Sollte es in ein paar Jahren im Kindergarten eine Gruppe mit Lenas, Emmas, Bens und Emils geben, wäre das nicht verwunderlich. Bei den genannten Vornamen handelt es sich um die häufigsten, die von Eltern im Kreis Kronach 2019 vergeben wurden. Was all diese Namen gemein haben: Es gibt keine Kurzform.

So geht Platz 1 der beliebtesten Vornamen bei den Mädchen an Lena - die Kurzvariante von Helena, der "strahlend Schönen". Beim drittplatzierten Jungennamen Ben - der Bedeutung nach ein "Glückskind" und Dauerbrenner bei Kronacher Eltern - handelt es sich um die Kurzform von Benjamin.

"All diese Namen können nicht gekürzt werden und sind bei den Eltern nach wie vor beliebt", weiß der Kronacher Standesbeamte Harald Suffa-Blinzler. Das Risiko, dass das eigene Kind einen zuweilen ungeliebten Spitznamen verpasst bekommt, ist somit minimiert.

Auch bei den Zweitnamen halten es Kronacher Eltern gerne kurz: "2018 wurde 270 Kindern nur ein Vorname gegeben. Im vergangenen Jahr waren es schon 306 - bei 456 Kindern, die hier geboren und damit im Kronacher Standesamt registriert wurden", berichtet Suffa-Blinzler.

Der Standesbeamte hat schon manches Kuriosum erlebt: "Einmal haben Eltern ihr Kind Neo nennen." Den Namen habe der 58-Jährige nicht gekannt. "Für mich war das die altgriechische Vorsilbe ,neu‘." Der Vater habe ihn dann gefragt: "Kennen Sie denn den Film Matrix nicht?"

So eine Namensschöpfung ist noch harmlos in Vergleich zu anderen, die Eltern in Deutschland ihren Kindern bereits gegeben haben. Da wären Filou, Nussi oder Sheriff - um nur einige zu nennen.

Beliebt sind auch Namen von Filmfiguren, wie Tarzan, Winnetou, Schneewittchen und Cinderella. Sie alle wurden genehmigt. "Die Geschmäcker der Gestecker sind verschieden", weiß Suffa-Blinzler.

Ob ein Vorname akzeptiert wird, entscheidet am Ende der jeweilige Standesbeamte. Suffa-Blinzler hat nach eigener Aussage noch nie Eltern ihren Wunschnamen verweigern müssen. "Das muss im jeweiligen Einzelfall entschieden werden. Ich frage bei ungewöhnlichen Namen immer nach, warum sie diesen ausgesucht haben."

Bei Adolf hört der Spaß auf

Das sei zum Beispiel der Fall, wenn ein geschlechtsneutraler Name, wie etwa Kim, für den Nachwuchs ausgesucht wurde. "Dann rate ich den Eltern dazu, als Zweitnamen einen zu wählen, der das Geschlecht eindeutig bestimmt."

Damit Suffa-Blinzler einen Namen tatsächlich ablehnt, gehöre schon einiges dazu. "Das ist heutzutage sehr schwierig. Die Eltern hätten immer noch die Möglichkeit, zu klagen. Ich würde es nur dann machen, wenn es ethischen oder demokratischen Grundsätzen widerspricht." Für den Kronacher Standesbeamten wäre beim Vornamen Adolf eine Grenze überschritten. "Da würde ich den Eltern raten, noch einmal stark darüber nachzudenken."

Klima-Aktivistin ohne Einfluss

Suffa-Blinzlers persönlicher Favorit aus dem vergangenen Jahr sei Rafael gewesen. "Generell merkt man, dass in religiösen Gegenden wie Kronach gerne Namen aus der Bibel vergeben werden, während in Großstädten zum Beispiel moderne Namen beliebter sind."

Übrigens: Die mediale Präsenz der Klima-Aktivistin Greta Thunberg hatte auf die Beliebtheit ihres Vornamens keine Auswirkung: Zwei Kinder wurden im vergangenen Jahr so genannt - 2018 waren es noch vier.

Die beliebtesten Vornamen 2019 in Kronach (Häufigkeit)

Mädchen:

1. Lena (6)

2. Emma, Lea, Lina, Lotta, Marie (5)

3. Alma, Amelie, Ella, Lucy, Luisa (4)

Jungs:

1. Elias (9)

2. Emil (8)

3. Ben, Hannes, Moritz (7)

4. Liam (5)