"Wir wollen uns nicht mit der Suche nach einer Handlung aufhalten, das ist eine Nummernrevue." Regisseur Daniel Leistner warnte sein Publikum im "Stegner's" schon mal augenzwinkernd vor einem "albernen und verrückten Stück", in dem eine illustre Schar an Darstellern scheinbar wild durcheinanderspielt. Die Kronacher Werkbühne feierte ihren 40. Geburtstag und beschenkte sich selbst mit der Komödie "In der Hölle wird gescheuert".

Völlig überdreht, aber Theater, das unter die Haut ging. Witzige Dialoge, manche völlig sinnfrei, manche mit realem Hintergrund. Die Handlung, die laut Regisseur ja eigentlich gar nicht existierte, drehte sich vor allem um einen Teufel (Rainer Gräbner), der dem alljährlichen Frühjahrsputz seiner Großmutter (Julia Knauer) zum Opfer gefallen war. Weil sie "in der Hölle scheuern" musste, hatte sie ihn kurzerhand aus seinem Domizil geschmissen.

Da lag er nun auf einer Parkbank, zwar halb erfroren, aber voller Tatendrang, das Leben auf der Erde ein bisschen durcheinanderzuwirbeln. Es störte ihn auch nicht wirklich, dass er von einer Gruppe Studenten und einem Naturhistoriker (Daniel Leistner) für Horst Markus Söderhofer, Heidi Klum, Rosamunde Pilcher oder vielleicht doch Mutter Beimer gehalten wurde. Aufregen konnte er sich dagegen schon etwas mehr, weil der Schmied (Daniel Leistner) ihm für das Erneuern seines Hufeisens am Pferdefuß 6,40 Euro abknöpfen wollte. Er, der so fröhliche Einakter wie den "Brexit" oder "Trump" verfasst habe, gestand auch ein, Ebay, Amazon und Zalando mitbegründet zu haben. "Ein besonderes Lustspiel war die deutsche Wiedervereinigung. Der Deutsche kommt gar nicht mehr darüber hinweg, dass er wiedervereinigt ist."

In seinem Fokus auch das Frollein Liddy (Oda Gräbner), das Freiherr Mordax (Julia Knauer) heiraten will, aber eigentlich in Herrn Mollfels (Anja Barthen) verliebt ist. Herr Mollfels, dessen Nase die Regierung dazu gebracht habe, das Vermummungsverbot wieder einzuführen, sehe zwar nicht blendend aus, habe aber ein gutes Herz, wie Frollein Liddy findet. Und so treibt der Teufel mit allen sein Spielchen. Er lässt - ganz nebenbei - 13 Schneidergesellen ermorden, da es in Kronach ja für dieses Handwerk seit kurzem eine Fachoberschule gebe. Und er kauft Frollein Liddy für 50 000 Euro und zahlt in Ostmark, oder höchstens noch in Bitcoin.

Die Weltmetropole Küps

Zwischendrin fließen dann wichtige Informationen wie: "Johann Wolfgang von Goethe regt sich im Himmel furchtbar auf, weil sie seinen ,Faust' in Kronach auf eineinhalb Stunden zusammengekürzt haben." Oder der Spruch: "Marktrodach liegt wie eine idyllische Schäferhütte am Rande der Einsamkeit des Frankenwaldes, Kronach ist ein unbedeutendes Einödgehöft und Küps Weltmetropole."

Und dass ihm ein Kondom mal zum Verhängnis wird, hätte sich der teuflische Geselle wohl auch nicht träumen lassen. Ihn lockte eines davon nämlich in einen Käfig, weil ein findiger Schulmeister (Anika Gräbner) ihn als Zirkusattraktion vermarkten wollte. Herausholen musste ihn seine Großmutter, die die Hölle fertig gescheuert hatte und nun mit dem Kaffee wartete.

Einen Großteil seines Charmes erhielt das Stück durch die Wandlungsfähigkeit seiner Schauspieler. Doch die war manchmal auch aus der Not heraus geboren, wie Leistner anfangs geradeheraus gestand. "Bei uns herrscht Männermangel. Frauen haben wir eigentlich genug." Und die schlüpften mehr als einmal in Männerkleidung.

Und auch der Regisseur selbst zeigte sein künstlerisches Repertoire. Er schlüpfte in vier verschiedene Rollen und outete sich einmal mehr als Dialektakrobat. Nur sein "lutschderisch" wollten die meisten nicht so wirklich verstehen.

Unvergesslich ins Gedächtnis gebrannt hatte sich an diesem Abend auch sein "Stoppi, stoppi, stoppi", das für den Dichter Rattengift zum Markenzeichen wurde. Und so kam es, dass das Publikum erfuhr, dass ein Lehrer sündhafter als ein Kondom sei, und über Sprüche lachte wie "die Blödheit könnte ohne das deutsche Fernsehen gar nicht existieren" oder "das ist kein Mann, sondern ein Österreicher". Vom niederträchtigen Krötenschnupftuch bis zur Maulschelle, die man ins Gesicht bombardierte, es war ein fröhliches Sammelsurium an Klamauk, komödiantischen Auftritten, kabarettistischen Leistungen und ernsthafter Schauspielerei. Gelernt hat das Publikum am Ende fürs Leben: "Mit Speck fängt man Mäuse, mit Kondomen den Teufel."