Blickt Heinz Köhler zurück, so bezeichnet er das Projekt "Schulzentrum" als einen besonderen Kraftakt. Er spricht von dem "größten Bauvorhaben des Landkreises Kronach, das innerhalb von acht Jahren verwirklicht werden konnte.

Bereits Mitte der 60er Jahre sei deutlich geworden, so Köhler, dass der Zuwachs an Schülern zur Realschule I und Kaspar-Zeuß-Gymnasien sehr groß war und weitere Einrichtungen gebaut werden mussten. Steigende Schülerzahlen im Schuljahr 1970/71 führten beispielsweise in der Realschule zu einer Überlast, sodass nach der Fertigstellung der neuen Berufsschule in der Siechenangerstraße im Jahre 1968 die Klosterberufsschule (jetzt Existenzgründerzentrum) der Realschule I zur Verfügung gestellt werden musste.

Bei der weiteren Realschule ging die Diskussion bereits in den 60er Jahren um einen Standort im Norden des Landkreises, da im Schulentwicklungsplan des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus seit 1965 eine zweite Staatliche Realschule für diesen Bereich vorgesehen war. Aufgrund dessen, dass zu der Zeit die Berufsschule gebaut, das KZG erweitert und das Landratsamt gebaut wurde, ruhten allerdings zum damaligen Zeitpunkt die konkreten Baupläne für eine zweite Realschule. Erst 1969/70 kam die Diskussion wieder auf. Den Anstoß gab zu dieser Zeit vor allem ein gemeinsames Schreiben der damaligen Pfarrer Alois Konrad (Teuschnitz) und Wilhelm Winter (Pressig).


Der Nebelstreit

Zwei Standorte kamen in Frage, nämlich Ludwigsstadt und Steinbach am Wald, erklärt Köhler. Dabei wurde mit "harten Bandagen" gekämpft. So hat zum Beispiel in der Diskussion eine Rolle gespielt, wo es mehr Nebel gebe.

In der Septembersitzung 1971 entschied sich schließlich der Kreistag mit 25:13 Stimmen für die Errichtung einer zweiten Realschule in Steinbach am Wald. Sein Vorgänger Edgar Emmert legte schließlich den Beschluss dem Kultusministerium zur schulaufsichtlichen Genehmigung vor. Dabei wies er darauf hin, dass Steinbach keine Hauptschule besitze und nicht als zentraler Ort im Sinne der Landesplanung vorgesehen sei. Dies setzte aber das Kultusministerium als Anforderungsprofil voraus. Daraufhin wurde Steinbach in einem Schreiben vom April 1972 als Standort für eine Realschule von der Regierung von Oberfranken abgelehnt.

Somit, erzählt Köhler, war wiederum eine Standortdiskussion eröffnet. Hinzu kam, dass infolge der Zunahme von Gymnasiasten der Kreistag im Oktober 1971 den Antrag auf die Aufnahme eines zweiten Gymnasiums im Schulentwicklungsplan gestellt hatte und das Kultusministerium im April 1972 dessen Gründung in Form eines Teilgymnasiums zusammen mit der Realschule in Pressig vorschlug, weil sich dort bereits eine Hauptschule befand.


Emotionale Debatten

Zu diesem Zeitpunkt trat Köhler seinen Job als Landrat an. Da Anfang der 70er Jahre nicht klar war, in welche Richtung sich die Bildungspolitik entwickeln würde, einigte man sich in der Kultusministerkonferenz darauf, bei Neubauten von Schulen zu prüfen, ob dies nicht in Form von Schulzentren geschehen kann.

Noch gut kann sich Heinz Köhler an die darauffolgenden emotionalen Debatten bezüglich möglicher Standorte Pressig oder Kronach erinnern, bevor schließlich im Dezember 1972 der Beschluss für Kronach mit 46:11 Stimmen gefasst wurde.


Damals herrschte Lehrermangel

Spricht man Köhler darauf an, ob diese Entscheidung richtig gewesen sei, meinte er, dass sich diese Frage nicht ideell hat lösen lassen. Positiv habe dies breitgefächerte Bildungsmöglichkeiten bedeutet, die vor allem die Lehrerschaft des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums als Fachleute vorgetragen hatten. Auch hatte die Bundesbahn erklärt, dass sie nur Kronach als einzigen Ort im Landkreis optimal anbinden könne. Hinzu wurde das Problem der Lehrerversorgung diskutiert. Damals herrschte Lehrermangel. Es war kaum möglich, Pädagogen nach Kronach zu bekommen, für den Standort Pressig schien es noch unwahrscheinlicher. Hinzu kam auch eine Elternumfrage, wobei 1263 Stimmen abgegeben wurden. davon entfielen 1068 auf den Standort Kronach. Spricht man Köhler auf den Planungs- und Bauablauf des Schulzentrums an, so kommt spontan: "Es gab eine Menge Probleme!". In diesem Zusammenhang spricht er unter anderem von unterschiedlichen Trägerschaften. Diese wurden 1977 durch die Gründung eines sogenannten Schulzweckverbandes gelöst, der auch heute noch Träger des Schulzentrums ist.


Bauphasenbetreuung war Neuland

Damals sei dieser Schritt mit enormen Schwierigkeiten verbunden gewesen, denn rechtlich war ein Zweckverband zwischen einem Schulverband (Hauptschule Kronach III) und einem Landkreis nicht möglich. Deshalb habe er eine Gesetzesinitiative im Landtag anstoßen müssen, die dies ermöglicht habe. Hinzu kam die Beteiligung der im Schulzentrum integrierten Sonderschulen, die als private Vereine organisiert werden. Neuland war auch die Betreuung der Bauphase gewesen, denn bis zur Errichtung des Schulzentrums hatte der Landkreis seine Errichtungen beim Bau selbst betreut und dafür Personal eingestellt. Es sei aber klar gewesen, dass dies bei der Größe des Schulzentrums nicht möglich war. Schließlich wurde die "Neue Heimat Städtebau - ein gewerkschaftliches Unternehmen - beauftragt.


Sieger aus Nürnberg

Weiterhin spricht Köhler von einem öffentlich ausgelobten Architektenwettbeerb, an dem sich 27 Architekten beteiligten. Den ersten Preis gewann schließlich die Architektengemeinschaft König & Weyh aus Nürnberg.
Städtebaulich war der Entwurf des Preisträgers dadurch gekennzeichnet, dass er das Schulzentrum unterhalb des Kreuzberges als einen dominanten Gegenpol zur Festung darstellte, was durch den Rundbau zum Ausdruck gebracht werden sollte. Allerdings ist dies in der späteren Verwirklichung in einem Teilbereich nicht vollständig umgesetzt worden.
In den letzten Jahren investierte nun der Landkreis Kronach rund 15 Millionen Euro in die Sanierung des Schulzentrums. Die Sanierungsarbeiten sind mittlerweile weit fortgeschritten, sodass diese Bildungseinrichtung wieder "fit" gemacht wurde für die nächsten Jahrzehnte.


Schulzentrum im Detail



Kosten Die Kosten des Schulzentrums betrugen knapp 56 Millionen DM für die unterschiedlichen Schulen. Davon erhielt der Landkreis zu seinen insgesamt 28 253.61 DM Investitionskoten einen Zuschuss in Höhe von zwölf Millionen DM. Die Hauptschule Kronach III erhielt eine bei 16 066.396 DM Investitionskosten Förderungen in Höhe von 8,7 Millionen DM. Bei den Sonderschulen wurden die beiden Gebäude zu 100 beziehungsweise zu 80 Prozent bei Gesamtkosten in Höhe von 5 781 .130 DM gefördert.

Bauabschnitte - Offizielle Grundsteinlegung des Schulzentrums am 18. Mai 1975
- Fertigstellung des Gymnasiums II - Schuljahr 1977/78 (Baubeginn 25. August 1975)
- Siegmund-Loewe-Schule 1976/77
- Hauptschule: Schuljahr 1977/78 (Baubeginn: 29. September 1975)
- Sonderschule für Lernbehinderte: Schuljahr 1978/79 (Baubeginn 1. April 1976)
- Sonderschule für Geistigbehinderte: Juni 1979 (Baubeginn Frühjahr 1977)
- Fachklassentrakt: Ende 1977 (Baubeginn Frühjahr 1976)
- Kreisbibliothek: Februar 1978 (Baubeginn Frühjahr 1976)
- Turnhallen: Frühjahr 1978 (Baubeginn August 1976)
- Außensportanlagen 1980 (Baubeginn Frühjahr 1978) vs