Nach dem Urlaub direkt in die Quarantäne - so erging es unserem Leser Thomas Bickel. Der verbrachte seinen diesjährigen Sommerurlaub mit seiner Frau auf den Kanaren. Das Paar war erst ein paar Tage auf Fuerteventura, bevor es seine Reise auf Lanzarote ausklingen ließ - und das sehr entspannt. "Gefühlt ist man auf beiden Inseln momentan alleine", freute er sich noch vor einer Woche.

Nur die Hälfte der Hotels hätten geöffnet - und die seien auch nur zu etwa 50 Prozent ausgelastet, erzählte Bickel, der sich aufgrund dieser Ruhe auf einer einsamen Finca wähnte. "Wenn man die Ruhe sucht, gibt es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt." Doch das böse Erwachen kam kurz vor der Abreise: Nachdem das spanische Festland und die Balearen bereits zum Risikogebiet erklärt worden sind, zog das Auswärtige Amt Ende vergangener Woche nach und warnt seitdem auch vor Reisen auf die Kanaren. Thomas Bickel und seine Frau wurden von dieser Entwicklung überrascht, hatten sie sich während ihres Urlaubs stets sicher gefühlt. "In Bezug auf das Maskentragen sind alle hier sehr vorbildlich und die Hygienemaßnahmen werden super eingehalten", berichtete er noch kurz zuvor.

Doch es nützt nichts: Thomas Bickel meldete sich am Freitag kurz vom Flughafen in Lanzarote. "Voraussichtlich landen wir um 16 Uhr in Frankfurt am Main. Danach gehen wir gleich zum Corona-Test und dann nach Hause in die fränkische Heimat." Und vorerst in Quarantäne. Bis das Ergebnis feststeht, muss jeder Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet zuhause bleiben (siehe unten).

Während in vielen Urlaubsregionen alles dafür getan wird, das Corona-Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, scheinen die Einheimischen andernorts die Pandemie auf die leichte Schulter zu nehmen: Unser stellvertretender Chefredakteur Christian Holhut verbrachte die zweite August-Hälfte auf Korsika. "War die schöne Insel zu Beginn der Reise noch grün gefärbt auf der französischen Corona-Karte, ist sie mittlerweile tiefrot", fasst er besorgt zusammen.

Insbesondere im bei Touristen beliebten Süden dürfte sich wohl bald das rächen, was Christian Holhut im Urlaub erleben musste: "Begonnen bei Schutzmaßnahmen vorm Betreten der Fähre, die aus einer Fiebermessung am Handgelenk und der Nichtbeachtung der Covid-Selbsterklärung bestanden, über maskenlose Barkeeper bis hin zur grundsätzlichen Erkenntnis, dass wirkliche Maskendisziplin am ehesten noch bei deutschen Touristen zu erkennen war." Letztere seien heuer in der Minderheit gewesen - französische Kennzeichen prägten die Straßen.

Desinfektionstand ersetzt keine Disziplin

Zwar habe unser stellvertretender Chefredakteur seinen Urlaub abseits des Gedränges in den Gassen von Touristen-Hotspots wie Bonifacio und Porto Vecchio an den heuer dünner belegten Traumstränden und in erfrischenden Badegumpen der Bergflüsse trotzdem genossen. "Desinfektionsmittel allerorten ersetzt aber leider weder die "AHA-Regel" noch eine gewisse Disziplin, auch nicht draußen bei konstant warmen Temperaturen und leichter Brise."

Argloses Verhalten in Sachen Vorsicht und Hygienevorschriften war jedoch eher die Ausnahme, wie unsere Leser berichten. Michael Schwämmlein war heuer bereits zum dritten Mal im selben Hotel in Analipsi, einem ehemaligen Fischerdorf an der Nordküste Kretas. Bereits bei der Ankunft am Flughafen seien stichprobenartig Corona-Tests durchgeführt worden, dann konnte der Urlaub beginnen. "Im Flughafen und im Taxi noch Maskenpflicht, im Hotel tragen nur die Angestellten Gesichtsschutz."

Die Hotelmitarbeiter hätten Desinfektionsmittelständer aufgestellt und Abstandsmarkierungen angebracht. "Das Essen am Buffet wird von Angestellten auf den Teller serviert und auch Getränke sind nicht zum selbst zapfen", schildert der Griechenland-Urlauber. Auch bei den Liegen am Pool werde Wert auf Abstand gelegt. Das sei aber kein Problem gewesen. "Viele Liegen sind den ganzen Tag über frei." Ob die Hotels auf Dauer die Corona-Krise überstehen, ist fraglich: "Der Taxifahrer auf der Fahrt zum Hotel meinte, dass viele Hotels gar nicht geöffnet haben und einige von diesen nie wieder öffnen werden."

Auch in Kroatien keine Spur von Warteschlangen oder Handtuchschlachten am Pool. "Weder überfüllte Strände noch Läden. Die Sehenswürdigkeiten waren auch eher rar besucht", berichtet Nadja Schumann, die zwei Wochen in Istrien war. Melly Feulner war mit ihrem Mann und den drei Kindern bereits zum achten Mal in Rovinj und hat ihre Urlaubsdestination noch nie so leer erlebt.

Auf einem Boot für die Inselrundfahrt, in denen sonst bis zu 60 Personen Platz finden, hätten sie heuer zu elft gesessen - fünf Personen davon seien vom Veranstalter gewesen. "Die Betreiber kämpfen wirklich um jeden Touristen." Die Bedienungen und Mitarbeiter in den Geschäften hätten fast alle Gesichtsschutz getragen - "also wirklich alles top, hätte selbst ich als eingefleischte Kroatienurlauberin nicht erwartet!" Ein wenig merkwürdig sei die Situation schon gewesen. Doch insgesamt, so befindet Melly Feulner, sei der Urlaub so noch entspannter gewesen.

Auch Stephanie Hirt - sie war im österreichischen Zell am See - kann dem etwas anderen Sommerurlaub Positives abgewinnen: "Normalerweise wimmelt es da von Scheichs im berühmten Grand Hotel, aber coronabedingt haben wir nicht einen einzigen gesehen." Während ihres Aufenthalts habe es keine Maskenpflicht gegeben, nur bedingt in den Liften oder wo es beengt war. "Wir haben aber immer brav Maske getragen sowie paar einige wenige auch. Generell war es sehr ruhig und gemütlich." Das Fazit unserer Leser: Urlaub in Corona-Zeiten funktioniert - wenn die Vorsicht in der Sommersonne nicht dahin schmilzt.

Was nach dem Urlaub zu beachten ist

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Zusätzlich muss bei Einreise ein Zeugnis vorgewiesen werden, dass keine Anhaltspunkte auf eine Infektion vorhanden sind, schreibt das Bayerische Ministerium für Gesundheit und Pflege.

Wer das nicht kann, muss sich testen lassen. An den bayerischen Flughäfen, an den größeren Bahnhöfen in Nürnberg und München und an den grenznahen Autobahnen sind Testzentren eingerichtet. Bis das Ergebnis vorliegt, muss sich jeder Bürger in Quarantäne begeben und sich beim zuständigen Gesundheitsamt melden.

Wer einen negativen Coronatest hat, kann die Quarantäne auch vor dem Ende der 14-tägigen Pflicht beenden. Ein zweiter Test nach fünf bis sieben Tagen wird empfohlen, ist aber keine Pflicht.

Wer bewusst ins Risikogebiet gereist ist, erhält keinen Verdienstausfall.