Einer der aktivsten Kreisheimatpfleger feiert am Dreikönigstag seinen 80. Geburtstag. Er hatte über 40 Jahre, bis zum Jahre 2014, dieses Amt inne und hat sich besonders den religionsgeschichtlichen und rechtsarchäologischen Denkmälern im Landkreis Kronach gewidmet. Unter anderem hat er die Ortschronik von Dörfles geschrieben und bei der Herausgabe der Heimatkundlichen Jahresbücher des Landkreises wesentliche Beiträge geliefert. Besonders ist ihm die erste Ausgabe in Erinnerung, die er im Jahre 1974 zusammen mit dem damaligen Kreisheimatpfleger Willi Schreiber verfasst hat. Für Roland Graf ist sein Geburtstag Anlass, innezuhalten und aus seinem Leben als Kreisheimatpfleger zu erzählen.

Die Neugierde als Antrieb

Zum Schreiben sei er durch Spaziergänge mit seiner Frau Sigrid durch den Landkreis gekommen. Damals fielen ihm die oftmals heruntergekommenen Martern auf, die in der weiten Flur des Frankenwaldes oftmals zu sehen sind. "Das hat mich fasziniert, ich wollte mehr über deren Bedeutung, Entstehung und Hintergründe wissen!" Die Neugierde trieb ihn zu Forschungsarbeiten an.

Viele Martern und Kleindenkmäler im Landkreis stehen heute überhaupt nur, weil Roland Graf nicht müde wurde, deren Bruchstücke zusammenzutragen und sie wieder herrichten zu lassen. Dabei musste er oftmals Überzeugungsarbeit bei den jeweiligen Grundstücksbesitzern leisten. In teilweise endlosen Gesprächen erklärte er ihnen, dass ihr Kulturgut der Heimat mit Füßen getreten wurde, dass es eine Geschichte ihrer Vorfahren dazu gibt.

In diesen Erinnerungen spiegelt sich auch die Philosophie des gelernten Fernmeldetechnikers wider: "Heimatpflege kann man nicht vom Schreibtisch aus machen, man muss raus!"

Über 250 Renovierungen

Roland Graf kümmerte sich des Weiteren auch um Fördergelder, befasste sich mit Literatur und Archiven aus den verschiedenen Zeitepochen, damit die Martern wieder an ihre angestammten Plätze zurückkehren konnten. "Es waren mehr als 250 Renovierungen", blickt er auf sein 40-jähriges Wirken zurück.

Die Martern waren aber nicht das einzige Gebiet, auf dem sich Graf in der Heimatpflege engagiert hat. So ist er vor vielen Jahren nicht nur den Landkreis abgelaufen, sondern hat auch in anderen Ländern Exkursionen durchgeführt und sich mit Kleindenkmälern und deren Geschichte befasst. Dabei wurde er oft von seiner Frau und teilweise auch von seinen beiden Kindern Robert und Ute begleitet.

Zum Erfolg seines Wirkens haben einerseits seine Neugierde, sein Wissensdurst und auch seine herzliche und geradlinige Art beigetragen. Mit Beharrlichkeit machte er sich über vier Jahrzehnte lang für den Denkmalschutz stark. Er habe gespürt, dass die Menschen ihm vertrauten, und er spricht von vielen Freundschaften auf nationaler und internationaler Ebene.

Auch die Arbeit des im Jahre 1974 entstandenen Arbeitskreises Heimatpflege bereitete ihm viel Freude und schenkte ihm viele Freunde. Die Veröffentlichung seiner Arbeiten im Fränkischen Tag, die Herausgabe von mehreren Büchern, die vielen Vortragstermine bei der KAB, bei Seniorenkreisen, bei der Polizei und an Universitäten waren für ihn keine Pflicht. Im Gegenteil: Auf diese Art habe er versucht, nicht nur sein Wissen weiterzugeben und die Menschen für die Geschichte ihrer Heimat zu begeistern, sondern auch für ihn waren solche Veranstaltungen mit Lernen verbunden.

Im Jahre 2014 sah Roland Graf den Zeitpunkt gekommen, sein Amt als Kreisheimatpfleger abzugeben. "Alles hat seine Zeit", meint er. Und er lobt seine Nachfolger, die eine gute Arbeit leisten.

Roland Graf möchte die Gelegenheit nun zu seinem 80. Geburtstag nutzen, um sich bei all seinen Begleitern für deren Freundschaft und Unterstützung zu bedanken. Ein besonderer Dank gilt seiner Frau Sigrid, die ihn nicht nur auf allen Exkursionen im In- und Ausland begleitet hat und seine Liebe zur Heimatgeschichte teilte, sondern: "Sie war auch meine beste Kritikerin!"

Neues Buch in Arbeit

Viele Weggefährten von Roland Graf sind schon verstorben. Was ihm bleibt sind Dankbarkeit, Zufriedenheit, Erinnerungen und das gute Gefühl, das Beste aus dem Leben gemacht zu haben. Auch heute noch lässt ihn die Heimatgeschichte nicht los. So wird in wenigen Monaten ein weiteres Buch von ihm erscheinen, welches der Verein "1000 Jahre Kronach" herausbringt. Es handelt diesmal von Handwerkern, Pfuschern und Laien aus alter Zeit.

Eine große Feier wird es wegen Corona nicht geben. Sogar sein Sohn, der mittlerweile seinen Lebensmittelpunkt in Oberbayern hat, sieht aus Vorsichtsgründen von einem Besuch ab. Roland Graf hofft darauf, dass er noch einige schöne Jahre zusammen mit seiner Frau Sigrid verbringen darf. Er hofft auf eine baldige Rückkehr ins normale Leben. Und er meint: "Sobald es die Situation zulässt, wird meine Geburtstagsfeier nachgeholt!"