonzert in der Markgrafenkirche zu organisieren. Die Veranstaltung in der Rodachtalhalle fand regen Zuspruch, rund 150 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil.