Ihr halbes Leben verbrachte Erika Längenfelder im Dienste der Kirche. Ihr halbes Leben war sie als Pfarrsekretärin Dreh- und Angelpunkt im Pfarrbüro und ein halbes Leben identifizierte sie sich mit ihrem Beruf, mit ihrer Arbeit. Nun war der Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen. Abschied von einem erfüllten Arbeitsleben, von manchmal hektischen Stunden, vielen Telefonaten und Gesprächen.

Erika Längenfelder hat 30 Jahre lang im kirchlichen Dienst gearbeitet, angefangen in Zeyern, als der damalige Pfarrer von Steinwiesen, Geistlicher Rat Hans Böhlein, diese Pfarrei mit betreute.

1989 "übersiedelte" die Pfarrsekretärin in die Pfarrei St. Marien in Steinwiesen und musste sich im Laufe der Jahre mit drei verschiedenen "Chefs" auseinandersetzen (Pfarrer Hans Böhlein, Pater Stanislaus Szulhaczewicz C.R.
und Pfarrer Richard Reis), zahlreichen Pfarrgemeinderäten, Kirchenpflegern und Kirchenräten, ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften. Sie hat viele Menschen kennengelernt.

Nun hieß es Abschied nehmen und welcher Rahmen konnte dazu würdiger sein, als die letzte feierliche Maiandacht. Die scheidende Pfarrsekretärin ist eine glühende Marienverehrerin und deshalb hatte als Überraschung die Schola des Gesangvereins "Cäcilia" Steinwiesen kurz entschlossen ein altes Marienlied eingeübt.

In seiner Laudatio ging Pfarrer Richard Reis auf die langen Jahre des Wirkens von Erika Längenfelder ein. Der Beruf der Pfarrsekretärin besteht nicht nur darin, als Schreibkraft zu arbeiten, Messen anzunehmen und die Öffnungszeiten ihrer Pfarrkanzlei wahrzunehmen.

Die Organisation von Taufen, Kommunionen, Trauungen, Sterbefällen und vielem mehr kann manchmal eine ganz schöne Herausforderung sein.

Erste Anlaufstelle

Sie war die erste Anlaufstelle bei den Fragen, die viele Menschen haben, die erste, die Kontakte hergestellt hat, die sich auch um Verzweifelte gekümmert und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht hat.

"Es ist erstaunlich, wie Erika dies alles unter einen Hut gebracht hat, ich durfte die Erfahrung vor sieben Jahren machen, als ich hier in Steinwiesen anfing", erinnerte sich Pfarrer Reis.

"Seine" Erika sei immer dagewesen, gerade am Anfang, als er sich noch nicht so ausgekannt habe. "Es ist ein Allroundberuf, der eine große Herausforderung darstellt aber auch viel Freude bringt. Erika hat mit viel Engagement und Hingabe im Pfarrbüro sozusagen ein zweites Zuhause gefunden", sagt der Priester.

"Behüt Sie Gott"

Und noch eines wird in Zukunft im Pfarrbüro fehlen. Der kleine Ansteck-Button, der immer auf dem Schreibtisch von Erika Längenfelder gelegen hat: "Ich lieb's ja so - mein Pfarrbüro!". Eine Aussage, die die Pfarrsekretärin 30 Jahre lang für sich getroffen hat.

Es fiel deshalb Pfarrer Reis nicht leicht, sie gehen zu lassen. Und sein "Vergelt's Gott für alles und Behüt Sie Gott" kamen deshalb ganz tief aus seinem Herzen und aus dem Herzen aller "Pfarrkinder", die "ihre" Erika in all den Jahren ebenso liebgewonnen hatten.

Auch Kirchenpfleger Walter Schmittdorsch und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Klaus Wunder sagten Erika Längenfelder Dank. "Ihr war keine Arbeit zu viel, sie war sich zu nichts zu fein und stand uns immer hilfsbereit zur Seite", sagte Schmittdorsch. Und Klaus Wunder meinte mit einem Augenzwinkern, dass ihr geliebter Seniorentreff jeden Monat stattfindet und sie auch weiterhin hier herzlich willkommen sei.

Geschenke von Pfarrer Reis, der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderates sowie ein großer Applaus der Maiandachtbesucher rundeten die letzte feierliche Maiandacht zu Ehren der Mutter Gottes und zum Abschied von Erika Längenfelder ab. Ein kleiner Stehempfang im Pfarrsaal schloss sich an.