Es ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, wie eng die lokale Wirtschaft miteinander verwoben ist. Die Frankenwaldklinik kündigt an, dass sie für eine gewisse Zeit keine Terminpatienten mehr annimmt - und finanziell sind auch die Taxifahrer betroffen.

"Wir fahren viele Dialyse-Patienten in die Klinik", erklärt Karl-Heinrich Dauer. Diese Fahrten sind von einem Tag auf den anderen weggebrochen. Zwar nimmt die Frankenwaldklinik inzwischen wieder Terminpatienten an. Von annähernd rentablen Fahrgastzahlen können Kronachs Taxiunternehmer derzeit trotzdem nur träumen. Sammeltransporte mit bis zu vier Patienten sind aufgrund der Hygienevorschriften nicht möglich. "Wir müssen jeden Patienten einzeln fahren." Hinzu kommt, dass derzeit ohnehin kaum jemand Taxi fährt. "Das Abend- und Nachtgeschäft war vor Corona schon schwach. Aktuell sind wir vielleicht noch bei 20 Prozent der Fahrgäste, die wir noch vor einigen Jahren hatten."

Dauers Kollege Alexander Angles berichtet aus den vergangenen Wochen, dass es spürbar ruhiger wurde. Aber auch bereits in der ersten Corona-Welle hat er einen Arbeitstag zum Vergessen erlebt: Eines Tages stand er vier Stunden am Bahnhof - "ohne einen einzigen Fahrgast."

Die Taxifahrer in Bayern, vor allem in München, sind sauer, dass die Corona-Hilfen bei ihnen nicht das halten, was sie versprechen. Der Taxiverband München (TVM) und der Landesverband Bayern haben dem Ministerpräsidenten vorgerechnet, dass 3300 Taxis in der Hauptstadt lediglich 2300 derzeit noch gebraucht werden. Der Lockdown habe dem Taxigewerbe deutschlandweit den Boden unter Füßen weggezogen, heißt es in dem Schreiben. Sollte die Pandemie weiter ihre Kreise ziehen, sehen die Schreiber bis Ende 2021 mit einem Verlust von 80 000 Arbeitsplätzen.

Eines der Probleme liegt auf der Hand. Taxis erhalten eine Konzession vom Landratsamt und unterliegen somit einer Beförderungspflicht - während Mietwagen davon nicht betroffen sind. Sie erfüllen einen Teil des Mobilitätsplans, auch im Landkreis Kronach. Wegen der damit verbunden Betriebspflicht kann sich ein Taxifahrer nicht so einfach in Kurzarbeit verabschieden. Die Berufsfahrer fühlen sich im Vergleich zu anderen Branchen, aber auch Mobilitätsunternehmen - Bus, Bahn, Luftverkehr, Autohersteller - nicht genügend vom Staat unterstützt.

"Überbrückungshilfen erkennen zwar Ladenmieten an, die Fahrzeugfinanzierung (Tilgung) wird aber nicht als Kosten anerkannt", heißt es in dem Schreiben. Kurz gefasst: Das bayerische Taxigewerbe brauche dringend Staatshilfe.

Kronachs Taxifahrer jammern nicht. Sie erzählen von diesem Jahr mit einer Haltung, die sagt, es wird schon weitergehen. Auch wenn die Probleme sich häufen. Vier Taxen und zwei Mietwagen hat Taxi Angles im Einsatz, der Fuhrpark von Dauer ist 32 Fahrzeuge groß. Die beiden Unternehmer teilen sich die Fahrten auf. Normalerweise müssen sie 24 Stunden im Einsatz sein. Wie in anderen Landkreisen hat das Landratsamt in Kronach diese Pflicht gelockert. "Nach 20 Uhr haben wir quasi keinen Fahrgast mehr", erzählt Alexander Angles. "Und nach 21 Uhr dürfen wir nun auch keine Fahrgäste mehr transportieren", erinnert sein Kollege.

Nachts nichts los

Alexander Angles ist derzeit Angestellter bei seinem Vater Roland und erklärt, dass die vergangenen Wochen alles andere als leicht für die Fahrer in Kronach gewesen sind. Vor der "Zentrale", dem Familienhaus in Knellendorf, steht sein Taxi und vor allem ein roter Aufkleber, der auf die Mundschutzpflicht hinweist, zeugt von einem außergewöhnlich fahrtenarmen Jahr für die Branche.

Der Taxifahrer zählt auf: Das Nachtleben sei quasi komplett ausgefallen - selbst in den Zeiten der Lockerungen sei es nicht vergleichbar gewesen mit den vergangenen Jahren. In der Frankenwaldklinik wurde weniger operiert. Patienten, gerade zur Dialyse, sind nun mal ein Hauptkundenstamm der Taxiunternehmer.

Außerdem hat sich dieses Jahr noch etwas verändert, das überhaupt nichts mit Corona zu tun hat. Das neue Mobilitätskonzept im Landkreis Kronach haben die Taxifahrer auch gespürt. "Das hat uns viele Stammkunden genommen", berichtet Karl-Heinrich Dauer nüchtern. Die Fahrgäste steigen auf den günstigen Rufbus um.

Auch der Ausblick in die nächsten Wochen ist eher düster. Schulfahrten finden nicht mehr statt. Das Silvestergeschäft fällt aus. Dabei sei das ohnehin nicht so rentabel wie viele denken. Vor 0 Uhr wolle kaum jemand gefahren werden. Nachdem die Sektkorken geknallt haben, dafür plötzlich umso mehr und am liebsten gleichzeitig.

Auch stehende Taxis kosten Geld

Zwischenzeitlich, im Sommer, habe sich der Betrieb kurzzeitig normalisiert. "Wir haben uns tagsüber an die Zeiten vor Corona herangepirscht", erinnert sich Alexander Angles. Doch mit dem zweiten Lockdown kam der nächste Einbruch. Die Versicherung spiele immerhin mit.

Einen Bus hat das Unternehmen stilllegen lassen und auch eine Corona-Hilfe vom Staat hat das Unternehmen erhalten. Aber wie die Hilfen für Taxiunternehmen im zweiten Lockdown aussehen, davon ist noch nichts bekannt. "Es wird wohl wieder Hilfsgelder geben. Aber wie viel es sein wird und ob es uns was bringt, das weiß ich nicht."

Und selbst wenn die Taxiunternehmer einige Fahrzeuge abmelden: "Wenn ich die Autos drei Monate nicht bewege, ist das Fahrwerk korrodiert", merkt Karl-Heinrich Dauer an. "Bei zehn Fahrzeugen ist das eine Menge Geld, das uns niemand bezahlt." Ans Aufgeben denkt der Taxiunternehmer in vierter Generation nicht.

Aber die Zeit arbeitet gegen ihn. Zwei Monate, rechnet Dauer, kommen er und seine 35 Mitarbeiter in der aktuellen Situation über die Runden. Alles darüber hinaus kostet wohl Arbeitsplätze.