Die vier Mega-Trends für ländliche Regionen umkreiste sie ebenfalls: Das sei an erster Stelle vor allem die Individualisierung. Körkel: "Es ist momentan nicht die Zeit großer Verbände. Wir müssen andere Möglichkeiten schaffen, um junge Leute für die Landwirtschaft zu interessieren, zum Beispiel mit Projekten." Als zweiten Punkt machte sie die "Silver Society" aus, nämlich die ältere Generation, die Zeit und Erfahrung mitbrächte und integriert werden müsste. "Und wir brauchen die Konnektivität, müssen Dinge und Menschen miteinander vernetzen." Außerdem sei Neo-Ökologie ein heißes Thema. "Hier liegen sehr viele Möglichkeiten. Kunstfleisch wird günstig werden und dieser Trend kommt immer mehr in Rufweite. Wir gestalten diese Veränderung mit."
"Auf die Bühne bitte." Kreisbäuerin Rosa Zehnter nutzte den Landfrauentag, um Verantwortliche und Politiker beim sprichwörtlichen Schopf zu packen und auf die Bühne zu holen. Hier fanden sich dann Regina Burkhardt (AELF), stellvertretender Landrat Gerhard Wunder, die Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann, Domkapitular Thomas Teuchgräber und Kreisobmann Erwin Schwarz ein, um Stellung zu beziehen. So räumte Wunder ein, dass der "Markt schwierig" sei und man andere Wege gehen müsse. "Und wir müssen die Bevölkerung mitnehmen."
Trend zu "Made in Germany"
Regina Burkhardt wies vor allem darauf hin, dass der Begriff "regionale Lebensmittel" überstrapaziert werde. Aber sie war sich sicher: "Es wird weiterhin Landwirtschaft und Lebensmittel geben." Der Trend gehe immer weiter Richtung "Made in Germany." Burkhardt: "Die Ausfuhr von bayerischen Lebensmitteln ist letztes Jahr um 2,6 Prozent gestiegen." Auch Angela Hofmann verbreitete positive Stimmung: "Mut und Verantwortung gehören zusammen. Wir werden die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft unterstützen und unseren Beitrag leisten für ein faires und gerechtes Kronach." Auf die Verschwendung von Lebensmitteln ging Pfarrer Teuchgräber ein. Er vertrete den Standpunkt, dass sich hier auch die Kirche zu Wort melden müsse. "Es ist eine Katastrophe, den Preis ständig zu drücken. Wir sind dafür, dass Menschen regional kaufen sollten." Er mahnte Demut, Ehrlichkeit und Fairness an.
In gewohnter Kampflaune war Kreisobmann Erwin Schwarz. "Da gibt es von der Politik eine Milliarde Euro für die Landwirte, das sind 10 000 Euro pro Betrieb. Das ist ein Almosen und eine Frechheit. Vorher wurden den Landwirten drei bis fünf Milliarden weggenommen und eine bekamen wir wieder zurück. Und jetzt sollen wir gefälligst stillhalten. Mit ein paar Euro hat der Bürger dann sein Gewissen mit Persil reingewaschen. Die Rohstoffe werden knapp, wir müssen zurückrudern. Aber gerade das wird in der Lebensmittelversorgung gar nicht möglich sein."
Aktuelles aus der Landfrauenarbeit hatte Landesbäuerin Anneliese Göller mitgebracht. Ihr Schlachtruf: "Klimaschützer kaufen regional!" Mit dem Einkauf bestimme der Verbraucher nämlich vor allem die Herkunft der Produkte und steuere die Nachfrage. Und sie lobte die Landfrauen für ihre Bildungsarbeit. "Sie sind bis ins kleinste Dorf vernetzt. Es gibt Bildungsangebote vor Ort, in Schulen und Kindergärten, den Tag des offenen Hofes und ganz viele andere Initiativen." Der Verbraucher wolle informiert sein, deshalb müsse man in den Dialog treten. Das geschehe unter anderem mit dem neuen Projekt: "Frühstück auf dem Bauernhof." Diese Veranstaltung werde es in diesem Jahr am 16. und am 17. Mai geben. Unterwegs sind laut Göller auch die "Vitamindetektive",
die den Vitaminen auf der Spur seien. Am Ende erinnerte sie: "Frauen in die Politik, sie sind mehr als die bessere Hälfte." Sie regte an, ein politisches Netzwerk zu gründen, denn "wir wollen auch in einigen Jahren noch bayerisches Schweinefleisch auf dem Teller haben."
Und wie man Arbeitskleidung richtig präsentiert, das wussten die Landfrauen auch: Nämlich mit einer Modenschau. Stellvertretende Kreisbäuerin Marina Herr: "Das ist für uns immer ein großes Thema. Aber wir wollten nicht immer nur Trachtenmode präsentieren, deshalb haben wir uns in diesem Jahr für Arbeitskleidung entschieden." Ohne große Umstände wurden die Gänge zum Catwalk und die Akteure zu selbstbewussten Models.
Für die musikalische Umrahmung sorgte das Blechbläserensemble der Berufsfachschule für Musik unter der Leitung von Ronja Dittmar.