Die Frage, wer für den SPD-Kreisverband bei der kommenden Landtagswahl kandidiert, ist wieder offen
Beim SPD-Kreisverband ist ein Mandat im Landtag begehrt: Nachdem der Vorsitzende Ralf Pohl schon nach den letzten Landtagswahlen eine Wiederkandidatur angemeldet hat, will nun auch die stellvertretende Vorsitzende, Gabi Schülein, ihren Hut in den Ring werfen. Die Reichenbacherin sorgte mit ihrer Ankündigung bei den Genossen für Überraschung.
Auch wenn es noch einige Monate dauern wird, bis die SPD ihren Kandidaten für die Landtagswahl 2018 kürt, so wird das Bewerberkarussell schon jetzt kräftig an Fahrt aufnehmen. So steht beispielsweise die Kandidatur von Gabi Schülein auf der Tagesordnung der SPD-Kreisvorstandssitzung, die am Montagabend stattfindet.
Seit 1999 sei sie Mitglied bei der Sozialdemokratischen Partei, erklärte Gabi Schülein. Sie begründet ihre Entscheidung unter anderem damit, dass ihre Partei auf Kreisebene mehr Aktivitäten zeigen müsste. Zudem möchte sie sich in der Umwelt- und Gesundheitspolitik engagieren. Auf diesem Gebiet könne man auf Kreisebene kaum etwas bewegen. Außerdem wünscht sie sich, dass die Ideen der Jusos mehr Beachtung finden. Sie spricht von einem "Kuschelkurs", den ihre Parteigenossen teilweise führen. Als Beispiel führt Schülein die "FOS am Rennsteig" an. Die Schule sei ein Kind der Rennsteig-Region. Sie ist davon überzeugt, dass - wenn in diesem Jahr der Fachabiturjahrgang die Zweidrittelquote erreicht - diese Schule auch mehr Akzeptanz gefunden hätte. Sie könne bis heute nicht nachvollziehen, warum die Genossen im Kreistag der Verlegung dieser Schule nach Kronach mehrheitlich zugestimmt haben.
Sie wisse, dass es als SPD-Mitglied in Bayern schwierig ist, etwas zu bewegen und ebenfalls, dass Ralf Pohl über politische Erfahrungen und ein breites Wissen verfügt. Die vierfache Mutter ist aber auch überzeugt, dass in der Politik vieles erlernt werden kann, wenn man Interesse zeigt und sich mit den Themen intensiv auseinandersetzt.
Als Mutter und Arzthelferin könne sie sich gut in die Anliegen der Bevölkerung hineinversetzen. "Ich bin täglich an der Basis und weiß, was die Menschen bewegt", sagt sie. Außerdem sei die Wahl von Natascha Kohnen zur neuen SPD-Landesvorsitzenden für sie ein Ansporn.
Davon lebt eine Demokratie, sagt Ralf Pohl, als er auf die Kandidatur seiner Stellvertreterin angesprochen wird. Dennoch macht er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Ich finde das Verhalten von Gabi Schülein unsolidarisch". Ende April, so erklärt er, habe Schülein in einer Sitzung ihre Kandidatur angekündigt. Er als Kreisvorsitzender hätte sich vorher ein Gespräch gewünscht. Seit zehn Jahren führe er den SPD-Kreisverband, so Pohl weiter. Bei der letzten Landtagswahl habe er ein gutes Ergebnis erreicht. "Ich bin der erste Nachrücker." Er habe immer betont, dass er für eine erneute Kandidatur bereit sei.
Positiver Effekt
Ralf Pohl macht eine hervorragende Arbeit, lobt der Ludwigsstädter Bürgermeister und stellvertretende Kreisvorstand Timo Ehrhardt seinen SPD-Kreisvorsitzenden. Es sei aber durchaus legitim, wenn neben Pohl eine weitere Genossin kandidieren will. "Das belebt die Demokratie." Er würde aber aus heutiger Sicht Ralf Pohl favorisieren.
Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner spricht von einem positiven Effekt, wenn mehrere Bewerber für den Landtag kandidieren wollen. "Ich finde es toll, dass sich Gabi Schülein für eine Kandidatur bereit erklärt hat", erklärt er. Festlegen, welchen Kandidaten er für geeigneter hält, wollte sich Gräbner am Sonntag noch nicht. Aber er hält es durchaus für möglich, dass eine Frau bessere Chancen auf einen guten Listenplatz hat. Für Gräbner hat oberste Priorität, dass der SPD-Kreisverband wieder mit einem Abgeordneten im Landtag vertreten ist. "Der Landkreis würde davon profitieren", betont er.
Dass Schülein kandidieren will, sei legitim, sagt auch der SPD-Kreisfraktionsvorsitzende Richard Rauh. Seiner Auffassung nach habe aber der Kreisvorsitzende das erste "Zugriffsrecht" auf diesen Posten. Das Thema werde innerhalb der Partei noch für Diskussionen sorgen, ist Rauh überzeugt. Letztlich werden die Ortsverbände und die Delegierten dann eine Entscheidung treffen, wer ins Rennen geht.
Noch keine Empfehlungen
Es seien beide fleißige Menschen, so die stellvertretende Vorsitzende Heidi Hansen. Dass Gabi Schülein kandidieren wolle, sei ihr gutes Recht. Bei Ralf Pohl wüssten die Genossen aber, was sie haben. Er habe politische Erfahrungen, sei bodenständig und sicher im Verhandeln.
Und wie wird es nun weitergehen? Die angekündigte Kandidatur von Schülein wird Gegenstand der nächsten Sitzungen werden, so Pohl. Es wird Diskussionen geben, es werden Meinungen gebildet und am Ende müsse man auch die Entscheidung des Lichtenfelser SPD-Kreisverbands abwarten (mit diesem bilden die Kronacher einen Stimmkreis). Erst dann werde es Empfehlungen geben.