Mit einem kurzen Ruck schiebt Samuel Rauch die massive Schiebetür der Scheune zur Seite. Ohne Quietschen. Immer breiter wird der Lichtstrahl, der sich vor ihm durch den Spalt drängelt. Auf einen Traktor oder ein anderes landwirtschaftliches Fahrzeug trifft er aber nicht. Natürlich nicht. Schließlich ist Rauch kein Bauer, sondern seit neun Jahren Leiter des Kronacher Jugend- und Kulturtreffs "Struwwelpeter".

Zum Vorschein kommt eine knapp vier Meter breite Halfpipe - also eine zu beiden Seiten erhöhte Rampe, die Skateboardern und Inline-Skatern als Voraussetzung für deren artistische Manöver dient. "Die haben die Jugendlichen vor einigen Jahren zusammen mit einem Profi selbst gebaut", erzählt der 37-jährige Sozialpädagoge.

Während die geschliffenen Holzbretter der Halfpipe perfekte Bedingungen bieten, kann das vom alten Betonboden nicht behauptet werden. Denn der zeichnet sich dadurch aus, einfach nur rau zu sein. "Da wünschen sich unsere Skater einen glatteren Belag", so Rauch. "Es wäre auch schön, neue Musikboxen einbauen zu können." Das würden die Jugendlichen ebenfalls in Eigenregie übernehmen. "Aber dafür brauchen wir Material." Ein Projekt, das mit dem derzeitigen Budget nicht umzusetzen ist.

Mit dem Jugendamt der Erzdiözese Bamberg, der Stadt sowie dem Landkreis Kronach, weiß der Jugendtreff zwar starke Träger hinter sich, doch das Angebot reizt das Budget aus. Workshops, Aids-Präventionskurse, Konzerte, Austauschprogramme oder die Organisation des Festivals "Die Festung rockt", sind nur einige der 254 Veranstaltungen, die die acht Organisations-Teams vergangenes Jahr auf die Beine stellten - das kostet Geld. Manche Investition bleibt so auf der Strecke. Mit seiner Aktion "Franken helfen Franken" möchte der Fränkische Tag daher dem "Struwwelpeter" finanziell unter die Arme greifen. Besser gesagt, durch die Spenden seiner Leser.

Zwar steht der Titel des Werkes des Frankfurter Arztes und Psychiaters Heinrich Hoffmann noch immer von Weitem sichtbar über dem Eingang, der "Peter" ist dem Jugendtreff seit der Gründung 1998 jedoch irgendwann abhandengekommen und ist schlicht nur noch der "Struwwel". 25 000 Besucher fanden 2015 den Weg in die Rodacher Straße. Wobei es der Begriff nicht ganz trifft. "Die Besucher sollen keine passiven Konsumenten sein, sondern in die Lage versetzt werden, mitzugestalten", erklärt Rauch.

Verantwortung zu übertragen, gehöre zum Konzept. "Das ist ein wichtiges Lernfeld", sagt der 37-Jährige. "Sie haben Verantwortung, die sie annehmen müssen. Das ist wichtig, weil Jugendliche das heute nur noch selten erfahren." Im "Struwwel" werde ihnen demonstriert, wie ein demokratischer Mitentscheidungsprozess ablaufen kann.

Bestes Beispiel: "Die Festung rockt". Fast 110 Ehrenamtliche sind dabei verantwortlich dafür, die Bedingungen zu schaffen, dass 2500 Zuschauer zur Festung strömen, um Bands wie "Jennifer Rostock" oder "Madsen" zuzujubeln. "Für die Besucher ist es ein Rockfestival, für uns ist es mehr", betont Rauch. "Es ist ein kulturpädagogisches Konzept." Für viele Jugendliche sei es etwas Besonderes, zu sehen, dass sie gebraucht werden. "Ohne ihre Schicht, etwa beim Getränkestand, würde vieles zusammenbrechen."

Werte und Erfahrungen wie diese sind es, die die Sozialpädagogen vermitteln möchten. "Für viele der Jugendlichen ist der Struwwel ein kleines Stück Familie", sagt die stellvertretende Leiterin Kristina Fritz. "Man feiert zusammen Weihnachten oder Geburtstage, und bei alltäglichen Sachen ist man Ansprechpartner."


"Jeder wird akzeptiert, wie er ist"

Fritz kennt beide Seiten, war sie in ihrer Kindheit doch selbst regelmäßig Gast und Teil des "Struwwel". Einem Ort, an dem sich Kulturen mischen, Erfahrungen gesammelt werden oder eine neue Sichtweise gefunden wird. "Jeder wird akzeptiert, wie er ist", betont Rauch. "Man gibt viel von sich selbst, aber da kommt auch viel von den Jugendlichen zurück."

Der Billardraum wartet gegen kurz nach 12 Uhr noch auf die ersten Besucher des Tages. Lange wird es nicht mehr dauern. "Der ist dann im Dauereinsatz", sagt Rauch und zeigt wie zum Beweis auf das grüne Filz - das nur noch eine dünne, grünliche Schicht ist. "Das müsste eigentlich auch mal erneuert werden, kostet aber 800 Euro."

Ein Posten, der von "Franken helfen Franken" übernommen werden könnte. Weil die Stadt zuletzt neue Heizkörper installierte und den Boden abschleifen ließ, wäre Rauch eine Baustelle los. "Jeder solle für das Spenden, was er für gut hält", sagt er zu einer möglichen Unterstützung durch FT-Leser. "Wir sind ein wichtiger Ort, der Jugendlichen etwas bietet, was sie sonst nirgends haben. Einen Kicker etwa gibt es häufiger. Seltener ist es, jemanden zu haben, der fragt, wie es einem geht."

Wir wollen helfen

Jeder für "Franken helfen Franken" gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken (MGO).

Der Spendenverein macht sich stark für ein Franken, das sich durch eine Atmosphäre des Miteinanders und der Hilfe auszeichnet. Seit der Gründung im Jahr 2009 wurden bislang annähernd 300 000 Euro für Projekte gesammelt und weitergereicht.

Spendenkonto: Sparkasse Bamberg; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01
BIC: BYLADEM1SKB
Verwendungszweck: Struwwel Kronach

Mehr Informationen und Kontaktdaten zur Aktion gibt es unter franken-helfen-franken.de. Informationen zu den Projekten und Veranstaltungen des "Struwwelpeter" sind im Internet unter struwwelpeters.de zu finden.