Es ist schon ein steiler Aufstieg zum Kaltbucher Knoch. Doch ist man erst einmal oben, taucht plötzlich ein imposanter, aus Stein gemauerter Turm auf. Mächtig und unverwüstlich steht er dort, auch wenn sein quadratischer Sockel schon mit Moos überwuchert ist und auch eine kleine Fichte suchte sich das Mauerwerk des Lucas-Cranach-Turmes aus, um dort zu sprießen.

Herrlich idyllisch ist es dort oben, auf der kleinen Lichtung im Mischwald - da möchte man verweilen.
Die Menschen, die auf Einladung des Frankenwaldvereins anlässlich des 100. Geburtstags des Aussichtsturms gekommen sind, lassen anhand ihrer Kleidung ahnen, dass das Jubiläum ganz im Zeichen der Natur steht: Braun, dunkelgrün und beige sind die Farben, die die Kleidung dominieren. Wald und Natur signalisieren sie. Mit Wanderstock und festem Schuhwerk ausgestattet sind zahlreiche Naturliebhaber hoch gewandert.


Passend zum Thema spielt auch das Bläsercorps des Jagdschutz- und Jägerverbands Kronach unter der Leitung von Heiner Reuss auf und untermalt außerordentlich gelungen die Feier.

Robert Strobel, Hauptvorsitzender des Frankenwaldvereins (FWV), erinnerte an die Zeit der Industrialisierung. Die daraus resultierende Gegenbewegung und die damit verbundene Hinwendung zur Natur ließen viele Heimat- und Wandervereine entstehen. Ihr Ziel: Die Schönheit der Natur zu genießen - und so entstand auch dieser Turm.

Gedenktafel enthüllt

Eine besondere Bereicherung war es, dass der Enkel des Baumeisters Franz Haun, Hans Hablitzel, Präsident des Lions Clubs Kronach, anwesend war. Im Namen des Lions Clubs Kronach enthüllte er zusammen mit Robert Strobel eine Gedenktafel, die neben der Eingangspforte angebracht wurde.

Anlässlich des Jubiläums gab Hablitzel einen kurzen Überblick über die Baugeschichte des Lucas - Cranach - Turms:

Zunächst bestand der "Aussichtsturm" nur aus einem Steinhaufen auf dem Kaltbucher Knock, der später durch einen einfachen Holzturm ersetzt wurde.

Schon im August 1913, also vor genau 100 Jahren, ging dann ein lang gehegter Wunsch der Kronacher in Erfüllung: die Fertigstellung eines gemauerten Aussichtsturmes auf dem Kaltbucher Knock, zunächst als "Kaltbucher Turm" bezeichnet. Erst später wurde er nach dem Renaissance-Maler und Sohn Kronachs, Lucas Cranach (1472-1553) benannt. "Protagonisten dieses Vorhabens waren damals der Reallehrer Ludwig Huber, Regierungsrat Karl Loy und Baumeister Franz Haun, alle Mitglieder der jungen Ortsgruppe Kronach des FWV." Für rund 4000 Mark wurde der Turm zum billigsten Aussichtsturm in Deutschland.

Am 23. August 1913 wurde der Turm fertig gestellt: 88 Stufen und 22 Meter Höhe, auf 494 Metern Meereshöhe auf dem Kaltbucher Knock.

Die Natur kann als Erholungsort gesehen werden, zum Abschalten in der schnelllebigen Zeit. Diese Botschaft steht am Tag des Jubiläums im Vordergrund.

Auch Weißenbrunns Bürgermeister Egon Herrmann (SPD ), Kronachs Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) und weiterer Stellvertreter des Landrats Bernd Steger (FW) freuten sich über das Jubiläum des Bauwerks, das seit 100 Jahren eine wunderschöne Aussicht über den Frankenwald bietet. Egon Hermann entdeckte beim Blick in alte Zeitungen einen Bericht über die damalige Einweihungsfeier: "Auf Grund heftiger Gewitter und Regenfällen wurde diese von den Journalisten "Einweichungsfeier" genannt." Doch soviel konnte der Regen damals dem Turm nicht anhaben, denn er steht noch heute felsenfest auf der Lichtung.