Mitten im städtebaulichen Sanierungsgebiet der Stadt Wallenfels steht der ehemalige Kindergarten "St. Josef". Die Villa des Arztes Josef Renner aus dem Jahr 1930 beherbergte seit Beginn des Zweiten Weltkrieges Mädchen und Jungen. Aus einer Aufstellung vom 21. Mai 1951 geht hervor, dass die katholische Kirchengemeinde Wallenfels Träger des Kinderheims ist. 1964 kaufte die katholische Kirchenstiftung das "Dr. Rennerhaus". In den 1970er-Jahren waren die Räume nicht mehr zeitgemäß und es wurde eine Erweiterung des Kindergartens beschlossen.

Um die Jahrtausendwende wurden so umfangreiche Sanierungen notwendig, dass ein Neubau bevorgestanden hätte. Deshalb entschlossen sich die Verantwortlichen, den Kindergartenbetrieb ab September 2013 ins Bildungszentrum Wallenfels zu verlagern.

Seitdem steht das Anwesen leer. Doch nun gibt es ein neues Nutzungskonzept unter der Trägerschaft der Caritas.
"Wir haben überlegt, wo sind unsere Stärken, was liegt uns für das Rodachtal am Herzen?", führt die Geschäftsleiterin der Caritas, Cornelia Thron, bei der Vorstellung des Konzeptes aus. 100 Meter entfernt von dem Caritas Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth entsteht nun ein "Demenz- und Intensivpflegezentrum" als Erweiterung und Auslagerung von zwei Abteilungen. Hierfür wird der Altbau der Villa zurückgebaut und generalsaniert, der Anbau abgerissen und die neuen Anbauten integriert. Die Villa wird im Erdgeschoss für Demenzkranke ausgebaut, im Obergeschoss entstehen eine Intensivpflege-Station, ein Demenz-Beratungsstelle sowie eine Vernetzung von ambulanter und stationärer Pflege.

Speziell hierfür gibt es eine stationäre Wohngemeinschaft für 17 mobile, demenziell veränderte Heimbewohner. Ein freizügiger Garten, lichtdurchflutete Zimmer, Pflege und Betreuung nach neuesten Erkenntnissen der Gerontopsychologie und Betreuung gewährleisten ein gutes Wohngefühl.
Es sei wichtig, dass die Bewohner ohne sogenannten Unterbringungsbeschluss einziehen können. "Ein System am Gartenzaun garantiert jedoch höchste Sicherheit, ohne dass das Leben beeinträchtigt wird", erklärt Cornelia Thron.

Auf der Intensivpflegestation ist Platz für 14 schwerstpflegebedürftige Heimbewohner. Die geringe Bewohnerzahl sichere die Pflegequalität und verspreche eine individuellere Versorgung der Bewohner. Moderne Pflegetechnik und wohnliche Zimmer, eine große Dachterrasse, die auch für Pflegebetten geeignet ist und Privatsphäre mit Sicherheit verknüpfe - das ist die Vorstellung aller Beteiligten an diesem Projekt.


Im Sinn der Kirche

Für Bürgermeister Jens Korn (CSU) ist der Einsatz des Caritasverbandes ein Segen für die Stadt: Als städtebaulichen Aspekt sieht er eine Revitalisierung des Ortskerns. Für den Stadtrat sei es selbstverständlich gewesen, die Idee für das Demenz- und Intensivpflegezentrum zu begleiten und ihren Teil zum Gelingen beizutragen. Parkmöglichkeiten sollen demnächst im Bereich des Bergschneidmühlengeländes - nur 50 Meter entfernt - geschaffen werden.

Motor des Projekts sei die Kirchenstiftung gewesen: "Der Kirchenstiftung war es wichtig, dass im alten Kindergarten etwas realisiert wird, was durchaus im Sinn der Kirche ist", sagte Korn.
Durch das neue Demenzzentrum sollen die Mitarbeiter im Haupthaus St. Elisabeth entlastet werden. Mit dem Umzug wird für die 91 Bewohner ein neues Pflege- und Betreuungskonzept möglich. Inwieweit die beschützende Station anders gestaltet wird, muss noch mit der Regierung geklärt werden. "Wir wissen noch nicht, wie sich die gesetzlichen Vorgaben entwickeln", sagt Thron.

Wichtig sind in Zukunft 15 Kurzzeitpflegeplätze sowie die Erweiterung der Tagespflege im Rodachtal. Wallenfels wird sozusagen zum Leuchtturm der ambulanten und stationären Altenpflege im Rodachtal. Schon jetzt ist der Caritasverband Kronach der größte Arbeitgeber der Stadt und baut damit sein Angebot aus. Durch das Demenz- und Intensivpflegezentrum werden 25 bis 30 neue Mitarbeiter benötigt, davon 21 in Vollzeit.


Langer und steiniger Weg

Für den Architekten Kersten Schöttner war die Planung eine Herausforderung. Von Anfang an hat er das Projekt auf eigenes Risiko unterstützt. Mit einem Gesamtbauvolumen von 4,1 Millionen Euro stellt das Demenzzentrum auch eine finanzielle Herausforderung dar. Das Gelände und das Gebäude stellt die katholische Kirchenstiftung kostenlos zur Verfügung.
Bis September sollen die Entwürfe genehmigt werden. Bis Oktober 2018 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, so sieht es der Zeitplan vor.
"Ende 2018 wird unser neues Demenz- und Pflegezentrum seine ersten Bewohner aufnehmen können", sagt Thron. Und wer sie kennt, weiß, dass sie mit aller Kraft genau darauf hinarbeiten wird.