Wie wird eine Stadt versorgt, die einige Tausend Bewohner hat? Heute erledigen das Logistikunternehmen und Supermarktketten; die Waren werden meist mit Lastwagen über die Autobahnen transportiert. Doch wie wurde die keltische Stadt auf dem Staffelberg vor 2000 Jahren mit Waren beliefert?

Nahrungsmittel und Holz bezogen die Staffelberg-Bewohner wohl aus der Umgebung. Die Stadt mit mehreren Tausenden Einwohnern benötigte große Mengen an Nahrungsmitteln, wahrscheinlich sogar mehr als aus dem unmittelbaren Umland gedeckt werden konnte. Also mussten Getreide sowie Metalle und Rohstoffe, vielleicht auch Schlachtvieh herantransportiert werden. All das, was die Handwerker der Stadt nicht selbst töpferten, schneiderten oder zimmerten wurde importiert. Historische Münzen aus dem mediterranen Raum, die auf dem Staffelberg gefunden wurden, verdeutlichen die regen Handelsbeziehungen zu weit entfernten Regionen.

Die Wissenschaft vermutet schon lange, dass die Transporte zum Staffelberg nicht nur auf dem Landweg, sondern auch auf dem Wasser bewerkstelligt wurden. Der Main bietet sich als natürliche Wasserstraße an. Vor 2000 Jahren war der Fluss jedoch nicht kanalisiert, er mäanderte in weit ausschwingenden Schleifen durchs Tal. Flachen Kähnen bot er aber genügend Wasser unter dem Kiel.

Zufall kam Forschern zu Hilfe


Wo aber befand sich der Hafen - jener Umschlagplatz, an dem die Fracht gelöscht wurde? Nun kam der Zufall der Forschung zu Hilfe. Im Zuge des ICE-Trassenbaus werden die Flur und die Flussufer zwischen Unterzettlitz und Wiesen völlig neu modelliert. Eine Flussschleife wurde künstlich angelegt, das Ufer mit dem Bagger angeschnitten.

Die Hobbyarchäologen Bernhard Christoph und Anton Köcheler untersuchten diesen Ort am Main zwischen Unterzettlitz und Wiesen. Beim Auswerten der Funde kamen sie zu einem erstaunlichen Ergebnis: Genau hier muss der Hafen der Staffelberg-Stadt Menosgada gewesen sein.

Etliche Fundstücke - Keramikscherben und eine Spinnwirtel - lassen den Schluss zu, dass hier eine Siedlung lag. "Aber die Leute waren damals nicht so dumm, ihre Wohnhäuser im Überschwemmungsgebiet zu bauen", sagt Bernhard Christoph. Einige Hundert Meter weiter, auf einer höheren Kiesterrasse, wäre die Topographie günstiger, dort wäre eine Wohnsiedlung vor Hochwasser sicher. Hafenanlagen und Speicher hingegen baut man direkt an den Fluss.

Die zahlreichen Siedlungsspuren unmittelbar am Wasser stützen die Theorie, dass der Hafen hier gewesen sein müsse. "Die sind hier zweimal abgesoffen", erzählt Bernhard Christoph, das lasse sich aufgrund der schwarzen Sedimentschichten schließen, die beim Sondieren des Areals in der angeschnittenen Uferböschung gefunden wurden.

"Die Entfernung zum Staffelberg ist hier ideal", fährt er fort und deutet mit dem Arm die Luftlinie zur Felskrone an. Die Distanz zwischen Main und Staffelberg sei von hier aus am kürzesten - also ideal, um Waren zu entladen und mit Lasttieren oder Wagen auf den Berg zu schaffen.

Der Landwirt und ehemalige Unterzettlitzer Bürgermeister Georg Würstlein (85) kennt jeden Weg, jeden Rain und jeden (Mark-) Stein in der "Zelzer Flur". Er bestätigt, dass Bauern bei der Feldarbeit immer wieder auf Relikte und Artefakte längst vergangener Zeiten stoßen, unter anderem hier unten, am Main. Auch Georg Würstlein hat hier Felder und fand schon manche Tonscherbe.

Auf einem anderen seiner Felder auf dem nahe gelegenen Birkenberg wurden in den vergangenen Jahrzehnten viele Steinwerkzeuge und Keramikscherben aus nahezu allen steinzeitlichen Epochen gefunden.

Felssockel aus der Liaszeit


Im Lauf der Jahrtausende bildete der Main hier immer neue Schleifen und Flutmulden. An der Felsformation des Birkenbergs machte er sich jedoch vergeblich zu schaffen. Der Buckel aus Liasschichten widerstand der Gewalt des Wassers, so dass der Fluss den Birkenberg zunächst links umging, ihn umfloss und ihn heute rechts passiert. Als Umlaufberg bildete der Felsbuckel eine Insel, die den Menschen optimalen Schutz vor den Naturgewalten bot.
Georg Würstlein steht dem Hobbyarchäologen Bernhard Christoph immer wieder mit wertvollen Tipps zur Seite. Hin und wieder ziehen die beiden los, um bei einer Exkursion über alte Flurgrenzen, den einstigen Verlauf der Landwehr oder ehemalige Bahnübergänge zu sprechen.
Für Bernhard Christoph ist es wichtig, das Wissen der vorhergehenden Generationen zu erfahren und zu sichern. Daraus lassen sich Schlüsse ziehen. Aus diesen Mosaiksteinchen entsteht so ein buntes Geschichtsbild der Region am Obermain.