"Wir auf dem Land müssen uns nicht von der Stadtbevölkerung sagen lassen, wie wir unsere Arbeit zu machen haben." Mit dieser Bemerkung holte sich Kreisbäuerin Rosa Zehnter die Zustimmung eines ganzen Saales voller Menschen. Ins Kronacher Schützenhaus hatten die Landfrauen eingeladen, und sie wussten ganz genau, wovon sie sprachen. "Die Landwirtschaft prägt die Region und wir prägen die Landwirtschaft."

Aber auch Zweifel schlichen sich in die Reden und standen wie Mahnmale zwischen Zuversicht und Hoffnung. "Die Politik muss sich Gedanken machen. Wir wissen nicht, ob unsere Betriebe noch eine Zukunft haben. Sind sie in der Politik und in der Gesellschaft überhaupt noch gewollt? Können wir weiter Tiere halten? Es geht um unsere Existenz!"

Wie es funktionieren könnte, zeigte "Mut-Botschafterin" Anne Körkel. Die kommt aus dem Badischen und verbreitete mit ihrem Referat mehr als einen Hoffnungsschimmer. Von sich selbst sagt sie: "Ich bin Unternehmerin, gelernte Landwirtin, Energiebündel und zweifache Deutsche Meisterin im Beet pflügen."

Anne Körkel, die mit einem Bein in der digitalisierten und mit dem anderen in der analogen Welt steht, zupft ihre Hähnchen, die sie verkauft, noch händisch mit der Pinzette. "Jeder Federkiel wird gezogen." Auch das sei Teil ihrer Erfolgsstory, denn Körkel ist bei einer Jahresproduktion von 5000 Hähnchen angelangt, "und das reicht mir vollkommen. Bei mir gibt es keine Edelteile wie eine Hähnchenbrust, bei mir gibt es nur ganze oder halbe Hähnchen." Die dann aber von einer ganz besonderen Qualität und völlig ohne Chemie. Und das wissen auch ihre Kunden, denn Körkel gewährt Einblick in ihre Ställe und auf die Tiere. Sie hatte ihre Kunden sogar einbezogen, als die Tiere die Grippe hatten und so vor der Entscheidung stand: Medikamente ja oder nein? Letztlich sei es auch ohne gegangen, aber nur so könne sie das Vertrauen ihrer Kunden rechtfertigen. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis beschreibt die Unternehmerin so: "Ich friere nicht ein und ich verschicke nicht. Meine Kunden kommen aus einem Umkreis von etwa 80 Kilometern."

Den Stempel "Öko" will sie sich gar nicht aufdrücken lassen, "denn ich bin besser. Die Vorgaben werden von mir übererfüllt, da müsste ich ja einen Schritt rückwärts gehen." Mittlerweile sei sie ein "Demonstrationsbetrieb" für den Tierschutz "und das Alleinstellungsmerkmal bin ich. Jeder Kunde kauft ein Stück von mir." Man müsse seine Verbraucher einfach mitnehmen auf die landwirtschaftliche Reise.

In einer Opferrolle

"Und jetzt sage ich mal etwas zum Thema Mut: Wir sind zwar durch den gesellschaftlichen Druck und den politischen Korsagen am Ende unserer Energie, aber wir verharren auch sehr gerne in einer Opferrolle. Die Zeiten werden aber nicht besser." Mut müsse man wieder lernen, meinte sei, denn er sei ja im Menschen schon vom Tage null an festgelegt. Allerdings halte das nur bis zum dritten Lebensjahr. "Hätte ein Kind die Einstellung eines Erwachsenen, würde es niemals laufen lernen."

Körkel weiter: "Mut ist eigentlich ein Frauenthema. Aber bei den Start-ups liegt der Frauenanteil gerade mal bei 15 Prozent. Was also lässt Frauen nicht machen?" Frauen behielten ihre Ideen leider allzu oft nur im Kopf, bedauerte sie. Man könne sich aber selbst überlisten, indem man Verbindlichkeit schaffe. Sie riet, Absichten in Richtung Selbstständigkeit in den sozialen Netzwerken zu posten, oder sie auch Freunden zu erzählen. "Das schafft Verbindlichkeit. Dann muss man anfangen."

Die vier Mega-Trends für ländliche Regionen umkreiste sie ebenfalls: Das sei an erster Stelle vor allem die Individualisierung. Körkel: "Es ist momentan nicht die Zeit großer Verbände. Wir müssen andere Möglichkeiten schaffen, um junge Leute für die Landwirtschaft zu interessieren, zum Beispiel mit Projekten." Als zweiten Punkt machte sie die "Silver Society" aus, nämlich die ältere Generation, die Zeit und Erfahrung mitbrächte und integriert werden müsste. "Und wir brauchen die Konnektivität, müssen Dinge und Menschen miteinander vernetzen." Außerdem sei Neo-Ökologie ein heißes Thema. "Hier liegen sehr viele Möglichkeiten. Kunstfleisch wird günstig werden und dieser Trend kommt immer mehr in Rufweite. Wir gestalten diese Veränderung mit."

"Auf die Bühne bitte." Kreisbäuerin Rosa Zehnter nutzte den Landfrauentag, um Verantwortliche und Politiker beim sprichwörtlichen Schopf zu packen und auf die Bühne zu holen. Hier fanden sich dann Regina Burkhardt (AELF), stellvertretender Landrat Gerhard Wunder, die Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann, Domkapitular Thomas Teuchgräber und Kreisobmann Erwin Schwarz ein, um Stellung zu beziehen. So räumte Wunder ein, dass der "Markt schwierig" sei und man andere Wege gehen müsse. "Und wir müssen die Bevölkerung mitnehmen."

Trend zu "Made in Germany"

Regina Burkhardt wies vor allem darauf hin, dass der Begriff "regionale Lebensmittel" überstrapaziert werde. Aber sie war sich sicher: "Es wird weiterhin Landwirtschaft und Lebensmittel geben." Der Trend gehe immer weiter Richtung "Made in Germany." Burkhardt: "Die Ausfuhr von bayerischen Lebensmitteln ist letztes Jahr um 2,6 Prozent gestiegen." Auch Angela Hofmann verbreitete positive Stimmung: "Mut und Verantwortung gehören zusammen. Wir werden die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft unterstützen und unseren Beitrag leisten für ein faires und gerechtes Kronach." Auf die Verschwendung von Lebensmitteln ging Pfarrer Teuchgräber ein. Er vertrete den Standpunkt, dass sich hier auch die Kirche zu Wort melden müsse. "Es ist eine Katastrophe, den Preis ständig zu drücken. Wir sind dafür, dass Menschen regional kaufen sollten." Er mahnte Demut, Ehrlichkeit und Fairness an.

In gewohnter Kampflaune war Kreisobmann Erwin Schwarz. "Da gibt es von der Politik eine Milliarde Euro für die Landwirte, das sind 10 000 Euro pro Betrieb. Das ist ein Almosen und eine Frechheit. Vorher wurden den Landwirten drei bis fünf Milliarden weggenommen und eine bekamen wir wieder zurück. Und jetzt sollen wir gefälligst stillhalten. Mit ein paar Euro hat der Bürger dann sein Gewissen mit Persil reingewaschen. Die Rohstoffe werden knapp, wir müssen zurückrudern. Aber gerade das wird in der Lebensmittelversorgung gar nicht möglich sein."

Aktuelles aus der Landfrauenarbeit hatte Landesbäuerin Anneliese Göller mitgebracht. Ihr Schlachtruf: "Klimaschützer kaufen regional!" Mit dem Einkauf bestimme der Verbraucher nämlich vor allem die Herkunft der Produkte und steuere die Nachfrage. Und sie lobte die Landfrauen für ihre Bildungsarbeit. "Sie sind bis ins kleinste Dorf vernetzt. Es gibt Bildungsangebote vor Ort, in Schulen und Kindergärten, den Tag des offenen Hofes und ganz viele andere Initiativen." Der Verbraucher wolle informiert sein, deshalb müsse man in den Dialog treten. Das geschehe unter anderem mit dem neuen Projekt: "Frühstück auf dem Bauernhof." Diese Veranstaltung werde es in diesem Jahr am 16. und am 17. Mai geben. Unterwegs sind laut Göller auch die "Vitamindetektive",

die den Vitaminen auf der Spur seien. Am Ende erinnerte sie: "Frauen in die Politik, sie sind mehr als die bessere Hälfte." Sie regte an, ein politisches Netzwerk zu gründen, denn "wir wollen auch in einigen Jahren noch bayerisches Schweinefleisch auf dem Teller haben."

Und wie man Arbeitskleidung richtig präsentiert, das wussten die Landfrauen auch: Nämlich mit einer Modenschau. Stellvertretende Kreisbäuerin Marina Herr: "Das ist für uns immer ein großes Thema. Aber wir wollten nicht immer nur Trachtenmode präsentieren, deshalb haben wir uns in diesem Jahr für Arbeitskleidung entschieden." Ohne große Umstände wurden die Gänge zum Catwalk und die Akteure zu selbstbewussten Models.

Für die musikalische Umrahmung sorgte das Blechbläserensemble der Berufsfachschule für Musik unter der Leitung von Ronja Dittmar.