EU bringt Dolce Vita nach Kronach: Warum Mirko Fontana der Abenteuerlust seines Vaters viel zu verdanken hat
Autor: Teresa Hirschberg
Kronach, Mittwoch, 22. Mai 2019
Mirko Fontana lebt seit 31 Jahren in Kronach, auf dem Papier bleibt er aber weiterhin Italiener. An der EU schätzt er vor allem offene Grenzen - und dass ihm lästiges Rechnen erspart bleibt.
Europäischer geht's wohl nicht: Er kommt aus Italien, sie aus Portugal, gefunden haben sie sich in Kronach. Mirko Fontana und seine Frau betreiben ihre Eisdiele in der Innenstadt in zweiter Generation. Bruder Robertos Eiscafé liegt nur 95 Meter entfernt am Marienplatz. Jeden Winter geht es zurück in ihre Heimatstadt Belluno. Doch richtig zuhause fühlen sich die Fontanas mittlerweile wo anders.
Als Vater Guiseppe 1964 mit seinen beiden Brüdern nach Deutschland kam, sei das ein großes Abenteuer für die drei jungen Italiener gewesen. Zuvor hatte Fontana Senior in Mailand als Eisverkäufer gearbeitet. Von der Metropole Milano ins beschauliche Kronach: Dass die Fontanas ausgerechnet hier landeten, sei auch einer großen Portion Zufall zu verdanken. "Kronach ist eben eine schöne kleine Stadt, die im Grünen liegt", fasst Mirko Fontana zusammen. Und damit ist die neue Heimat der alten in den Dolomiten gar nicht so unähnlich.
Einreise nach Deutschland und neugierige Österreicher
Beschwerlich sei die Anreise gewesen, mit ihrem kleinen Auto ging es über schlecht ausgebaute Straßen. Sein Vater habe erzählt, dass die Einreise nach Deutschland dabei jedoch nicht die größte Hürde darstellte. Die Österreicher waren es, die alles ganz genau wissen wollten: Wo sollte es für die drei Männer hingehen? Was hatten sie dort vor? Und wie lange wollten sie bleiben? Rund 15 Jahre später kehrten seine Brüder nach Italien zurück, nur Guiseppe Fontana blieb in Kronach.
Auf dem Papier ist Sohn Mirko Italiener, mit erstem Wohnsitz ist er jedoch in Kronach gemeldet. In Italien geboren, in Deutschland den Kindergarten besucht, in der Heimat zur Schule gegangen und dann doch in Kronach sesshaft geworden - diese Rückkehr ist mittlerweile 31 Jahre her. Dreimal wurde seine Arbeitserlaubnis damals vom Landratsamt verlängert, danach lief sie unbefristet weiter. Natürlich könnte der 45-Jährige auch einen deutschen Pass beantragen, die Notwendigkeit dafür sieht er jedoch nicht - den offenen Grenzen sei Dank. "Das ist doch das schönste an der EU!", bringt es Fontana auf den Punkt.
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