Seit dem Ausscheiden der künstlerischen Leiterin Heidemarie Wellmann bei den Rosenberg-Festspielen stellt sich die Frage, wie es personell und inhaltlich weitergeht. Die Stadt muss zeitnah handeln, um alle Schlüsselpositionen rechtzeitig zu besetzen und inhaltlich die Weichen zu stellen. Wie die Abläufe aussehen sollen, erläutert Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW).

Nach dem Weggang von Heidemarie Wellmann ist der Posten der künstlerischen Leitung verwaist. Eine Funktion, die unbedingt besetzt sein muss, oder könnten diese Aufgaben ohne einen eigens eingesetzten Leiter geschultert werden?
Wolfgang Beiergrößlein: Ziel ist es, für 2017 ein Team aus Regie und künstlerischer Leitung zusammenzustellen. Dass eine künstlerische Leitung notwendig ist, steht unseres Erachtens außer Frage.


Künstlerische Leitung, Regisseur, Darsteller, das eine hängt in den Planungen eng mit dem anderen zusammen. Wie sieht der Ablaufplan aus, wenn es um die Reihenfolge der Besetzung geht?
Die Suche nach Personen für die künstlerische Leitung und die Regien steht zeitlich an erster Stelle. Stehen diese fest, werden Stücke und Spielplan festgelegt, und dann erst wird das Schauspieler-Ensemble zusammenstellt.

Gibt es schon erste Fortschritte bei der Personalplanung?
Gerade sind wir dabei, erste, wichtige Gespräche zu führen. Diese sollen dann in einen Vorschlag der Verwaltung münden, der schließlich dem Tourismusausschuss und dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt wird.

Der Schauspieler Hardy Kistner, der heuer bei den Rosenberg-Festspielen zu sehen war, stellte fest, dass die Situation durchaus zu meistern sei. Es wäre aber wichtig, bald Stücke zu benennen, um die Werbung ankurbeln zu können. Wer wird wann die Auswahl der Stücke treffen?
Die Stücke-Vorschläge kommen von den Regisseuren und werden dann in Absprache mit der künstlerischen Leitung und der Stadt festgelegt.

Gibt es eine Deadline für gewisse Bereiche, um das Spieljahr 2017 nicht zu gefährden?
Bis Ende Oktober müssen aus unserer Sicht Leitung, Regisseure, Stücke und Spielplan feststehen.

Welche Entscheidungen werden von welchem Gremium oder welcher Person getroffen?
Die künstlerische Leitung wird durch den Stadtrat endgültig festgelegt werden. Die Schauspieler- und Stückeauswahl treffen Regie und künstlerische Leitung in Absprache mit der Stadt. Natürlich wird auch der Tourismusausschuss mit eingebunden werden.

Soll der/die neue Verantwortliche am inhaltlichen Kurs, der unter Frau Wellmann gefahren wurde, festhalten? Oder wäre es auch denkbar, unter einem neuen Verantwortlichen bei der Ausrichtung der Festspiele nachzujustieren?
Mit neuen Akteuren kommen auch neue Ideen in die Festspiele. Grundsätzlich soll das Festspielkonzept beibehalten werden - für neue Ideen ist die Stadt jedoch immer aufgeschlossen.

Vor allem in den sozialen Medien tobt die Diskussion über die aktuellen Geschehnisse und die Zukunft der Rosenberg-Festspiele nach dem Wellmann-Aus. Wie wird die Stadt mit der öffentlichen Debatte umgehen?
Ich habe in meiner Presseerklärung (FT vom 23. September, Seite 9, Anm. d. Red.) die Sicht der Dinge der Stadt wiedergegeben und damit alles gesagt, was zu sagen war. Da auch Frau Wellmann geäußert hat, keinen "Rosenkrieg" anzetteln zu wollen, wird es dabei bleiben. Wir blicken nicht zurück, sondern zuversichtlich nach vorne.
Rückblickend betrachtet: Haben die Stadt und der Bürgermeister für sich Erkenntnisse aus den jüngsten Entwicklungen bei den Festspielen gezogen?
Wie sagt man so schön: Wo viele Menschen zusammenwirken, "menschelt" es halt auch. Ich kann nur versuchen, Probleme, die an mich herangetragen werden, offen zu besprechen und dadurch zu lösen. Die gleiche Situation wird es mit Sicherheit nicht mehr geben - auf jede andere muss man entsprechend reagieren.
Ein Leser hat vorgeschlagen, ein Jahr Pause zu machen und in Ruhe einen Neustart der Festspiele einzuleiten. Wäre das aus Sicht der Stadt Kronach überhaupt eine Alternative?
Dies haben wir schon 2015 nicht in Erwägung gezogen und tun es auch jetzt nicht. Die Rosenberg-Festspiele werden auch 2017 stattfinden. Eine Unterbrechung ist nicht erforderlich und auch im Sinne der Markenbildung nicht sinnvoll.

Die Fragen stellte Marco Meißner