Roland Pyka predigt es bei jeder Gelegenheit, wenn er bei Senioren einen Vortrag über Verkehrssicherheit hält: Man muss als Fußgänger, gerade in der dunklen Jahreszeit, von Autofahrern gesehen werden können. Wenn die älteren Leute schon meinen, unbedingt dunkle Kleidung tragen zu müssen, so sollen sie wenigstens reflektierende oder leuchtende Accessoires dabei haben. Das kann Leben retten.

Jetzt unbedingt die gelbe oder orange Warnweste bei einem Spaziergang aus dem Auto zu holen, muss nicht sein, denn es gibt viele modische, reflektierende oder leuchtende Sachen, die einem Autofahrer schon von Weitem anzeigen: Da bewegt sich was! Also ist höchste Vorsicht geboten.


Was reflektiert gut?

Roland Pyka ist nicht nur Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, sondern auch Seniorenbeauftragter und in dieser Funktion unermüdlich bei der älteren Generation präsent.
Bei seinen Vorträgen hat er nützliche Accessoires dabei, zum Beispiel die "Blinkis", kleine, reflektierende Plastikscheiben, ähnlich den Speichenreflektoren bei Fahrrädern. Die "Blinkis" sollen die Menschen nicht vorne oder hinten an der Bekleidung befestigen, sondern an der Hand tragen, aber an der, die der Straße zugewandt ist. "Die ,Blinkis‘ werden übrigens in Mupperg bei Sonneberg hergestellt", hat Pyka herausgefunden und gleich viele davon bestellt. Nicht in der Hand halten muss man die ne ongelben Armbänder, die auf Knopfdruck sogar blinken können. "Oder man kann den eleganten Regenschirm der Kreisverkehrswacht nehmen. Da verlose ich bei jeder Veranstaltung einige", berichtet Roland Pyka. Der Stockschirm kann sogar als Gehstock genutzt werden, ist dunkelblau und hat einen unscheinbaren grauen Rand. Dieser Rand leuchtet aber richtig hell, wenn bei Dunkelheit Licht drauf fällt. Wer sich noch keine der reflektierenden Utensilien besorgt hat, nimmt einfach eine kleine Taschenlampe und schaltet die auf jeden Fall ein, wenn er ein Fahrzeug nahen hört oder sieht. Aber bitte die Autofahrer nicht blenden!

In diesem Zusammenhang spricht Roland Pyka an, dass hier auch die Bekleidungsindustrie gefordert sei. Es gebe sicherlich Möglichkeiten, reflektierende Stellen in Jacken, Hosen oder Mäntel einzuarbeiten.


Notfalls einen kurzen Umweg nehmen

Bei den vielen Vorträgen in Seniorenclubs weise er immer eindringlich darauf hin, "die Straße nur dort zu überqueren, wo Übergänge sind. Notfalls muss man halt einen Umweg von 50 bis 100 Metern in Kauf nehmen." In Gehülz habe er vor Jahren bei Senioren einen Vortrag über Verkehrssicherheit gehalten und all diese Dinge angesprochen. Kurze Zeit später sei eine ältere Frau, die dunkel gekleidet gewesen sei, auf dem Weg zur Kirche wenige Meter vom Gotteshaus entfernt angefahren worden, weil sie an unübersichtlicher Stelle die Fahrbahn überquert habe. "Da habe ich natürlich sofort nachgefragt", berichtet Pyka. Die Dame sei nicht in seinem Vortrag gewesen, habe er als Antwort erhalten. Möglicherweise hätte es ihr das Leben gerettet, wenn sie sich Zeit für den Vortrag genommen und die Hinweise Pykas befolgt hätte.

Nicht nur die älteren Fußgänger sind zu sorglos, wenn es um die Sicherheit im Straßenverkehr geht. "Was haben wir für die Schulkinder nicht alles bereitgestellt?", fragt der Verkehrswacht-Vorsitzende rhetorisch. "Nach kurzer Zeit setzten die Abc-Schützen die Mützen nicht mehr auf, ließen die Reflektoren zu Hause", bedauert Roland Pyka die Sorglosigkeit. Er wird jedoch nicht müde, weiter als Wanderprediger in Sachen Verkehrssicherheit auf Tour zu gehen, wenn er zu einem Vortrag eingeladen wird.


So viele Verkehrstote wie lange nicht mehr

Georg Pabstmann legt die Stirn in Falten, wenn er auf die Zahlen blickt: "Wir haben heuer so viele Verkehrstote im Landkreis wie lange nicht mehr. Bislang starben neun Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr." Fünf davon waren Fußgänger, darunter drei Senioren. Alle waren dunkel gekleidet, auch der 18-Jährige, der vor einigen Wochen bei Höfles ums Leben kam. Pabstmann ist Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Kronach und hat die Statistik im Blick.

Die Zahlen und Fakten zeigen, was wichtig ist: "Wir müssen die Leute sensibilisieren, dass sie sichtbar sein müssen, wenn sie abends unterwegs sind!" Am vergangenen Donnerstag, als ein 77-jähriger Fußgänger bei Dörfles ums Leben kam, war es finster, Nieselregen sorgte für schlechte Sicht. Auf freier Strecke, wo es keine Ortsbeleuchtung gibt, überquerte der dunkel gekleidete Mann die Straße. Auch sein anthrazitfarbener Schirm reflektierte nicht.


Reflektoren sind wichtig

Georg Papstmann weiß aus der Statistik, dass 90 Prozent aller Autofahrer, die nachts einen Fußgänger anfahren, aussagen, sie hätten die Person nicht gesehen. "Der Lichtkegel eines fahrenden Autos wandert von unten nach oben", sagt Pabstmann. Deshalb seien Reflektoren an Schuhen und Beinkleidern besonders wichtig. Es gebe Regenschirme mit eingearbeiteten Reflektorbändern.

Der Brems- und Anhalteweg des Autofahrers werde von Fußgängern oft unterschätzt. Die Fußgänger sähen die Scheinwerfer, der Autofahrer könne sie aber nicht erkennen. "Wenn ein Fußgänger dunkel gekleidet ist, kann man ihn erst in einer Entfernung von 25 Metern erkennen. Wenn er helle Kleidung trägt, ist er schon auf 40 Meter sichtbar. Trägt er reflektierende Applikationen, merkt das der Autofahrer schon in 140 Meter Entfernung", sagt Pabstmann und bittet alle Fußgänger, diese Hinweise zu beachten.